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Mastodon – Live at the Aragon

Mastodon stehen im Zenit ihres Schaffens.

Ihre Vier-Elemente- Albumreihe ist beendet, Crack the Skye krönte diese im Jahr 2009 fulminant. Dem technisch ungemein versierten Hardcore Sludge der Anfangstage blieb man dabei treu, weitete das musikalisch Werk jedoch immer näher gen progressiven Metals melodischer Prägung aus.
Nicht zuletzt Mastodon selbst fanden so in Crack the Skye ihre liebste Schöpfung.
Live at the Aragon, aufgenommen am 17. Oktober 2009 im Aragon Ballroom in Chicago, ist ein Zeugnis dieser Zuneigung.

Das erste Livealbum der Bandgeschichte wird deswegen auch gleich von Crack the Skye eröffnet.
Dem Album wohlgemerkt, nicht dem Song.
Wie mittlerweile Brauch bei Mastodon Konzerten, folgen die ersten sieben Songs der Setlist stringent dem Verlauf des letzten Studiowerkes, ohne wenn und aber.
Darüber hinaus findet man über jeweils einen Abstecher bei Blood Mountain (nämlich: Circle of Cysquatch) und Leviathan (nämlich: Aqua Dementia) zu zwei Vertretern von Remission (nämlich: Where Strides the Behemoth beziehungsweise Mother Puncher).
Als großen Schlussknall serviert man den alten Melvins Klassiker und Konzertstammgast The Bit.
Ausgespart wurde hingegen alles vor 2002 veröffentlichte Material.

Dass bei Livealben hinsichtlich der Songauswahl Fanfavoriten zwangsläufig unter den Tisch fallen, versteht sich von selbst. Zumal hier ein komplettes Konzert aus der Welttournee zu Crack the Skye mitgeschnitten wurde, dürfte die Setliste schlussendlich niemanden wirklich überraschen.
Auch über die vorgetragenen technischen Fähigkeiten der vier Herren aus Atlanta muss wohl nicht diskutiert werden. Troy Sanders, Brent Hinds und Bill Kelliher beherrschen ihre Saiteninstrumente derart perfekt, dass man vor Neid erblassen möchte. Aber was Brann Dailor hinter der Schießbude leistet, spottet jeder Beschreibung – Der Mann ist ein abartiges Vieh von einem Schlagzeuger. Obwohl die beiliegende DVD gegenteiliges beweißt, muss dieser Typ mindestens vier Arme haben.

Doch gerade in Anbetracht ihrer nahezu atemberaubenden spielerischen Fähigkeiten und ihrer grundsätzlich progressiven musikalischen Ausrichtung, überrascht es jedes Mal aufs Neue, wie starr Mastodon Live den Studioversionen folgen – obwohl ihre Musik soviel Raum für Improvisationen böte.
An sich auch kein Kritikpunkt, denn: Mastodon sehen ihr Schaffen offenbar als ausformuliert und keine Notwendigkeit in etwaigen Veränderungen.
Wer würde dies auch anzweifeln wollen, ist Live at the Aragon doch wirklich ein beeindruckendes Zeugnis der Vormachtstellung Mastodons im modernen Progressive / Sludge Metal.

Markantester Unterschied zu den regulären Alben der Band bleibt so einzig der Sound.
Der Auftritt stellt an sich keine Sternstunde der Aufnahmekunst dar, ist jedoch ordentlich weil zweckdienlich gemischt und erfüllt so jegliche Erwartungen. Das Publikum wurde zu einer dezenten Ahnung im Hintergrund degradiert, während die Vocals doch dünner als auf Platte erscheinen – eben wie bei einem Mastodon Gig.
Wer möchte, kann sich das alles Dank CD/DVD Package auch visuell zu Gemüte führen. Tolle Sache an sich, es gibt aber definitiv stimmungsvolleres, als zu Heavy Metal Konzerten im Fernsehen den Head zu bangen.

Livealben sind grundsätzlich eine Fanangelegenheit. So auch Live at the Aragon. Alles in allem eine runde Angelegenheit, – ohne wirklich zu glänzen – wird der erste Mastodon Auftritt aus der Konserve doch das Groß der Fans zufrieden stellen.
Auch wenn Live at the Aragon in erster Linie wohl dazu dient, sein Herzstück Crack the Skye ausgiebig zu feiern.
Es sei dem vielleicht besten Progmetal Album des letzten Jahrzehntes vergönnt.
Mastodon feiern die Feste eben, wie sie fallen.

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