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Soundgarden – Live on I5

Mit knapp 15 Jahren Verspätung bringen Soundgarden ihr erstes Livealbum auf den Markt. Es zeigt die legendäre Seattle Band in geradezu beängstigender Spiellaune.

Zwischen 30. November und 18. Dezember 1996 heuerten Soundgarden Adam Kaspar an, um mehrere Konzerte ihrer US Tour mitzuschneiden.
Zu dem angedachten Livealbum kam es jedoch bekanntlich nie, die Männer aus Seattle gingen im darauf folgenden Jahr getrennte Wege.
Bis zur Wiedervereinigung 2010 war es ein weiter Weg für die vier Musiker. Da passierte zwischen Supergroup (Cornell mit Audioslave), schwächelnden Soloalben (Cornell ohne Audioslave), sprachlos machenden Dancemüll (Cornell mit Timbaland), Beinaheobdachlosigkeit (Sheperd), ziellosen Müßiggang (Thayil) und neuen Bandeintritten (Cameron bei Pearl Jam) so ziemlich alles.
Die Rückkehr zur ikonisch verehrten Band als letzte Chance auf Kredibilität und fette Konten also.
Dass ausgerechnet ein mehr als unnötiges weiteres Best of (Telephantasm) die Rückkehr von Soundgarden darstellte, passte dann auch irgendwie gut ins Bild.

Als nächster Schritt zum angekündigten neuen Studioalbum folgt also das erste Livealbum der Bandgeschichte. Aufgenommen im oben genannten Zeitraum in Del Mar, Oakland, Vancouver, Salem und Seattle wurden 17 Songs zu einem homogenen Ganzen gemischt. Soundgarden liefern ein Paket mit beinahe 80 Minuten Umfang und lassen dabei kaum Wünsche offen, da bekommt das Fanherz, was es begehrt.
Soundgarden rocken Hit um Hit aus den Instrumenten; Spoonman, Outshined, Rusty Cage (dem Man in Black gewidmet), Ty Cobb,….alles da. Den Rest bildet ein wildes Potpourri aus den besten Songs aller Alben.
Dabei bleiben die Burschen aus Seattle meist recht nah an der Studioversion, aber ausgerechnet den wahrscheinlich größte Hit der Band (Black Hole Sun) zelebrieren Thayil und Cornell ausschließlich im Duett.
Neben dem nahezu makellosen eigenen Repertoire fügen Soundgarden zwei Fremdkompositionen in die Setlist ein: Heltet Skelter wird vom räudigen Rocker der Beatles in ein Slow Motion Bluesmonster heruntergestaucht und führt schnurstracks Richtung Boot Camp, wahrend Search and Destroy ein simpler Wüstling in bester Stooges Manier bleibt.
Spätestens wenn Soundgarden beim alles überragenden Abschluß Jesus Christ Pose das Tempo noch mal gehörig anziehen, gibt es kein Halten mehr.
Cornell zeigt sich dabei stimmlich in absoluter Bestform, singt wie ein junger Gott. Seine Band steht da in nichts nach: Thayil ist ein begnadeter Gitarrist vor dem Herrn und die Rhythmussektion treibt mal gnadenlos nach vorn, mal spielt sie ihren elektrifizierten Metalblues so relaxt aus dem Handgelenk, dass man nicht die kleinste Andeutungen des nahenden Hiatus erahnen kann. Grunge in professioneller Perfektion.

Live on I5 unterhält trotz der langen Spielzeit zu jeder Sekunde, ist das spannungsgeladene Dokument einer Band, die aller Widrigkeiten zum Trotz alles gibt. Der Blick zurück in eine Zeit, in der es kaum Zweifel gab, dass Soundgarden die wahrscheinlich beste Rockband der Welt ist.
Damit stimmt Live on I5 zuversichtlich. Zuversichtlich auf neue Songs und zuversichtlich darauf, den Beweis geliefert zu bekommen, dass bei dieser Band die genauen Beweggründe für eine Reunion egal sind. Da ist also auch die Zuversicht, dass dies gleichermaßen Rückschau wie orakelnder Blick in die Zukunft gewesen sein wird.

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Comments (1)

  1. Pingback: Soundgarden - King Animal - HeavyPop.atHeavyPop.at 8. November 2012 […] – nicht mehr als ein inspiriertes Lüftchen, handzahm und eingeschüchtert; ‘Live on I5‘ dazu nur  das neuerliche Aufwärmen alter Großtaten. Für ‘King Animal‘ (nach […]

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