Neonliberal.at

Neonliberal.at

M83 – Hurry up, we’re dreaming

M83 'Hurry up, we're dreaming' Cover ArtNach dem sehr guten „Saturdays = Youth“ kommt nun Album Nummer fünf der unbekanntesten und doch so oft gespielten Dream Pop-er M83. Gleich zwei CDs mit 22 Titeln umfasst das neue Album. Opus Magnum? Eher nein.

Synthies, Samples, breite Gitarrenwände, dramatische Lyrics über verlorene Jugend und Liebe mit einem Hauch Depression und einem ordentlichen Patzen Melancholie. So in etwa lässt sich M83, das Dreampop-Duo aus Frankreich, kurz beschreiben. Die 80er-Jahre sind allgegenwärtig, wenn sie ansetzen, um sich irgendwo zwischen den Cocteau Twins, Air und My Bloody Valentine einzufinden. Nun legt das Duo 22 neue Songs vor – oder auch nicht. Denn allein 6 Titel auf der neuen Platte dauern keine zwei Minuten, sind rein sphärische Interludes. Dazu kommen Intro, Outro und ein paar Instrumentals. Das muss nichts heißen, ist in diesem Fall der Stimmung der Platte jedoch alles andere als dienlich. Hurry up, we’re dreaming schafft es nur selten, die Größe des bei Publikum wie Kritiker_innen beliebten Saturdays = Youth zu erreichen, viel eher siecht es in der eigenen Langeweile dahin.

Aber nicht alles ist schlecht auf diesem Album. Das Intro baut Stimmung auf, erinnert fast ein bisserl an die poppigen Sigur Rós, macht Lust auf mehr. Das gibt einem gleich in Anschluss die Single ‚Midnight City‘, die an alte Größe anknüpft und zum Tanzen ebenso anregt wie zum Traurig-auf-die-Füße-starren. ein denkbar einfacher Beat trifft auf eine catchy Synthesizer-Melodie. Dann die Gitarren von ‚Reunion‘, ebenso Smiths-tauglich wie Indiekonvention. Aber wieder tanzbar, eine gute zweite Single, auf die das erste Interlude ala Boards of Canada folgt. Dann Akustikgitarren, und wir sind inzwischen in einen langsamen Zustand tragischer Melancholie. ‚Wait‘ ist traurig schön, langsam und beruhigend. Ein schönes Lied, um nach der Trennung mit dem Zug nach Hause zu fahren und sich zu wundern, wohin sie sind, die schönen Momente. Kitsch pur – und genau das Richtige in dem Moment. Dann 8bit-Beats, die um den Kopf herumschwirren, eine Kinderstimme, immer mehr und mehr Schichten. Und irgendwie weiß man nicht, ob ‚Raconte-Moi Une Histoire‘ jetzt Zwischenspiel oder Song sein soll. Der Abstieg beginnt.

Jetzt kann nichts mehr an die ersten 20 Minuten anknüpfen. Alles andere ist wiedergekaut, wirkt unausgegoren. Auch, wenn ‚Claudia Lewis‘ Single-Kandidatin sein könnte, zu ähnlich ist es den vorhergegangenen Neohits, zu wenig Innovation bringt es mit, um sich daran noch in einem Jahr erinnern zu können. Instrumentale, Interludes, Sehnsucht. Ende der ersten elf. Nett.

‚My tears are becoming a sea‘ ist dann wieder so ein Zwischending. Intro oder Song? Tragisch und höchst aufgebaut, aber auch ziemlich egal. Dann kommen sie wieder kurz zu Saturdays = Youth, ‚New Map‘ klingt wie direkt dem Vorgängeralbum entnommen. ‚OK Pal‘ packt den funky Disco-Hammer aus, ist aber auch wurscht, sobald die nervenden ersten 8 Sekunden überstanden sind und die Gitarre einsetzt. Dann wieder Interludes, Piano, Sphären, Weltraum, Tragik, Drama, Pubertät, Einsamkeit, blabla. ‚Year one, one UFO‘ fehlen zum guten Indierocker dann die Lyrics, der Rest des Albums nervt schlichtweg einfach. Alles schon gehört, direkt auf dieser Platte. Irgendwann wird es nervig und mit dem Outro bist du dann froh, dass es vorbei ist.

Das macht mich im Zusammenhang mit diesem Album am allertraurigsten. Nicht die Emotionen, mit denen M83 so gerne spielen.

[amazon_link id=“B005ERWUKC“ target=“_blank“ container=““ container_class=““ ]“Hurry up, we’re dreaming“ auf Amazon[/amazon_link]

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

social social

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook