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Male Bonding – Endless Now

Ein knappes Jahr ist das Debütalbum der Engländer erst alt, da schießen sie schon mit einer neuen Platte aus der Hüfte. Dass sie sich dafür ein teureres Studio samt honorigen Produzenten genommen haben hört man. Dass das vielleicht nicht unbedingt die beste Idee war leider auch.

Ordentlich aufgeräumt hat John Agnello den immer noch gelegentlich auf die Effektpedale starrenden Schrammelrock der drei Burschen aus Dalton, England. Der klingt zwar auch auf ‚Endless Now‚ immer noch nach Amerikas Jugend – vor allem jener in den Neunzigern, die den Grunge für sich entdeckt – nach Buzzcocks, Dinosaur Jr.  und Ramones-Verehrung : eben weiterhin, wie man das von einer SubPop-Band erwartet, die keinen Folk spielt. Aber Noiserock darf sich diesmal keiner der vertretenen zwölf (das Outro mitgerechnet) Songs nennen. Und Lo-Fi ist eine Produktion von John Agnello natürlich auch nicht. Wenn man so will, hat der Mann hinter zahlreichen ähnlich orientierten Bands (Thursten Moore, Kurt Vile, Cymbals Eat Guitars, etc.) Male Bonding in den sagenumwogenen Dreamland Studios beim erwachsen werden geholfen.

Der gewollte Soundbrei des Vorgänger ‚Endless Now‚ ist damit Geschichte. Plötzlich klingen die Instrumente sauber voneinander getrennt, da kann man gar einzelne Spuren unterscheiden und muß John Arthur Webb nicht einmal mehr zwischen den Schichten suchen. Ein Jahr älter und weiser singt der immer noch verschwommen von den bedrückenden Dingen des Lebens. Von der Liebe, die nicht da ist etwa – oder jener, die nicht so verläuft, wie man sich das wünscht. Deswegen tragen die Songs auch Titel wie ‚Can´t Dream‚ oder ‚Before it´s Gone‚ und tatsächlich könnte man sich Sorgen um den Gemütszustand der veröffentlichungsfreundlichen Band machen. Würde diese die naiv melancholischen Songs nicht derart lebensbejahend und beschwingt spielen, als gelte es dem College-Rock im Alleingang ein verträumtes Lächeln auf´s Gesicht zu zaubern. Male Bonding wollen immer noch so flockig klingen, wie das drei Instrumente zulassen mögen, wenn man eingängige Melodien und simple, aber mitreißende Rockharmonien aus ihnen klopft. Mit dem Kopf durch die Wand müssen sie aber nicht mehr. Soll heißen: Auf ‚Endless Now‚ sind die immer noch zahlreich vorhandenen sommerlichen Regenhits weitaus zweckdienlicher gespielt, die eingängigen Melodien werden hoffiert, anstatt sie so schnell als möglich abzuhacken. Der gewisse Punkspirit, der einen Großteil der Songs auf ‚Nothing Hurts‚ auszeichnete ist damit einer gesetzteren Dringglichkeit gewichen. In etwa also, was die Thermals auf ihren letzten Alben durchgemacht haben. Nur, dass die Qualitätseinbußen nicht ganz so drastisch ausgefallen sind. Aber dass ein derartig charmant eingängiges Stück Rock wie ‚Dig You Out‚ im Verse beinahe einzuschlafen droht, hätte nicht sein müssen.

Etwas Charme haben die Indielieblinge damit auf Albumlänge doch eingebüßt – aber wer will schon die selbe Platte zweimal einspielen? Eben! Dass die vorhandenen elf Songs doch allesamt knallige Hits sind, lässt die Sache natürlich auch weitaus weniger schmerzlich aussehen. Und ein Song wie ‚Bones‘ wäre so wohl vor einem Jahr noch nicht möglich gewesen. Der ist mit über sechs Minuten der mit Abstand längste der Diskographie und wirkt dabei nicht einmal halb so lang, obwohl er stoisch zu „Aahha“-Backroundgesängen einfach nur vor sich hinrockt und letztendlich doch zum klaren Albumhighlight mutiert. Muß man auch mal hinbekommen. Überhaupt halten  Male Bonding beim zweiten Anlauf  ihre Songs generell länger durch als bisher. Unbedingt spannender wird die Sachlage dadurch zwar nicht, eine Fleißarbeit in Sachen Kurzweiligkeit ist ‚Endless Now‚ dennoch geworden. Wer sich 2010 in die rumpelnde Hitfabrik verliebt hat, dem wird sie auch 2011 zumindest schöne Augen machen. Male Bonding haben sich die Hörner abgestoßen, bleiben im Kern aber die selben naiven Rocker. Die Konsequenz heißt weniger Punkrockparty am Surfstrand, dafür mehr Bubblegumschrammelrockhits im Delayland. Womit man auch gut leben kann.

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