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Mariachi El Bronx – Mariachi El Bronx (II)

L.A.’s. beste Hardcorerockpunks haben gelogen und zücken wieder die Jaranas. Entwicklung hat dabei seit dem ersten Album kaum statt gefunden. Gut so, denn das beschert ein Dutzend neuer The Bronx Hits im mexikanischen Traditionsoutfit – nur dass ‚Mariachi El Bronx (II)‘ seine Sache sogar noch besser macht als sein Vorgänger!

Der erste Ausflug der räudigen L.A. Punker The Bronx war schon ein verdammt unterhaltsames Ereignis. Vollkommen ironiefrei fröhnte man der Vorliebe für traditionelle mexikanische Musik, stöpselte die Verstärker aus und schlüpfte in lateinamerikanische Trachten. Unwerfend war diese Melancholie über beschwingten Latinorhytmen nicht zuletzt aufgrund der mittlerweile typischen Hitdichte, welche die Amerikaner auf jeder Platte vorweisen können. Das hat deswegen nicht nur Fans der Hardcorefraktion überzeugt, sondern auch The Killers begeistert, die die Straßenköter in schicker Montur gleich mit auf Tour genommen und mitunter ihre alljährliche Weihnachtssingle mit den Pseudomexikanern eingespielt haben. Sänger Matt Caughthran ließ trotz des überraschenden Erfolges verlauten, dass man sich wieder auf die Punkschiene mit dem älteren  Band-Alter Ego konzentrieren wolle – gekommen ist es nun doch anders: Mariachi El Bronx hauen ihr zweites Album raus. Wer möchte, darf gedanklich also wieder anfangen durchzunummerieren, denn wie üblich ist auch die fünfte Platte der Herren selbstbetitelt.

Was wiedereinmal passend ist, denn an ihrem Grundsound schrauben Caughthran und Co. wie auch auf den The Bronx Alben kaum herum. Mariachi El Bronx gönnen sich den traditionellen  Genrekonventionen trotzdend nach wie vor Jorma Vik´s treibende Latino Percussion (gibts , die den Songs ordentlich Druck besorgt, während sich Joby J. Ford und Ken Horne darüber mit ihren wunderbaren Gitarrenlicks umgarnen dürfen. Brüllwürfel Caughthran selbst croont sich wieder beseelt durch seine Herschmerzlyric, beschmachtet die Beschwerden der Polygamie ebenso wie die generelle  Crux mit der Liebe: „Love isn’t tragic, love is just being ignored – Faith isn´t magic it’s keeping me foot in the door!“ sucht er mit Zeckoptimismus und einem bitteren Lächeln auf den Weg durch eine Platte, die textlich viel Schatten wirft- was verständlich ist, bei der schweißtreibenden Sonnenanbetung, die die Band betreibt. Dabei fällt man natürlich nicht permanent mit der Tür ins Haus, ‚Mariachi El Bronx (II)‘ gönnt sich vor allem hintenraus verstärkt ruhige Momente. Eingeläutet vom ersten Instrumentaltrack der Band im Mittelteil. Stilgerecht natürlich selbstbetitelt.

Warum das nun noch besser sein soll, als der Vorgänger? Weil Mariachi El Bronx wenig anders machen, als bisher, aber so gut wie alles noch besser. Caughthran ist textlich merklich gereift und präsentiert sich als alterweiser, aber unbelehrbarer Storyteller. Die Gitarrenfraktion hat ihr Spiel perfektioniert und sich den Umgang mit traditionellen mexikanischen Instrumenten beigebracht, die machen nun auch vor Vihuelas nicht halt und wagen sich damit als Band in variantenreichere Gebiete mexikanischer Musik vor als noch auf dem Mariachi Debüt. Eine derart herzerweichende Chorballade wie ‚Fallen‚ hatte die Band bisher jedenfalls noch nicht im Angebot. Man profitiert aber auch deutlich von den mitwirkenden Musikern. Brad Majers zaubert an den Trompeten, Ray Suen darf mit seinem meisterlichen Violinenspiel der Platte den exemplarischen Stempel aufdrücken. Und wäre all dies noch nicht genug, präsentiert sich auch noch die Produktion des ehemaligen Oingo Boingo Mannes John Avila gewiefter, feiner, druckvoller und trotz flirrender Hitze schlichtweg sauberer ohne sich den Sand aus den Stiefeln zu putzen. Was optimiert werden konnte, wurde optimiert.

Schlußendlich jedoch am wichtigsten: Mariachi El Bronx haben wieder ein Dutzend ausnahmslos starker Songs geschrieben. Was hier nicht ohnedies ein astreiner Hit geworden ist, pendelt sich als Glanztat der schwelgenden Melancholie im Partyzelt ein. Für den Tag am Strand ebenso brauchbar, wie für die Fete am Abend und die gedankenschwangere Ernüchterung danach. Sofern sich endlich ein Vertrieb hierfür findet. Denn einstweilen gibt´s die Mexikosause nur per Import, oder im bandeigenen Shop. Dort dafür aber mit Gratis Cover EP und Pimp T-Shirt samt endcooler Gürtelschnalle. Aber auch mit derartig stylische Accesoires machen Mariachi El Bronx klar: Das hier hat nichts von einem Spaßprojekt. Die Band zollt mexikanischer Traditionsmusik mit ihrer dramatischen Melodiewut erwürdig Tribut und erweitert ihre makellose Discographie.
Mit kratziger Stimme fleht  Caughthran einmal: „Plaese safe some forgivness for me!“ Unnötig, denn für dieses Album nimmt man Mariachi El Bronx nicht einmal krumm, dass The Bronx schon wieder viel zu lange auf Eis liegen.

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  1. Pingback: The Bronx - The Bronx (IV) - HeavyPop.at 25. September 2017 […] die Leithammel Joby J. Ford und Sänger Matt Caughthran in der Zwischenzeit mit zwei Alben als ihr Mariachi-Alter-Ego und permanenter Bühnenpräsenz alles andere als untätig war. The Bronx lassen sich annähernd ein […]

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