Neonliberal.at

Neonliberal.at

Mehr Bildungschancen durch Schulden?

Eines kann man Österreichs Parteien nicht unterstellen: dass sie keine Ideen hätten, wie man das Hochschulwesen retten könnte. Das einzige Problem daran ist, dass diese Ideen nicht wirklich förderlich sind, das marode System zu sanieren, sondern meistens nur darauf hinauslaufen, dass die Studierendenzahlen gesenkt werden sollen.Auch die Grünen setzen bei Bildung auf Schulden

Im Universitätsbereich ist in den letzten Jahren nichts passiert, um ein qualitativ hochwertiges und dennoch für alle leistbares Studieren zu ermöglichen. Die quasi-Abschaffung der Studiengebühren wird dank den Vorschlägen unserer Wissenschaftsministerin immer wieder infrage gestellt, und die Kürzung der Bezugsdauer der Familienbeihilfe wurde trotz massiver Einwände durchgezogen.

Den Umstand, dass viele Studierende neben dem Studium arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen (was oft zu Studienzeitverlängerung und somit zum Verlust der Familienbeihilfe führen kann), wird zwar ständig bedauert, doch an sinnvollen Vorstößen, wie dies zu ändern sei, mangelt es.

Nun haben die Grünen ein Modell einer Grundsicherung für Studierende vorgeschlagen, dass unter dem Deckmantel der finanziellen Entlastung von Studierenden daherkommt. Doch diese Grundsicherung soll zu einem Teil aus Krediten bestehen, und obwohl diese zinslos sein sollen, ist es dennoch fragwürdig, ob das Konzept zur Entlastung beitragen kann. Denn auch die Rückzahlung in kleinen Raten bis zum Ende der Erwerbstätigkeit kann nicht davon ablenken, dass man sich für Bildung verschuldet und gegebenenfalls ein Leben lang Schulden abzahlen kann.

Der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, sieht in diesem Modell sogar einen Umverteilungseffekt, da das Modell für Studierende aus unteren und mittleren Einkommensschichten zu einem größeren Teil aus der staatlicher Beihilfe besteht. Sozusagen nach dem Motto: „Die Reichen sitzen danach auf einem größeren Schuldenberg als die Armen“. Dennoch: Schulden sind Schulden. Und wo liegt der Umverteilungseffekt, wenn Studierende, die sich das Studium kaum leisten können, von ihrem Einstiegsgehalt noch Schulden abbezahlen müssen?

Zugegebenermaßen ist es einfach, zu sagen was nicht alles schlecht läuft und was man alles haben möchte, ohne ein besseres Gegenkonzept zu liefern und zu sagen, wo der Staat die Mittel dafür auftreiben soll.

Doch es gibt diese Konzepte, und es gäbe die Mittel. Die simple Erhöhung der Studienbeihilfe, die Ausweitung des Bezieher_innenkreises und die Rücknahme der Familienbeihilfenkürzung wären eine Idee, und die Einführung von Vermögenssteuern würden die dazugehörigen Mittel liefern.

Doch solange der Österreichischen Politik nicht klar wird, dass es sinnvoller ist, in Bildung zu investieren als die Reichen zu schonen, müssen wir wohl noch mit weiteren Elitenbildungsideen unserer Regierung und halb ausgereiften Gegenkonzepten der Opposition rechnen.

Foto: m.p.3.

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook