Neonliberal.at

Neonliberal.at

Mogwai – Hardcore Will Never Die, But You Will

Postrock ist tot. Wieder einmal oder noch immer oder wer weiß das schon. Mogwai "Hardcore will never die, but you will" Cover rt
An selbst auferlegten Genregrenzen zugrunde gegangen, heißt es beispielsweise.
Immer nur Laut-Leise Dynamik und kein Gesang. Und Songs, die man nicht schnell mal während des Zähneputzens konsumieren kann. Innovationen seien undenkbar…
Nicht nur in einschlägigen Internetforen werden, wann immer neue Veröffentlichungen in Sichtweite befinden, die genanntes Genre bedienen, solcherlei Grundsatzdebatten häufiger geführt, als über die jeweilige Musik an sich zu sprechen.

An Mogwai scheinen derartige, immer wieder aktuelle wie ebenso sinnlose Diskussionen spurlos vorüber zu gehen. Abseits von jeglichem Zeitgeistanspruch oder Erwartungshaltungen ignorieren die Glasgower seit jeher jedwede Trends und machen in regelmäßigen Abständen, was sie nun einmal beherrschen wie kaum eine Band da draußen:
Postrock an der Grenze zur absoluten Perfektion.
Nicht erst seit ihrem 2006er Album Mr. Beast zeigt sich bei den fünf Schotten eine Konsistenz, die beinahe erschreckend wirkt. Seit damals aber darf man Mogwai wohl getrost als die „Single“ Band unter den Postrockvertretern bezeichnen, und Hardcore will never die, but you will bleibt dieser Linie treu. Mehr noch: In den besten Momenten schwingt sich die Platte mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit zu einem Schaulauf der eigenen Stärken auf.

Obwohl oder vielleicht gerade weil (so gut wie) alles beim Alten bleibt.
Wie seit Beginn der 2000er Jahre gewöhnt, halten sich die Songs bezüglich ihrer Länge relativ stark in Grenzen, gerade ein Song kratzt an der neun Minuten Marke (wenn man sich nicht die Erstauflage gönnt, der das 26 minütige The Singing Mountain als Bonustrack gegönnt wurde). Vielleicht, weil die Schotten ihr Handwerk mittlerweile derartig perfektioniert haben, dass sie in wenigen Minuten mehr Atmosphäre aufbauen können, als andere Bands in ihrer gesamten Schaffensphase. Ob Melancholie, Euphorie, Trauer,Wut… – Mogwai spielen die gesamte Gefühlspalette mühelos, umgarnen jede noch so simple Grundidee, jedes gar einförmig erscheinende Gitarrenriff oder Klaviermotiv so lange bis daraus musikalische Diamanten entstehen. Soundwände, die einen zu erschlagen drohen und dann doch wieder bis zum nächsten schwelgerischen Moment an der Hand nehmen.
Kopfkino von Profis arrangiert. Wer sucht, findet auch auf Hardcore will never die, but you will wieder Moemente für die Ewigkeit, Songs von solch eindringlicher Schönheit, dass man sie nie mehr missen möchte.

Und natürlich unterscheidet sich Album Nummer 7 damit nur rudimentär von seinen Vorgängern.
Mag sein dass beispielsweise Mexican Grand Prix (neben George Square Thatcher Death Party übrigens mit Vocals ausgestattet) beinahe schon Richtung Tanzfläche drängt und damit Erinnerungen an 65 Days of Static und ihren Dance Postrock vom letzten Jahr wach werden lässt. In solchen Momenten meint man, die Band habe ohnedies weitaus mehr elektronische Spielereien ausprobiert. Abgesehen davon müsste man Erneuerungen des musikalischen Kontextes jedoch förmlich mit der Lupe suchen.
Wer möchte, kann hier von Stagnation sprechen, alle anderen dürfen von Perfektion erzählen.
Mogwai sind nun einmal Mogwai bleiben nun einmal Mogwai. Und das ist gut so.

Postrock ist tot, heißt es also?
Mag sein.
Aber dann war ein Albumtitel noch nie ein stärkeres Statement.

[amazon_link id=“B004FN7ZQA“ target=“_blank“ ]Hardcore Will Never Die, But You Will auf Amazon[/amazon_link]

Add a comment

Comments (1)

  1. Pingback: Mogwai - Every Country's Sun - HeavyPop.at 7. Oktober 2017 […] bekannten Motiven. Coolverine eröffnet den Reigen da wie eine God is an Astronaut-Annäherung an Hardcore Will Never Die, But You Will von 2011. Mogwai schieben verträumte, melancholische Gitarren und ein wohlig nostalgisches […]

Add a comment

Finde uns auf Facebook