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My Morning Jacket – Circuital

Jim James und seine Mannen haben den Absprung vom Richtung Abgrund rasenden Funktrain geschafft. My Morning Jacket  leisten Abbitte für den einzigen Ausfall der Discographie mit einem Album, das sich auf seine Einzelsongs konzentriert. Der legitime Z Nachfolger bietet deswegen Hits noch und nöcher, Marke My Morning Jacket.

Jim James ist nicht Prince und My Morning Jacket nicht The Revolution. Nachdem das klar ist, wurde der Kurs für die wahnsinnige Countryband, die doch immer schon Richtung Prog geschielt und dabei Folk gespielt hat, korrigiert. Wieder einmal.
Auf Circuital liegt der Fokus auf den Songs an sich und diese geben sich tatsächlich aufgeräumter als alles, was die Band bisher veröffentlicht hat. Progressiv ist das nur mehr am Rande, psychedelisch kaum mehr, platzt aber vor schöngeistigem Soul und im Grunde ihres Herzens haben My Morning Jacket hier ohnedies zehn astreine Popsongs versammelt.

Das kann man beim langsam anlaufenden, bedrohlich groovenden  Startschuss „Victory Dance“ schon mal überhören. Ebenso bei „Circuital„, der dann doch eher zwei Songs in einen packt, und sich von einem Hit in den anderen verabschiedet.
Aber „Wonderful (The Way I Feel)“ ist  Disney freundliches Waldlichtung Geschrammel, knuffige Melodien, der gar nicht verleugnet, wie wichtig diese Band für die Selbstfindung der Fleet Foxes gewesen sein muss. „Outta My System“ ist der bizarr stampfende Drogenabgesang, der ebenso verwundert hinterlässt, wie die “Kinderchor-mit-Blasmusik“ Harke „Holdin‘ On to Black Metal„. Textlich ist das Alles nämlich immer etwas merkwürdiger geraten, als es musikalisch den Anschein hat. Jim James singt oftmals undefinierbares mit seiner inbrünstigen, zurückhaltenden, sensationellen Stimme zu einem Sound, der dem Classic Rock vergangener Tage weitestgehend ausklammert und sich auf eingängigen Countryfolk konzentriert. Näher dran an ihren Anfangsjahren waren My Morning Jacket schon lange nicht.

Dabei wirkt Circuital nicht selten eher wie Stückwerk, denn als durchwegs schlüssiges Werk. Was in Anbetracht der makellosen Songs allerdings wenig stört. Das sechste Studioalbum der Band aus Kentucky ist ein unwiderstehliche Melange aus unverschämt eingängigen Einzelsongs geworden, weniger die Summe des Ganzen als seine Bestandteile. Das ermöglicht, dass selbst „You Wanna Freak Out„, immerhin der vielleicht größte Popsong, den My Morning Jacket jemals geschrieben haben, wenig heraus sticht und sich elegant in den fröhlichen Reigen dieser Hitsammlung einreiht.
Die Reduktion auf das Wesentliche ist Circuital insofern. Ein Album, das My Morning Jacket aufgeräumter und in einem unbekannten, nahezu zurückhaltenden Licht präsentiert. Anders kann man nicht erklären, warum diese Größenwahnsinnige Band die einleitenden Fanfaren ohne Blasinstrumente tüdeltüt. My Morning Jacket sind damit wieder in der Spur gelandet.

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