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Neil Young – A Treasure

Neil Young veröffentlicht die nächsten Live-Aufnahmen aus seinem riesigen Archiv. „A Treasure“ strotzt nur so vor USA-Patriotismus und Country, da hat man den Old Man schon deutlich besser gehört.

„A Treasure“ ist die mittlerweile neunte Veröffentlichung aus Neil Youngs großen Archiven, die es auch als Ganzes zu kaufen gibt. Was groß als „brand new record“ angekündigt wird, ist eine Sammlung von Live-Aufnahmen aus den 80er-Jahren; der Zeit, in der Neil Young mit Synthies und Grunge experimentierte und seine Veröffentlichung mehr als durchwachsen waren. Der Titel der Compilation kommt von einer Aussage des NY-Lap-Steel-Gitarristen Ben Keith, der die Aufnahmen „A Treasure“ genannt haben soll. Ob er recht hat oder nicht, liegt wohl im Auge der Hörer_innen.

Die Aufnahmen entstammen einer Tour Youngs mit der Band „The International Harvesters“. Betrachten wir die Zeit, aus der sie stammen und setzen die Fanbrille auf, ist „A Treasure“ durchaus ein gutes Album. Abgesehen davon bietet es vier bisher nicht veröffentlichte Titel („Amber Jean“, „Let Your Fingers Do The Walking“, „Soul of a Woman“, „Grey Riders“), ist also für Sammler_innen durchaus interessant. Wer mit der Materie jedoch nicht so vertraut ist, den Werdegang und die vielen Stiländerungen Neil Youngs nicht kennt, wird hier vor allem eines hören: konventionellen, durch und durch patriotischen Country-Rock. Weiß man nicht, dass Young Kanadier ist, niemals würde man auch nur kurz daran denken. Unter anderem findet sich unter den 12 Titeln auch „Motor City“ vom Album „Re-ac-tor“ mit der Textzeile „There’s already too many Toyotas in this town“ – was darauf folgt, ist Jubel. Das ist Patriotismus pur. Ob das nun Satire ist oder in Zusammenhang mit Youngs damaliger Sympathie für Ronald Reagan gesehen werden sollte, ist egal. Was wichtig ist, ist die Message, die uns der impulsive Künstler mit auf den Weg gibt – und die ist klar pro USA. Ob das jetzt bessere Autos sind oder nicht, egal, sie sind nicht von hier!
Aber egal, hier soll es ja um die Musik gehen, auch wenn such das bei einem oft so politischen Künstler wie Neil Young relativ schwierig gestalten mag.

Der Eisntieg mit „Amber Jean“ ist schlau, macht neugierig auf die anderen unveröffentlichten Titel. Darauf folgt der Klassiker „Are you ready for the country?“, was durchaus als Leitsatz für das Album gelten darf. Nur der Bluesrocker „Soul of a Woman“ hebt sich etwas vom kitschigen Country-Einheitsbrei ab, vereinzelt gibt man sich auf „A Treasure“ aber auch rockig („Southern Pacific“, „Grey Riders“) – und das auf jeden Fall besser als auf den Studioalben der 80er. So gesehen ist „A Treasure“ auch ein nettes Album, das einen bodenständigen Neil Young zeigt, der nicht völlig vom Geist der Synthie-80s aufgefressen wurde, sondern durchaus weiß, wo seine Wurzeln sind. Es ist aber auch ein Dokument der Belanglosigkeit Neil Youngs in der 80er-Jahren. Denn alles, was wir hier hören, haben andere Country-Stars wie Willie Nelson schon viel früher fabriziert. Die neuen Arrangement einiger Klassiker sind, wie auch die vier unveröffentlichten Titel, den Kauf dieser Vollpreis-Live-Compilation nur für Fans, die das Geld für die Archives nicht locker haben, wert. Wer hiermit in die Materie einsteigt, darf sich zurecht verschreckt abwenden.

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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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