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neonliberal meets…: Portugal. The Man

Etwas mehr als eine Stunde vor Beginn des Konzerts für die „FM4 Radiosession“, nehmen sich Zach Carothers und Ryan Neighbors der amerikanischen Band Portugal. The Man Zeit für ein kurzes Interview. Das Gespräch findet im Backstagebereich des Radiokulturhauses in Wien statt. Ursprünglich 1930 erbaut und mittlerweile Heimat von drei Radiosendern, vermittelt das Gebäude zwischen alt und neu einen ganz eigenen Flair. Das Foyer des Hauses ist ein riesiger Raum mit kreisrunder, offener Portiersloge – die an die Kommandobrücke des Raumschiff Enterprise erinnert.

Ryan Neighbors (Keyboard) und Zach Carothers (Bass) von Portugal. The Man im Interview

Ryan, der Keyborder der Band, grüßt schon von Weitem. Er kaut die letzten Bissen seines Sandwiches und lässt wissen, dass der Bassist und zweite Interviewpartner Zach noch eine Zigarette rauche, aber gleich komme. Ryan nimmt Platz und beginnt gut gelaunt drauflos zu plaudern. Das Radiosymphonieorchester macht sich bemerkbar: ein Trompeter übt am Gang und überall laufen Menschen mit Instrumenten unter den Armen herum. „Wir haben schon oft in Wien gespielt und freuen uns jedesmal wenn wir hier sein können„, sagt er überzeugend. Ganz besonders freue er sich auf das echte Klavier, dass er heut abend bei der exklusiven FM4 Radiosession hier im Radiokulturhaus spielen dürfe.

Ein ebenfalls entspannter und gut gelaunter Zach taucht schließlich auf und das Interview beginnt.
Die Texte auf unserem neuem Album sind sehr kraftvoll. John [Gourly, Sänger und Gitarrist der Band, Anm.] hat sich viel Zeit für das Schreiben der Texte genommen, mehr als bei den Alben davor. Wir haben uns überhaupt mehr Zeit für das ganze Album genommen, als wir es jemals getan haben„, sagt Zach. Und das obwohl die Band seit ihrem Debüt Waiter: „You Vultures!“ 2006 jedes Jahr unermüdlich ein Album veröffentlicht hat. Bei den Aufnahmen für das im Sommer erscheinende Album nahm sich das Quartett von Portugal. The Man nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Platz: „Wir begannen mit den Aufnahmen in El Paso, Texas und machten weiter in New York, San Diego, L.A., Seattle und sogar bei uns zu Hause im Keller.
Die Texte der neuen Songs sind vielfältig und hauptsächlich vom Umfeld der Band beeinflußt. „John springt von einem Thema zum anderen. Vieles ist inspiriert vom Aufwachsen in Alaska, aber er schreibt auch über Dinge die wir beim Touren und Reisen erleben. Die Stimmung der Songs ist auf jedenfall sehr hoffnungsvoll. Das ist genau was wir brauchen in harten Zeiten wie diesen.

Zum ersten Mal wird die Band dabei ein Album bei einem Major Label veröffentlichen – Atlantic Records. Obwohl Atlantic ein großes Label ist, beschreibt Ryan die Zusammenarbeit als familär. „Wir mögen alle bei Atlantic. Die Leute dort sind wirklich smart und große Musikfans. Es ist großartig so eine Unterstützung vom Label zu bekommen, so konnten wir uns viel Zeit nehmen und hatten die Möglichkeit uns voll um die neuen Songs zu kümmern.“ Der Wechsel zum Major sei eine persönliche Entscheidung der Band gewesen, sie werden auch weiterhin ohne Kompromisse Musik machen die sie gut finden.
Atlantic ermöglichte ihnen auch die Zusammenarbeit mit dem Produzenten John Hill.
Hill arbeitete bereits als Produzent für M.I.A. und Kings of Leon, aber auch für Shakira, Jay-Z und Christina Aguilera. Dem Sound des neuen Albums schadet John Hill nicht. Im Gegenteil: Orientiert am Stil der Vorgängeralben, sorgt der neue Produzent für einen satteren Sound, der mit gut gesetzten Effekten die Stärken der Band, vor allem die Stimme von John Gourly, hervorhebt.

Für Portugal. The Man scheint damit gerade alles gut zu laufen. Vier Typen, die dem kalten Alaska entflohen sind, um in Portland richtig durch zu starten und ihrer unermüdlichen Produktivität und Kreativität freien Lauf zu lassen. Fünf EPs und sechs Alben  haben sie seit 2005 veröffentlicht. Ein Jahr pro Album ist ein beachtliches Pensum, aber Ryan und Zach zeigen keine Spur von Müdigkeit. „Jedes Jahr ein Album zu veröffentlichen ist der Plan, so wollen wir weitermachen. Wir wollen nur sicher gehen, dass wir glücklich sind mit dem was wir veröffentlichen„, erzählt Zach mit einer Vorfreude auf die kommenden Jahre und die kommenden Alben von Portugal. The Man.

Die frühen Werke der Band weisen ein großes Spektrum an verschiedensten Stilen und Sounds auf. Waiter: „You Vultures!“, Church Mouth und Censored Colours sind drei Alben, die stilttechnisch kaum etwas miteinander verbindet. Erst seit dem 2009 erschienenen The Satanic Satanist hat Portugal. The Man einen prägenden Sound entwickelt.
Geplant war dieser Sound nicht, sind sich Zach und Ryan einig: „Das sind einfach Songs die geschrieben werden. Songs die wir mögen mit einem Sound den wir mögen.  Es war weder unser Ziel noch ein bewusster Schritt diesen Sound zu erreichen. Vielleicht liegt der Eindruck daran, dass wir seit The Satanic Satanist wissen wie Akkordfolgen funktionieren und wie man Songs strukturiert. Bestimmt ist das den Leuten so sehr aufgefallen.
Ryan und Zach lachen, sichtlich stolz auf ihre Fortschritte beim Spielen von Instrumenten und schreiben von Liedern.
Seit dem Album fügen sich unsere Songs zusammen und sind nicht mehr  nur ein Haufen Stücke. Wir werden immer besser und lernen mehr dazu, deswegen werden auch unsere Alben immer besser. Und das ist es was wir wollen und auch weiter tun werden.

Die beiden strahlen Zuversicht und Zufriedenheit aus; nicht nur die Texte des neuen Album geben Hoffnung, sondern auch Zach und Ryan. Die Hoffnung auf viele gute Alben und vor allem auf gute Konzerte. „Mit Wien haben wir viele positive Erfahrungen gemacht. Wir haben auch gute Freunde hier in der Stadt.
Gelassen und mit Glückwünschen machen sich die beiden wieder auf in den Backstageraum. In einer halben Stunde werden sie die Bühne des Radiokulturhauses betreten, für ein semi-akkustisches Set aus alten Songs und ein paar neuen Stücken aus dem kommenden Album.

Einen Bericht des Konzerts im Radiokulturhaus findet ihr hier.

Foto 1: Christopher Pieberl
Foto 2: Emily Dyan Ibarra – John Gourley & Austin Sellers

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Comments (1)

  1. Pingback: Portugal. The Man - In the Mountain In the Cloud - Neonliberal.at 18. Juli 2011 […] nichts mit der Unterschrift beim Labelriesen Atlantic zu tun hat. Die Band hält Wort und lässt diesen Faktor unbemerkt an ihrer Musik vorbeimarschieren, werkelt unbekümmert an ihrer […]

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