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TV on the Radio – Nine Types of Light

TV on the Radio zähmen nach zwei Jahren der durchwachsenen Soloausflüge
ihren cleveren Art Rock. Das auf Album Nummer Fünf bei all dem Hirnschmalz das Herz nicht zu kurz kommt, ist das eigentlich spektakuläre an Nine Types of Light.

TV on the Radio verfallen für Nine Types of Light der Harmoniesucht. Hinter diesem wieder einmal unfassbar gründlich aufgebauten Produktionsgerüst steckt der bisher konkreteste Ausflug der Fünf Brooklyner in die große Welt der Popmusik.
A heart doesn’t play by rules and love has it’s own demands“ weiß Tunde Adebimpe in Will Do. Und so entdecken die Amerikaner nach verzweifelten Jugendhymnen und beißenden Protestsongs für den Nachfolger des Post-Funk Monsters Dear Science den gefühlsschwangeren Lovesong für sich.

Damit einhergehend herrscht auf Nine Types of Light nicht die ausführlich kontrastierte Soundpallette vor, die man vom bisherigen Output der Band gewöhnt ist. Weitestgehend gleichförmig schwelgen die zehn neuen Songs in harmonischer Eintracht, setzen sich (sicherlich auch unter dem Eindruck der Lungenkrebs-Diagnose bei Bassist Gerard Smith) gleichermaßen mit den Hochphasen wie auch den Unzulänglichkeiten menschlicher (Liebes-)Beziehungen auseinander.
Damit stampfen TV on the Radio nicht gewohnt markant auffällig durch die Vordertür, sondern schleichen sich hinterrücks mit einschmeichelnd warmen Soulpop durch den Seiteneingang, vergessen dabei aber nicht auf den unnachahmlich umständliche Groove, wie ihn so nur die New Yorker hinbekommen.

Nine Types of Light gibt sich eingängig, fast schon zahm und beinahe ereignislos im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern.
Einzig der treibende Dancer No Future Shock , der heißblütige Austicker Repetition und der (als Closer leider vollkommen deplatzierte) Drängler Caffeinated Consciousness zeigen Zähne, geben dabei die markanten Ankerpunkte einer Platte, deren restlichen Songs sich förmlich an die Gehörgänge schmiegen und dabei dennoch den paradoxen Spagat vollführen, trotz ihrer eingängigen Natur erst langsam zu wachsen.
Natürlich – hier passiert im Hintergrund wieder so viel, dutzende Spielerein sperren sich dort. Doch vordergründig tänzelt Nine Types of Lights offenkundig auf der kompromisslos melodiösen Schiene einher. Streut dabei immer wieder große Melodien aus, lässt Banjos, Streicher und Bläser als Köder in wellenden Gewässern des Wohlklangs treiben.
Und irgendwann kriegen einen TV on the Radio auch damit wieder.
Aus verhältnismäßig unscheinbaren Teilstücken werden einfühlsame Beziehungs(ab)gesänge allererster Güte.
Dann entpuppt sich Nine Type of Light als Bruch mit der vermeintlichen Erwartungshaltung. Für ihr fünftes Album haben TV on the Radio Songs geschrieben, die weniger das Hirn als das Herz ansprechen.
Und plötzlich zählen bedächtig zusammengeschraubte Soundflächen wie Second Song, Killer Crane oder Will Do zum Besten, das diese Band bis dato veröffentlich hat.

Somit bleiben TV on the Radio auch auf ihrem fünften Studioalbum innovative Songtüftler und dem originären, sich stets wandelnden Ansatz ihrer Musik treu – variieren ihren ganz eigenen Sound von Grund auf.
Auch wenn sie dies auf dem bisher subtilsten Album ihrer Kariere gut kaschieren:
Nine Types of Light braucht Zeit. Allerdings nicht, damit man es verstehen lernt.
Sondern damit es ans Herz wächst.


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