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The Dodos – No Color

Meric Long und Logan Kroeber machen auf ihrem vierten Album einen Schritt zurück. Und damit zwei große nach vorne. Wieder zum Duo geschrumpft, rumpeln The Dodos diesmal ohne großen Produzentennamen auf Umwegen Richtung Folkrockhimmel.

Im Nachhinein hätte man es eigentlich wissen können, ja müssen. Die zwei hibbeligen Musiker aus San Francisco und Phil Ek, das konnte einfach nicht gut gehen.
Die einen hatten mit ihrem hyperaktiven Zweitling Visiter gerade mal eins der spannendsten und besten Indiefolkrumpelrock Alben der letzten Jahre rausgetrommelt.
Der andere hat zwar einen durchgehend sensationellen Backkatalog, war aber jüngst vor allem durch seine Soundkathedralen für Fleet Foxes oder Band of Horses in aller Munde.
Herausgekommen ist dann schlussendlich auch ein Häftling von einem Album. Ihren unbändigen Spieltrieb mussten The Dodos auf Time to die scheinbar an jeder Ecke einbremsen, nichts durfte mehr übers Ziel hinausschießen, die an sich guten Songs waren allesamt auf Umgänglichkeit gebürstet.
Zwei Jahre hat man sich nach diesem mittelprächtigen Übergangsalbum Zeit gelassen.
Die hat man genutzt,  um den namhaften Mann am Tonstudio gegen den unbekannten Stammproduzenten John Askew zurückzutauschen. Oder um Vibraphonist Keaton Snyder wieder aus der Band zu entlassen. Vor allem aber, um wieder zu sich selbst zu finden.

Zurück auf Los lautet also die Devise. Ohne Zügel gehen die zwei Dodos diesmal gleich von Anfang an auf die Überholspur.
Allein der entschlackte Sound lässt die Band um mehrere Bürden leichter wirken und jede Sekunde von No Color damit merklich unbeschwerter klingen als den Vorgänger Time to Die.
Plötzlich ist da wieder diese unbekümmerte Band mit spartanischem Folkrockequipment, in der Meric Long seine Akustikgitarre so energisch spielen darf, als müsse er eine Garagerockplatte einspielen, während Logan Kroeber wieder zeigen möchte, dass er eine Metalvergangenheit hat und immer wieder Melodie wie Rhythmik in einem trommelt.
Überhaupt ist No Color wieder vollgepackt mit dieser ganz eigenen Dodos Dynamik – das Schlagzeug gibt das Grundgerüst vor, während die Gitarre drunter und drüber her zappelt.

Zudem haben Long und Kroeber die zwei Jahre genutzt um ausnahmslos tolle Songs zu schreiben.
Diese gehen eher in die Richtung, die schon mit Time to Die eingeschlagen wurde, sind allesamt gleichförmiger aufgebaut als die Songs des keine Berührungsängste kennenden Visiter. Der adoleszente Übermut ist gefestigter Erfahrung gewichen. Man will nicht mehr alles auf einmal sondern lässt sich Zeit – schlußendlich Geschmackssache.
Dem ungeachtet gehören etwa Good oder When Will You Go mit zum Besten, was die Dodos bisher veröffentlicht haben. Dass die Platte im letzten Drittel leicht abbaut, wird deswegen auch ohne Groll zur Kenntnis genommen. Und da die Songs des Duos immer schon eine Spur zu lang ausfielen, kann man das mittlerweile als liebgewonnene Tradition abstempeln. So hat man dafür eben länger etwas von Neko Cases Auftritt in Don´t Try and Hide it.

Trotz einiger Mankos ist No Color wohl das Album geworden, dass die Band bereits 2009 abliefern wollte.
No Color gibt sich nicht ganz so überschwänglich melodieselig wie Visiter, und hat damit auch nicht annähernd so viele Übersongs in petto wie das Durchbruchalbum von 2008, doch füllt es dessen Fußstapfen weitgehend überzeugend aus.
Auch wenn Time to Die etwas in die Hose gegangen sein mag, etwas gelernt haben The Dodos dabei dennoch: Neben anderem trennen die beiden Platten spielzeittechnisch fast 20 Minuten.
So ist Jon Askew unter anderen Vorraussetzungen und dem richtigen Sound gelungen, was schon Phil Ek produzieren wollte: Eine fokussierte Dodos Platte mit Maß und Ziel.
Ihre Jugendjahre haben The Dodos damit offenbar endgültig hinter sich.

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