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Thursday – No Devolutión

Common Existence war die Quintessenz all dessen, was man an Thursday
immer schon toll finden musste. Aber es wirkte auch wie der obligatorische Schlussstrich nach zwölf gemeinsamen Jahren. Und tatsächlich: No Devolutión schlägt ein neues Kapitel für eine Band auf, die schon immer so viel mehr war, als ihr Ruf als Emo-Könige.

Klar ist das noch die Band, der man spätestens mit ihrem 2001er Meisterwerk Full Collapse verfallen musste. Anders kann es gar nicht sein, dazu ist allein Geoff Rickleys markant emotionaler Gesang zu prägend. Dazu all diese Melodien, die so unverkennbar die Band Thursday an sich ausmachen. Doch gestalten die Männer aus New Jersey das Grundgerüst ihres unverkennbaren Post Hardcore für ihr sechstes Studioalbum vollkommen um.

In vielerlei Hinsicht erntet No Devolutión, was Thursday auf A City by the Light Divided aussäten, doch für Common Existence außer Acht ließen, um noch ein letztes Mal so richtig die Sau durchs Hardcore Dorf zu treiben. Schon 2006 ließ die Band erkennen, dass es sie in die Breite zieht,  atmosphärische Keyboardflächen durchaus ins Konzept passen.
Auf No Devolutión folgen sie diesem Drang nun bedingungslos. Die Gitarren werden weitestgehend in den Hintergrund gedrängt, das Schlagzeugspiel ist dominant platziert. Rickley singt aus anderen Sphären und unter dichten Keyboardschwaden hindurch, die tatsächlich die tragende Rolle im Gesamtkonstrukt No Devolutión übernehmen. Zwölfmal gehen die Sechs nicht den einfachen Weg, lassen wachsen, was wachsen will  und geben den Songs jeden Raum den sie brauchen. Seinen Höhepunkt findet diese Entwicklung in Empty Glass, ein Klangkonstrukt mit Rickley an Bord alle anderen Instrumente als bloße Ahnung zurücklässt.

Thursday
Alben funktionierten (trotz zahlreicher aufzeigender Hits) immer auch als Gesamtwerke. No Devolutión sticht diesbezüglich jedoch markant aus der Banddiskographie hervor, chauffiert keine einzelnen Songs, rückt ausschließlich das große Ganze in den Vordergrund . Natürlich retten Thursday prägnante Eckpunkte ihrer Bandidentität in den Neuanfang und es gibt sie  immer noch, die zwischenzeitlichen Austicker der Band (Past and Future Ruins wirkt in seiner Schlussphase gar wie ein United Nations Aspirant); in Summe sind Thursday 2011 jedoch ruhiger geworden.
Man möchte fast schon sagen: Altersweise.

Das Emo-Korsett war für Thursday seit jeher zu eng, wenn es denn überhaupt jemals gepasst hat. Deutlicher als mit No Devolutión hätte man dies kaum zeigen können.
Vor den Aufnahmen sei man vor der Wahl gestanden, entweder ein funktionierendes Album einzuspielen oder sich als Band zu trennen, sagt Rickley. No Devolutión kam für alle Beteiligten anders als erwartet – doch es funktioniert.
Weil es der Band neue Wege öffnet, das Feuer so am Lodern hält.
Wer diesen Schritt nicht mitgehen möchte, hat wahrscheinlich noch nie verstanden, um was es bei Thursday jemals ging.


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