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Oathbreaker – Mælstrøm

Gewaltiger Hardcore-Hassklumpen mit Wut im Bauch, Metal im Herzen und Rock im Gedanken. Da sind Geschwindigkeitsbeschränkungen sekundär. Oathbreaker setzen mit ihrem Debut keine Maßstäbe, spielen aber von Beginn an über dem Durchschnittsniveau. Unschwer zu erraten, aus welcher Ecke das beinahe zwangsläufig kommen muß.

Qualitativ hochwertiger, moderner Hardcore aus aller Welt – das geht schon seit einiger Zeit praktisch Hand in Hand mit Deathwish Inc.. Das Label von Jacob Bannon und Tre McCarthy beweist mit jeder Veröffentlichung wenigstens Geschmack, und bringt zwischen Alben von wegweisende Jungspunden (Blacklisted, Trap Them), altgedienten Helden (Cold World, Hope Conspiracy), Allstarbands (United Nations), Converge-Nebenschauplätzen (Doomriders) und europäischen Vorreitern (Rise and Fall) so ziemlich alles raus, was Rang und Namen hat. Dazwischen positionieren sich auch Oathbreaker passend, liefern mit ihrem Debüt eine beachtliche Vorstellung, die den bisherigen Backkatalog weder in helle Aufregung versetzt, noch beschämt.

Viel geändert hat sich für die Belgier seit ihrer ersten EP 2008 nicht, mittlerweile treffen sie mit ihrer Schlachtplatte jedoch vollends den Nerv der Zeit. Fetter Hardcore kollidiert mit derb rockenden Riffs, die auch im Metal Verwendung finden könnten. Das ist nicht nur modern und angesagt, Oathbreaker beherrschen dies auch fulminant. Das ist meist ebenso rasend schnell und kompromisslos wie es der Vorbote ‚Origin‚ schon angedeutet hat, auch wenn nicht jeder Song in seinen letzten Atemzügen noch die Muse hat ein knallhartes Sekundensolo an der Gitarre rauszuhauen. Braucht es auch nicht, wenn man Newschool Hardcore, Punk, Metal und Rock so gekonnt zusammenschraubt, dass es vor allem Cursed Fans warm ums Herz werden dürfte.
Ein besonderes Augenmerk fordern Oathbreaker für den Gesang ein, denn da brüllt sich ein offenbar wahnsinniger Kerl die Kehle wund, dass schon das zuhören schmerzt. Bestialisches Gekeife ist das, für das sich auch Black Metal Kollegen nicht genieren müssten, das von Unheil und den dunklen Stunden des Lebens berichtet – in Genf scheint jedenfalls nicht oft die Sonne zu scheinen.
Irgendwann – genauer gesagt beim komplett aus der Reihe tanzenden Schluß- und Titelnummer – erinnert man sich dann doch dass es da ja irgendetwas mit dem Gesang auf sich hatte. Denn wenn eine beinahe glockenhelle Stimme zu verrosteten Akkutigitarren trällern und unschuldiger Damengesang über verwunschener Untermalung schwebt, fällt es einem wieder wie Schuppen von den Augen: stimmt doch, Oathbreaker waren ja die Belgier mit der Frau am Mikro!
Eine Trumpfkarte, dass Caro tatsächlich singen kann, auch wenn die auf ‚Mælstrøm‘ in erster Linie irritiert zurück lässt.

Mehr als der verwunschene Abgesang imponiert allerdings das Gebolze davor. Richtig zur Geltung kommt der knüppeldicke Knockout ‚Mælstrøm‚ nicht zuletzt durch die hervorragende, fette Produktion. Michael Neyt und Lander Cluyse haben hier ganze Arbeit geleistet, den finalen Anstrich hat Kurt Ballou am Mischpult geliefert. Und was der Mann mixt, hat immer einen tollen Sound. Unter diesen Umständen und mit diesen Songs steigen Oathbreaker schon mit ihrem Debütalbum neben Rise and Fall zur wahrscheinlich wichtigsten Belgischen Band harter Gangart auf – als Labelkollegen passt das gleich noch besser.
Weil die 9 Songs auf ‚Mælstrøm‘ durch die Bank gelungen sind und auch das Umfeld nichts gegenteiliges beschwört – darf man von Deathwish Inc. typischer Wertarbeit sprechen?

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