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Omar Rodríguez-López – Telesterion

Omar Rodríguez-López wirbt um Neukunden und liefert Fans mit schmaler Geldbörse eine Möglichkeit, an seinem gewaltigen Output Teil zu haben.  Telesterion vereint 37 (auf CD) bzw. 38 (auf Schallplatte) Songs aus fast allen seit 2004 laufenden Projekten des The Mars Volta Gitarristen.

Knapp vierzig Songs für ein Best-of Album mögen reichlich erscheinen, sind allerdings geradezu knapp bemessen, wenn man bedenkt, dass Omar Rodríguez-López unter verschiedensten Namensvariationen bisher auf über 20 Alben zurückblicken kann – seine Arbeit für The Mars Volta nicht mitgerechnet.
In erster Linie dient sein gewaltiges Oeuvre dann auch dazu, all jenen Ideen Unterschlupf zu bieten, die nicht ins The Mars Volta Universum gepresst werden können. Da schüttelt ob der mutmaßlichen Unsinnigkeit dieser Aussage nur den Kopf, wer sich noch nicht mit Rodríguez-López‘  Solowerk befasst hat, denn jenes bewegt sich tatsächlich noch so viel weiter außerhalb jeglicher kommerzieller Raster als seine Hauptband.

Da prallen überlange Jazzeskapaden auf Latino Rhytmen, Metalanleihen spielen Verstecken mit undurchsichtigen Soundexperimenten und niemand wundert sich mehr, wenn eine komplette Platte aus weißem Rauschen bestünde. Omar Rodríguez-López ist unbestreitbar ein sensationeller Gitarrist, auf konventionelle Art und Weise liegt ihm schlussendlich aber wenig daran, dies auch stets unter Beweiß zu stellen. Die Ergebnispalette deckt  deswegen von „fragwürdig“ über „gelungen“ bis „unfassbar brillant“ alles ab. Über den Daumen gepeilt darf man wohl behaupten, dass jede Veröffentlichung aus dem Hause Rodríguez-López zumindest interessant und/oder spannend ist.
Dass die einzelnen Songs aus ihrer jeweiligen Alben-Dynamik entrissen und querbeet nebeneinander gepflanzt wurden, stört dabei auf Telesterion kaum – zu sehr sind selbst die regulären Veröffentlichungen mehr Momentaufnahmen denn klar konstruierte Konzeptwerke.

Zusammengestellt von Rodríguez-López langjährigem Artwork-Spezi Sonny Kay, bietet die Kompilation einen gelungenen Querschnitt durch das schier uferlose Werk des Gitarristen, Komponisten und Arrangeurs. Dass da Fanfavoriten zwangsläufig fehlen (müssen) und man generell mit den regulären Alben trotz allem besser bedient wäre, sei in diesem Fall außer Acht gelassen. Ebenso wie die Tatsache, dass Telestrion zwar um-, jedoch nicht allumfassend geworden ist: Zwar  begegnen einem  auf hier massenhaft The Mars Volta Kollegen in verschiedensten Rollen, allerdings  wurden jedwede Kollaborationsalben (u.a. jene  mit John Frusciante und Lydia Lunch) ausgespart. Zur Höchstform läuft Rodríguez-López aber ohnedies vor allem dann auf, wenn er gemeinsame Sache mit seiner Muße Ximena Sariñana macht, und das Material findet sich auf Telesterion
Das vielleicht beste an der rundum gelungenen Best-of Kompilation übrigens: Der ansonsten oft fahle Beigeschmack eines Kariere(abschnitt)endes fehlt hier vollends – Alleine für dieses Jahr sind fünf neue Alben bereits angekündigt.


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Comments (2)

  1. Pingback: Omar Rodríguez-López - Un Corazón de Nadie - HeavyPop.atHeavyPop.at 1. Juni 2012 […] Solodiscographie nun wirklich nicht erschöpfend dokumentierende Werkschau namens ‘Telesterion‘ hatte das Licht der Welt erblickt. 2012 zeigt sich der Texaner jedoch wieder als größter […]

  2. Pingback: Omar Rodríguez-López - Arañas en La Sombra 1. September 2016 […] nun fertigen Songs ihn verpasst bekommen haben – die Probe aufs Exempel kann man anhand der Telesterion-Nummer Cásate Colmillo durchführen, die nun als Extravagants Dientes im geschlossenen Rausch […]

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