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Oupa – Forget

Als hätte Daniel Blumberg nicht genug damit zu tun, den Erfolg auszukosten, den Yuck gerade einfahren, veröffentlicht der junge Engländer kurz nach dem selbstbetitelten Debüt seiner Hauptband schon das nächste Werk. Mit dem in die 90er Jahre verliebten Indierock hat sein Soloprojekt Oupa allerdings herzlich wenig zu tun.

Genau genommen hätte sich Daniel Blumberg soundtechnisch kaum  weiter von seiner Stammformation entfernen können. Dinosaur Jr. und ähnliche Bands – die kommen einem während der vierzig Minuten ‚Forget‚ niemals in den Sinn. Kein Schützenfest für eingängige Indiehits ist das, es gibt keine Hooks und Riffs. Stattdessen bewegt sich Blumberg mit Oupa in die Einsamkeit und verlässt sich dabei nahezu ausschließlich auf seine Stimme inmitten zerfallender Pianoklänge und resignierender Synth-Effekte. Dass das Soloprojekt seit der Anfang des Jahres erschienenen ‚Weakend‚ EP nicht mehr unter Yu(c)k firmiert passt also schon.

Zutiefst melancholisch und einsam schwebt Blumberg durch die sieben Songs von ‚Forget‚. Der Engländer treibt durch weitläufige Soungemälde, konkrete Songideen werden hier zugunsten verschwimmender Empfindungen aufgegeben. Am griffigsten ist dies noch – eher sogar als bei der ersten Single ‚Windows‚ – bei ‚New Home‚; einer beinahe klassischen, unergründlich tieftraurigen Pianoballade. Ein unwirkliches Stück, das zwischen den Welten schwebt und für die dunkelsten Momente des Lebens geschrieben wurde. Emotional zerrüttender hat man den Musiker in noch keinem seiner Projekte gehört. Was generell für die gesamte Songsammlung gilt. Diese bewegt sich in ihrer vertonten Hoffnungslosigkeit eklatant nahe an dem Suizid-Output von ‚Enemies List‚ Mastermind Dan Barret und speziell dessem jüngster Inkarnation Giles Corey. Passend dazu veröffentlicht Blumberg Oupa auch über sein eigenes Label ‚Boiled Egg‚ (im Vereinigten Königreich, Fat Possum kümmert sich um Amerika und Atelier Ciseaux versorgt Frankreich), stilgerecht ausschließlich als Kassette oder Download samt dazu passendem Artbook. So viele Gemeinsamkeiten musikalisch, textlich und vor allem stimmungstechnisch zwischen den beiden Musikern in diesem Fall auch vorhanden sein mögen: mehr Aufmerksamkeit als Dan Barret bekommt Oupa Dank seiner prominenten Hauptband natürlich. Deswegen hat Greg Puciato (The Dillinger Escape Plan) schon längst seinen Tribut gezollt.

„I have never seen a face, that hit me so hard, with all it’s grace“. Der Lichtschein auf ‚Forget‚ ist ein blasser, doch er ist vorhanden. Oupa musiziert um diesen herum, bleibt stets im Zwielicht und das derart spartanisch und filigran, als könnten die Songs jeden Augenblick in sich selbst zusammenbrechen. Mehr als Blumberg und ein verwunschenes Piano braucht es dabei selten bis nie, um eines der einsamsten Alben des Jahres zu schaffen – vereinzelt huschen Keyboard und Synthesizerflächen durch die driftenden Elegien. Diese können sich wie im Falle des majestätisch betrübten Abschlusses ‚Those Are the Senses‚ (mit Daniel´s Bruder Saul und einer subtiler Gitarrenverstärkung als Unterbau) auch über zehn Minuten ziehen und in ein herzzerreißendes, ruhiges Finale hineinsteigern. Denn Eile ist neben Fröhlichkeit das letzte, dass Oupa Songs ausstrahlen. Als würde man Aereogramme´s ‚A Meaningfull Existence‚ ohne Ausbruch ins Jetzt retten; das ist der endgültige Nachhall von Yuck´s ‚Suicide Policeman‚ und der Selbstversuch, wie ‚For Emma, Forever Ago‚ klingen hätte können, wenn Justin Vernon in seiner Blockhütte dem Untergang geweiht gewesen wäre. ‚Forget‚ ist wie der langsame Weg zur eigenen Beerdigung, der Schwanengesang auf jedes Leben. „I’ll be natural. No, you can’t forget me now!“ fleht Blumberg. Und man weiß nicht, ob man leise lächeln darf, oder sich vollends in Tränen auflösen muss. Denn derer zarte Lichtschein auf ‚Forget‚, er ist keine Erlösung.

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