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Pablo Dylan – 10 Minutes

Pablo Dylan möchte ins Familiengeschäft einsteigen und bringt mit gerade mal 15 Jahren sein erstes Minialbum raus. „Ich sehe ihn als den Jay-Z seiner Zeit“ sagt Pablo über seinen Großvater und ja: Bob Dylans Enkel macht nun Hip Hop, Bitch!

I’m the grandson of a man, nothing less than legendary“ weiß Pablo von dem Kreuz zu rappen, dass er tragen muß. Aber er hat es sich ja so ausgesucht, schlüpft in die Schuhe die Opa Bob seit einiger Zeit gegen Altherrenschlapfen eingetauscht hat und die Onkel Jacob erst in den letzten, Wallflowers-losen Zeiten als Solomusiker so richtig passen. Aber mit Folk, Rock oder Blues hat Pablo Dylan ohnedies nichts am Hut, der 15 jährige macht einen auf dicke Hose und bringt sein Hip Hop Debüt nach bester Odd Future Manier unentgeltlich als Gratis Download unter’s Volk.

10 Minutes‚ besteht aus 22 Minuten Musik, verteilt auf 8 Songs mit 5 Gästen (eine davon Nicki Minaj) – Unterschied machen diese keinen, den hier ist ohnedies jeder Song gleich. Geboten wird handelsüblicher Billig-Rn`B Hip Hop, über klinisch saubere Beats wurde Autotune noch und nöcher gekippt, dazu rappt Pablo nicht talentfrei, Synthesizer funken und aufgekratzte Ladies die Eingängigkeit besorgen dürfen. Reißen alle Stricke wird noch soulgeschwängert die nachdrückliche Gefühlskeule ausgeheult. Das kennt man von Rihanna und Konsorten. So weit, so üblich, so spannungslos also. Das größte Problem der eindruckslosen Anbiederung an herrschende Chart Hip Hop Konventionen: Pablo Dylan hat nichts zu sagen und dümpelt durch nervende Nonsensvocals. Der 15 jährige schwankt zwischen familiärer Ehrerbietung – bedankt sich brav bei Papa, dass der immer schon sein größter Fan war – und peinlichem Pseudogangstershit – erzählt von tighten Mädels, und noch öfter dass er, Pablo, noch tighter, besser, sowieso und überhaupt sei und wenn dann das amerikanische Gesundheitssystem thematisiert wird, weiß man nicht mehr ob man lachen oder weinen soll. ‚10 Minutes‚ wirkt selbst mit seiner schäbigen Uneigenständigkeit unfassbar verkrampft und bieder, als hätte Pablo alles was er über Hip Hop weiß aus dem Fernsehen oder Büchern. Aber gut, der Knabe hat ja noch Zeit zu wachsen.

Zu mehr als einer mäßigen Talentschau reicht ‚10 Minutes‚ jedoch nicht, wird eventuell ja irgendwann als Jugendsünde abgetan werden. Denn Können ist bei Pablo Dylan zumindest im Ansatz zu erkennen, wird jedoch einstweilen noch durch das waten in Plattitüden und scheuklappentragender Chartsucht überdeckt. ’10 Minutes‚ ist ein Autotunenes Möchtegern Hipster Ärgernis – das knickt nicht unter der Bürde seiner musizierenden Verwandschaft ein, denn von dieser versucht Pablo sich bereits früh zu emanzipieren. Ein Versuch der im Ansatz gelingt und auf restlichen Weg ein Sammelsurium all der Dinge geworden ist, für die man sich im Hip Hop fremdschämen darf und mit scheußlichen Songs hausieren geht. Könnte also erfolgsversprechend sein.

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