Neonliberal.at

Neonliberal.at

Pearl Jam – Pearl Jam Twenty

Braucht man das wirklich? Eine weitere Live- bzw. Raritatenplatte von Pearl Jam? Jener Band, deren Umtriebigkeit vielleicht besser dokumentiert ist, als bei allen anderen zeitgenössischen Bands? Weil man es bei 9 Studiowerken auf bisher 7 Livealben, 2 Compilations und 263 offizielle Bootleg-Alben bringt?
Natürlich braucht man das!

Außerdem feiert die Rockinstitution ja Geburtstag, da muss man mit. 20 Jahre ist die Formation um Eddie Vedder mittlerweile jung und auch wenn die letzten beiden regulären Studioalben nicht ganz auf der Höhe ihres Schaffens waren: Pearl Jam gehören nach wie vor zum Besten, was Rockmusik zu bieten hat. Gefeiert wird das Jubiläum ja seit einiger Zeit, zum runden Geburtstag ließen es sich Pearl Jam nicht nehmen, ihren Backkatalog neu aufzulegen. ‚Ten‚ erschien bereits 2009 als Deluxe Edition, ‚Versus‚ und ‚Vitalogy‚ sind vor einigen Monaten in ebenso schmucken wie kostspieligen Versionen erschienen und natürlich gabs auch noch ‚Live on Ten Legs‚. Nun also der nächste Schub: Cameron Crowes Film ‚Pearl Jam Twenty‚ wird bald in zu wenigen Lichtspielhäusern zeigen, was der Regisseur aus 1.200 Stunden Archivmaterial gemacht hat. Passend dazu darf sich der Fan den Rundumschlag gönnen: Jonathan Cohen und Mark Wilson haben ein knapp 400 Seiten umfassendes Mammutwerk vorgelegt, abgerundet wird die Feierlichkeit durch den zu Film und Buch passenden Soundtrack.

Der lässt nur wenige Wünsche offen: Vordergründig die Soundqualität der vorhandenen Stücke betreffend. Diese scheppern nicht selten in besserem Kasettendecksound aus der Anlage. Liveaufnahmen müssen natürlich nicht zwangsläufig mit High End Sound aufwarten, den Qualitätslevel nach oben zu schrauben, hätte im Falle von ‚Alive‚ oder ‚Garden‚ (Publikum lauter als Vedder? Check!) allerdings wirklich nicht geschadet. Auf der anderen Seite: Die Aufnahmen stammen aus den frühen 90ern, insofern überwiegt die Freude, derart anachronistisches mal auf Platte serviert zu bekommen. Das ‚Black‚ hier als MTV Unplugged Version Verwendung findet? Schön – aber das gesamte Konzert wäre natürlich noch feiner gewesen. Wie ohnedies einiges hier schon bekannt ist und die Band einige verlockendere Schätze in petto gehabt hätte. So darf man sich eben auf zukkünftige Archivlichtungen freuen. Unverzeihlich aber, dass Pearl Jam wie schon auf ‚Live on Ten Legs‚  jegliches Material von ‚No Code‚ aussparen. Ein frevelhafter Akt! Zumal es ansonsten nichts zu kritisieren gibt. Das macht den Anfang beim liebevollen Digipack-Artwork samt ausführlicher Linernotes und findet die konsequente Fortsetzung in den vorhandenen Songs.

Geboten werden auf der ersten CD ausschließlich Livemitschnitte, die Pearl Jam über die letzten zwei Jahrzehnte verteilt in nahezu allen Winkeln der Erde dokumentieren. Soundtechnisch eben zwischen überzeugend bis wenig zufriedenstellend pendelnd, zeigt ‚Pearl Jam Twenty‚ die Band jederzeit in Spiellaune, kleinere Variationen lassen das Fanherz höher schlagen. Die richtigen Highlights stellen jedoch die versammelten Raritäten dar. Da wäre: ‚Walk With Me‚ als Livemittschnitt mit Neil Young auf der Bühne, der Blick zurück auf Temple of the Dog mit ‚Say Hello 2 Heaven‚ (eine Demo von 1990) oder auf Mother Love Bone mit ‚Crown of Thorns‚ von der Reunion Show 2000. Auch fantastisch: Die jeweiligen Solodemos von ‚Be Like the Wind‚, ‚Need to Know‚ (mit Matt Cameron am Mikro, schlußendlich von Eddie Vedder zu ‚The Fixer‚ umgebaut), ‚Given to Fly‚ als reine Gitarrennummer oder die Jahrhundertkomposition ‚Nothing as it Seems‚ von Jeff Ament vorgetragen – ein spannender Einblick in die Entstehung von späteren Pearl Jam Klassikern. Natürlich beschenkt die Band damit beinahe ausschließlich hartgesottene Jünger – die dürfen sich dafür umso mehr über ‚Pearl Jam Twenty‚ freuen.
Notwendig oder wirklich essentiell geht zwar anders – aber diese gelungene Anthologie braucht der gläubige Fan wie der Katholik die Hostie.

[amazon_link id=“B005EGONFS“ target=“_blank“ ]’Pearl Jam Twenty – Original Motion Picture Soundtrack'[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook