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Peter Kreisky 1944-2010

Peter Kreisky ist tot. Der Ehemann der Politikwissenschafterin Eva Kreisky, mit der er einen Sohn hatte, verstarb während einer Wanderung auf Mallorca. Er wurde 66 Jahre alt.

Der Sohn des Bundeskanzlers und Sonnenkönigs a.D. Bruno Kreisky, wurde während dessen Asylaufenthalt in Schweden, wohin er vor den Nazis geflohen war, geboren. In Österreich wurde Peter Kreisky im Umfeld der Sozialdemokratie politisch aktiv, erst beim Verband Sozialistischer Mittelschüler (VSM) und danach beim Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), an dessen linken Flügel er sich hocharbeitete und mit dem er letztlich im Zuge einer Linkswende des Verbandes in einer Kampfabstimmung Vorsitzender der Sektion Wien wurde (1965-1967). Dies stellte bereits den Höhepunkt seiner Funktionärslaufbahn dar, allerdings blieb Kreisky stehts politisch aktiv.

Betrachtet man die Jahreszahlen, wir klar was das bedeutet – Peter Kreisky demonstrierte gegen die Regierung seines Vaters Bruno Kreisky, der Österreich von 1970-1983 regierte. Er engagierte sich bei verschiedenen Initiativen, am bekanntesten ist heute wohl der Republikanische Club (gegen Kurt Waldheim), gegen den Vietnamkrieg oder direkt gegen die SPÖ-Regierung in der Frage des Baus und der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf. Letzteres verärgerte seinen Vater angeblich so, dass er ihn sogar aus der SPÖ ausschließen lassen wollte. Anfang der 1980er Jahre war ein Parteiausschluss von Peter Kreisky wieder aktuell. Gemeinsam mit anderen kritischen Stimmen, die (letztlich erfolgreich) gegen die Verbauung der Steinhof-Gründe protestierten, sollte er die SPÖ verlassen müssen. Freilich, auch dieses Mal setzten sich die vernünftigen und moderaten (und linken?) Stimmen in der SPÖ durch.

Der Jurist Peter Kreisky war lange Jahre im Dienst der Arbeiterkammer, ehe er vor einem Jahr in Pension ging. Neben seinem Brotberuf war er zuletzt unter anderem Mitglied der Jury des Bruno Kreisky Preises für Verdienste um die Menschenrechte, Beirat im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog und Vorstandsmitglied im Republikanischen Club.

Am Vorabend der Feierlichkeiten rund um den 100. Geburtstag von Bruno Kreisky am 22. Jänner 2011 ist Peter Kreisky viel zu früh verstorben. Mit ihm verliert die Linke und die Sozialdemokratie eine wichtige Stimme und einen kritischen Geist. Österreich verliert einen der wenigen „echten“ 68er und einen politischen Denker, der noch viel zu sagen gehabt hätte, dem viele noch gerne zugehört, von dem viele noch gerne gelernt hätten.

Links:
Interview im „Augustin“ (2008)
Interview mit orf.at (2010)
Peter Kreisky in der Wikipedia

Foto: Renner Institut NÖ

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