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Politikverdrossenheit bei Grazer Jugendlichen

Siegried Nagl ärgert sich.Eine vielmals wiederholte Umfrage wurde nun auch in Graz durchgeführt – und ergab (Überraschung!), dass Jugendliche wenig mit der aktuellen Stadtpolitik anfangen können. Die ist schockiert.

Wer ist dieser Edmund Müller? Obwohl er wochenlang alle Bus-/Bimhaltestellen zierte, ist Genosse Müller kaum jemanden in Graz ein Begriff. Böse Zungen behaupten sogar, dass ihn die wenigen, die ihn kennen, nur wegen seinem in den Zeitungen viel beschriebenen hohen Pensionsanspruch kennen würden. Das ist auch bei Jugendlichen kaum anders. Die SPÖ hat, bei allen Schwächen der Stadtregierung, mit ihrem Kuschelkurs – „In unseren Ressorts halt arbeiten statt deppat maulen“ – schwer zu kämpfen.

Das sieht der Genosse zwar nicht so, gibt aber auf die Frage, woran es jugendpolitisch in Graz fehle, eine gute Antwort: „An konsumfreien Zonen, Entfaltungschancen.“ – und will einen Speakers‘ Corner am Hauptplatz. Hoffentlich nimmt dessen Planung im Büro Müllers nicht so viel Raum ein, dass auf Dinge wie autonome Jugendzentren vergessen wird.

Nur Bürgermeister Siegfried Nagl war 62% der 100 Befragten ein Begriff. Deswegen sieht er es auch gelassener, als seine Kolleg_innen von den anderen Parteien, die schon länger mit dem eigenen Popularitätsminimum zu kämpfen haben. Natürlich wurde, wie es sich im Sommerloch gehört, auch abgefragt, ob Plätze wie der Stadtpark aus Sicherheitsgründen gemieden werden sollten. 73% sagten ja, Nagl sieht sich in Aktionen wie der Sperre des Pavillons beim Forum Stadtpark bestätigt und zeigt, was ihm wirklich wichtig ist: Symptombekämpfung, statt sich der Ursachen anzunehmen, Gewaltprävention auszubauen, Arbeitsplätze und Wohnungen für „Problemkinder“ zu schaffen. Und vielleicht einmal Streetworker_innen statt hordenweise Polizist_innen zu den Punks schicken.

Dann würden sich vielleicht auch keine 72% der befragten Jugendlichen mehr von der Politik nicht ernst genommen fühlen. Wenn man wirklich mit ihnen reden würde.

Foto: energyunion

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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