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Portugal. The Man – In the Mountain In the Cloud

Die Band aus Alaska hat mittlerweile ja etwas von einem Wanderzirkus an sich: Jedes Jahr kommen sie wieder und erfreuen dabei mit tollen Kunststücken in formvollendeter Songform. Absolut mitreißend ist das bei aller Gefälligkeit nicht mehr immer, toll aber trotzdem beinahe ausnahmslos. Ausgerechnet bei den ehemaligen Meistern im Stilbruch ist so etwas wie Routine eingekehrt.

Was nichts mit der Unterschrift beim Labelriesen Atlantic zu tun hat. Die Band hält Wort und lässt diesen Faktor unbemerkt an ihrer Musik vorbeimarschieren, werkelt unbekümmert an ihrer ureigen gemachten Definition von Popmusik weiter. Jener 60-affinem, soulgeschwängerten Melodiesucht, die man mit ‚The Satanic Satanist‚ kultivierte und auf dem schwächelnden ‚American Ghetto‚ weitertrieb – für die ‚People Say‘ bis heute den eingängigen Standard gesetzt hat. Von der spinnerten Progband von ‚Waiter: You Vultures‚, dem 70s Rock von ‚Church Mouth‚ oder dem dichten Jamexperiment ‚Censoured Colours‚ sind da höchstens rudimentäre Erinnerungen geblieben.

Dass ‚In the Mountain In the Cloud‚ abermals bekannte Wege geht, wiegt für die Band, die einst auch einen nicht kleinen Teil ihrer Faszination durch ihre Unberechenbarkeit ausstrahlte, aber eben auch nicht unschwer. Weniger, weil Portugal.The Man in gewohnten Gefilden schlechte Songs vorlegen würden – denn dies tun sie keineswegs: Genau genommen findet sich kein tatsächlich schwacher Songs unter den elf Stücken. Viel eher leckt ‚In the Mountain, In the Clouds‚ jedoch gelegentlich an einer gewissen Mutlosigkeit. Zu wohl fühlen sie sich in der Nische, die sie sich in den letzten drei Jahren angeeignet haben, spielen inzwischen geradezu klassische Portugal. The Man Songs mit traumwandlerischer Sicherheit ohne sich aus dem Fenster zu lehnen. Die Spannung bleibt dabei weitestgehend auf der Strecke. Stattdessen spielt ‚In the Mountain in the Cloud‚ die Wolke des Wohlklangs, die sich einem anschmiegsam in die Gehörgänge bettet.

Das sechste Album im sechsten Jahr bedient Fans der jüngeren Portugal. The Man Geschichte damit famos. Frühsommerliche Stimmungen mit 60s Anleihen werden wieder homogen eingefangen und auf die ganz eigene, sympathische Art neben der Spur laufen gelassen. Gourleys androgyne Stimme hält die Songs im Zaun; freilich geben diese sich nicht einmal mehr annähernd so widerspenstig wie in den Anfangstagen, wählen stets den Weg des geringsten Widerstandes zum eingängigen, wohligen Popsong. ‚Got It All (This Can’t Be Living Now)‚ kann da noch so sehr die Gitarre heulen lassen, spätestens zum Refrain harken sich die Amerikaner wieder beieinander ein und ein Chorus wird zur Hymne getrieben, bis das Herz lacht. Portugal. The Man sind Musik Hippies und zelebrieren Wohlklang mit einer freudestrahlenden Melodieseligkeit. Da hat der apokalyptische Synthesizerteppich in ‚Senseless‚ nichts beängstigendes an sich  und ‚Everything You See (Kids Count Hallelujahs)‚ schunkelt ohnedies gleich Richtung Karnevalsstimmung. Friede, Freude, Eierkuchen allerorts, nur Zähne werden keine gezeigt. Biss hat die Platte Dank kompositorischer Großtaten wie ‚Once was One‚ oder ‚Sleep Forever‚ dennoch mehr als genug. Spätestens bei ‚All Your Light (Times Like These)‚ fällt allerdings ohnedies auf: Kurskorrektur ist ‚In the Mountain In the Cloud‚ zwar keine geworden, Feinjustierungen wurden dennoch vorgenommen, wenn sich der versponnene Pop von Portugal. The Man durch mehr Elektronik kämpfen muß, als man dass seit ‚It´s Complicated Being A Wizard‚ gewohnt war.

Wenn ‚In the Mountain In the Cloud‚ scheitert, dann an der Übersättigung seitens der Hörer. Denn Portugal. The Man machen auch 2011 kaum etwas falsch, nur eben vieles gleich wie 2010 und 2009. Was auch die Crux mit einem Album ist, dass eine Band zeigt, die eine Zwischenstation ihrer Karriere erreicht hat und sich dort derart wohl fühlt, dass sie gleichermaßen festgefahren wirkt. Wie wichtig Innovationswut bei solch getriebenen Musikern ist – die Frage steht blaß im Raum, wenn das sechste Album der Band auch ohne Feuer im Hintern immer noch freudenstrahlend unterhält. ‚In the Mountain, in the Cloud‚ verschiebt Entwicklungen ins Detail und vor die grandiose Hill/Bates/Gourley Produktion, welche das kunterbunte Gemisch aus Pop, Rock, Psychedelic, Soul und Prog in all seiner Harmoniseligkeit perfekt ausleuchtet. Die vielleicht freundlichste Platte 2011 ist meilenweit davon entfernt, ein Langweiler zu sein. Der Reiz des Unbekannten ist dahin, die Luft aber nicht raus. Es gibt schlimmeres, als Platten, die einen herzlich umarmen möchten.

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