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Psychos am Vormarsch

In den letzten Jahren führte die Tatsache, dass immer mehr Menschen psychisch krank werden, zu unzähligen, meist schwarzen, Titelbildern auf Magazinen und Zeitungen. Immer mehr können mit dem Druck, der auf sie ausgeübt wird, nicht umgehen und erkranken – bis zur Arbeitsunfähigkeit.

Zombie WalkDas selbe Bild zeichnet sich auch schon an Schulen und Universitäten ab. Leut Studierendensozielerhebung 2010 nutzen rund 5000 Studierende die Psychologische Studierendenberatung, welche vom Wissenschaftsministerium geleitet wird. Ein Drittel leidet an Lern- und Konzentrationsschwächen, jede_r Fünfte hat Depressionen, jede_r sechste Existenzängste. Da scheint es nur noch dümmer, das Bezugsalter für die Familienbeihilfe herabzusetzen. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Warum erkranken immer mehr? Ist „das System“ daran schuld? Treibt uns der Kapitalismus zum Wahnsinn?
Tatsächlich ist es ein Problem der kapitalistischen Marktwirtschaft, dass jede_r rund um die Uhr „funktionieren“ muss. Krankheiten werden nicht gern gesehen – wer krank ist, leistet nichts und wer zu lange krank ist, fliegt raus. Deswegen gibt es auch so eine hohe Schwarzziffer bei psychisch Kranken: viele wollen es schlichtweg nicht verraten. Zu groß ist die Angst, als „Psycho“ dazustehen, von anderen nicht mehr ernst genommen zu werden, in aller Öffentlichkeit stigmatisiert zu werden. Den Job zu verlieren, von den ehemaligen Freund_innen nur noch schief angesehen zu werden.

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn sich nicht die Bedingungen für Bildung und Studium ändern. Der Weg der momentanen Leistungsgesellschaft führt die Menschen an den Abgrund.

Foto: digital sextant

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (1)

  1. Dyrnberg8. November 2010 Antworten
    Nur als kleine Ergänzung: In Jonathan Franzens Epos „Die Korrekturen“ kommt er auch darauf zu sprechen, dass immer mehr Menschen psychisch erkranken. Und dann steht dort – ich zitiere jetzt frei aus dem Kopf und hab das Buch vor weiß ich wie vielen Jahren gelesen – ungefähr folgendes: Mäuse werden antriebslos und apathisch, wenn man zu viele von ihnen in einen Käfig sperrt. Vielleicht geht es dem Menschen genauso. Vielleicht sind wir einfach zu viele, um noch glücklich zu sein. Auf diesem Gedanken kann man sicher keine Theorie aufbauen, aber er hat was.

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