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R.E.M. – Lifes Rich Pageant (25th Anniversary Edition)

R.E.M.’s vierte und vorletzte Studioplatte für I.R.S. zeigt die Indierockband zwei Schritte vor der Vollendung zu den Formatradioevergreens. ‚Lifes Rich Pageant ist die Schnittstelle der „alten“ R.E.M. zu den „neuen“ R.E.M. und hat auch 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seinen Reizen eingebüßt.

Da konnten sich R.E.M. am Cover noch so austoben, Bill Berry´s charmante Augenbrauen gegen Gruppenfotokonventionen sowie ein Bisonpaar anstarren lassen und ihren Schindluder mit der Trackliste treiben. ‚Lifes Rich Pageant‚ , die vierte R.E.M. Platte in vier Jahren, war zur poppigsten Songsammlung der Band bis dahin geworden. Der neue Produzent John Gehman verstand es, den Pop aus den Postpunk getriebenen Indierock der vier Burschen aus Athens hervorzuheben und zum bisher kompaktesten Werk der Band zu formen. Knapp dreißig Minuten reichten, um die Türe in den Mainstream aufzustoßen, durch die man ein Jahr später mit ‚Dokument‚ blicken und spätestens 1991 schlußendlich triumphierend durchreiten sollte.

Dabei machten R.E.M. auf ‚Lifes Rich Pageant‚ wenig anders als bisher. Das Tempo wurde im Vergleich zum direkten Vorgänger ‚Fables of the Reconstruction‘ nocheinmal angezogen, beinahe wild wurden  die Songs dabei auf den Punkt gespielt wie nie zuvor. Gehman räumte dazu den Sound auf, brachte Michael Stipe weiter in den Vordergrund und dieser entdeckte sich als massentauglicherer Texter neu. Peter Buck zwirbelt dazu sein unvergleichliches Gitarrenspiel; Bill Berry poltert filigran und ausgefuchst und prägnant und nachhaltig und wunderbar; Mike Mills pumpt den Rhythmus an und lässt den Backgroundgesang mit Stipe korrelieren. Und das alles in Form einiger der besten Songs der damals noch jungen Karriere der Band aus Georgia:
Fall On Me‚ ist ein unsterblicher Instant Klassiker , ‚Swan Swan H‚ erstrahlt heute in der selben Schönheit wie vor 25 Jahren, ‚The Flowers of Guatemala‚ bringt alles, was man an R.E.M lieben kann auf den Punkt und alles was zwischen dem politischen ‚Begin the Begin‚ und der famosen Coverversion von ‚Superman‚ geschieht, ist wie wie nahezu alles, was R.E.M. auf I.R.S. veröffentlicht haben: brilliant, frisch, umwerfend und im Grunde makellos. Nur vielleicht sogar noch eine Spur besser.

Wer die Platte noch nicht im Regal stehen hat, ist also entweder kein R.E.M. Fan, oder hat ohnedies gröberen Nachholbedarf in Sachen Indierock. Auf wen zweiteres zutrifft, darf sich freuen, denn zum 25 jährigen Jubiläum erscheint das gute Stück neu poliert und mit zahlreichem Schnickschnack versehen.
Ob das beigepackte Bonusmaterial jedoch Anreiz genug ist, sich ‚Lifes Rich Pageant‚ – sofern bereits vorhanden – nocheinmal zu zulegen, sei dahingestellt. Die Aufmachung der 25th Anniversary Edition ist dabei recht hübsch geraten – die Frage, wer denn aber nun wirklich R.E.M. – Postkarten benötigt, können wohl nur Hardcorefans beantworten. Die dürften sich auch über die beigepackte zweite CD freuen, auf der sich 19 Demosongs versammeln und bei weitem nicht den Nährwert der I.R.S. Vintage Years Reissue Bonustracks haben. Denn daher sich die hier präsentierten Demos von den schlussendlich veröffentlichten Versionen nicht gravierend unterscheiden, natürlich aber einen roheren Sound und gewisse (textliche) Ungezogenheiten vorgeben, muss man sich das dennoch nicht unbedingt geben. Dass mit ‚Wait‚ und den von ‚And I Feel Fine… The Best of the I.R.S. Years 1982–1987‚ bekannten ‚Bad Day‚ und ‚All the Right Friends‚ auch einige Demoversionen von Songs  vorhanden sind, die es nicht aufs Album geschafft haben, freut – vor allem wenn Stipe verzweifelt in die Mundharmonika bläst, weil ihm der Text nicht mehr einfällt. Womit die ‚Athens Demos‚ doch eher Fandienst als tatsächlicher Kaufanreiz sind. Trotz diesem zwar nicht restlos überzeugenden, aber gut geschürten Gesamtpaket gibt es Dank dem verbesserten, wärmeren Sound der remasterten Platte nun endgültig keine Ausrede mehr: ‚Lifes Rich Pageant‚ ist ein wundervolles Meisterwerk des Gitarrenrock, das R.E.M. 1986 auf einem neuen Höhepunkt ihrer Schaffenskunst zeigte. Dass es da erstaunlicherweise trotzdem noch Luft nach oben gab, sollten die nächsten Jahre zeigen.

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