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R.E.M. – Part Lies, Part Heart, Part Truth, Part Garbage, 1982–2011

Zum Abschied gibt’s das unvermeidliche Best of. Nicht das erste das R.E.M. veröffentlichten, doch erstmals vereint eine Compilation Songs aus allen Schaffensphasen der Band aus Athens und packt hinten dran die letzten drei aufgenommenen Stücke: eine runde Sache.  R.I.P.R.E.M.!

Insgeheim hat man ja irgendwie damit gerechnet, dass die Institution aus Athens für immer bleiben würde. Trends kamen und gingen – Stipe, Buck und Mills selbst setzten zwar keine derartigen mehr, schmissen aber in regelmäßigen Abständen immer noch gute Alben auf den Markt, die auch meistens den einen Überhit in peto hatten. Nach der Leerlaufphase um die Jahrtausendwende war mit dem diesjährigen ‚Collapse Into Now‚ gar die qualitative Trendwende geglückt – ein letztes Aufbäumen vor dem Ende, wie man nun weiß. Nach knapp 30 Jahren und 15 Studioalben haben sie doch den Hut draufgehauen. Was uns fünf bzw. acht Jahre nach den letzten Best of-Compilations die wohl letzte derartige der Band beschehrt. Ultimativ ist diese vor allem auch in Hinsicht des beinhaltenden Materials.

Part Lies, Part Heart, Part Truth, Part Garbage‚ bemüht ein Zitat von Peter Buck aus dem Jahr 1988, als dieser adäquat zu beschreiben versuchte, was R.E.M. ausmachte. Beachtenswerter allerdings der Zusatz ‚1982 – 2011‚: Tatsächlich gibt es bei 40 streng chronologisch versammelten Songs natürlich zahlreiche Überschneidungen mit den jeweiligen Best of Sammlungen ‚In Time: The Best of R.E.M. 1988–2003′ und ‚And I Feel Fine… The Best of the I.R.S. Years 1982–1987′. Nur logisch.
Dass da die üblichen Verdächtigen von ‚Losing My Religion‚ über ‚Everybody Hurts‚ bis hin zu ‚Imitation of Life‚ vorhanden sind, versteht sich wohl auch von selbst. Dass sich zu diesen Gassenhauern nun vom Mainstream weitestgehend unbeachtete Hits wie ‚Radio Free Europe‚ oder ‚Don´t Go Back to Rockville‚ aus der Frühphase der Band gesellen, ist aber eine feine Sache und könnte den positiven Nebeneffekt haben, dass sich auch Gelegenheitshörer mit dieser Periode auseinander setzen. Ansonsten gibts an der Songauswahl genug rumzumeckern wie zu loben: interessant, dass ‚Green‚ mit vier Songs mehr Beachtung gefunden hat, als auf den bisherigen Compilations, während ‚New Adventures in Hi-Fi‚ wieder einmal zu kurz kommt. Wahrscheinlich unvermeidlich: ass das bisher elegant umschiffte ‚Shiny Happy People‚ seinen Auftritt hat. Dass die Alben zwischen 2001 und 2008 nur gestreift werden, darf als symptomatisch für die Qualitäten der Werke gesehen werden. Und ob es nun Songs wie ‚Stand‚, ‚Country Feedback‚ oder vor allem ‚Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter‚ wirklich gebraucht hätte, darf man sich ebenso fragen, wie ob ein Best of ohne ‚E-Bow The Letter‘, ‚Drive‘, ‚Daysleeper‚ oder ‚Walk Unafraid‚ überhaupt tatsächlich ein Best of ist. Aber das ist natürlich Erbsenzählerei, denn unterm Strich ist ‚Part Lies, Part Heart, Part Truth, Part Garbage‚ eine durchwegs gelungene, ausgewogene Songsammlungen geworden – der wahrscheinlich beste Zugangspunkt für Menschen, die R.E.M im Nachhinein entdecken wollen.

Weil die Band aber ja auch nicht gerade wenige treue Fans über die Jahre rekrutiert hat, und diese ohnedies alle Alben im Schrank stehen haben dürften, gibts auch für all jene einen Kaufanreitz: nachdem R.E.M. mit ‚Collapse into Now‚  ihren Vertrag mit Warner erfüllt hatten, gingen Stipe und Co. abermals mit Produzent Jacknife Lee ins Studio. Was als Veröffentlichung über eigene Wege gedacht war, entpuppt sich nun als wankelmütiges letztes Dokument der Band: ‚A Month Of Saturdays‚ ist ein harmlos dahindümpeldner Rocksongs; kurz, schmerlos und auch ziemlich unmotiviert. Besser, wenn auch nicht famos gerät ‚Hallelujah‚, welches sich balladesk zum Rocker vorarbeitet. Das Highlight der drei Songs ist fraglos die letzte Single der Band, ‚We All Go Back To Where We Belong‚: eine berührende, unscheinbare Ballade, die im richtigen Moment freilich Leben retten kann. Wahlweise mit Michael Stipes Nachbarin Kirsten Dunst oder Beatgröße John Giorno im dazugehörigen Video. Dass das zuletzt aufgenommene Material der Band nicht zum Spektakulärsten gehört, was die Band jemals aufgenommen hat, kann man natürlich verschmerzen. Auch, wenn durch die chronologische Anordnung der Songs so ein unbefriedigtes Gefühl hinter ‚Part Lies, Part Heart, Part Truth, Part Garbage‚ zurückbleibt. Aber dass die neuen Songs den schmerzlichen Verlust dieser Band lindern hätten können, davon war ohnedies nicht auszugehen. ‚Part Lies, Part Heart, Part Truth, Part Garbage‚ ist somit der ordentliche Grabstein auf der Karriere einer Band, die über dreißig Jahre hinweg beinahe alles richtig gemacht hat. Was bleibt, ist ein musikalisches Vermächtnis das seinesgleichen sucht.

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