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Randgruppe Partyvolk?

Wer im Univiertel wohnt, kennt das Problem: kaum naht das Ende der Woche, wird’s unangenehm. Keine Chance auf einen entspannten Abend oder ruhigen Schlaf, Musik und Gegröle übertönen jedes Gespräch. Sogar fernsehen wird mühsam, außer man verfügt über ein Talent im Lippenlesen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie man sich hier als Anrainerin fühlt: untertags ist die Gegend zwischen Universität und Stadtpark nahezu eine Wohnoase, die sich jedoch in der Nacht in eine Lärmmeile verwandelt. Gemütliche Sparziergänge am Sonntagmorgen werden zu einem Hürdenlauf, will man nicht ständig in ausgelagerten Magen- und Blaseninhalt sowie zerbrochene Glasscherben treten.

Insofern haben Nagl, Hohensinner und Co. Recht, es muss etwas getan werden. Auch damit, dass die schon länger im Raum stehende Idee einer allgemeinen Sperrstunde um 2 Uhr dazu führen würde, dass alle Lokalbesucher_innen dann um die gleiche Zeit auf der Straße stehen würden und das Lärmproblem dadurch nicht gelöst wird, hat Hohensinner Recht.

Jetzt kam Nagl mithilfe der JVP auf einen neuen Lösungsansatz: eine Partyzone am Stadtrand, genauer gesagt am „Ackern“-Areal in Puntigam (als Alternativen werden der Innovationspark und der Bereich um die Fahchhochschule in Eggenberg genannt). Was spricht dagegen? Immerhin sind Parkplätze und Öffi-Anbindung vorhanden, Anrainer_innen hingegen nicht. Dagegen spricht zuallererst, dass die Lage für Leute, die im Univiertel fortgehen, nicht sehr ansprechend sein dürfte. Die zentrale Lage des Univiertels ist ideal, verschiedenste Lokale, der Stadtpark sowie die Innenstadt sind schnell zu erreichen. Warum sollte man dann an den Stadtrand fahren? Selbst wenn die öffentliche Verkehrsanbindung an das geplante Areal etwa durch Shuttlebusse ausgebaut werden würde, die Zentralität des Univiertels ist wahrscheinlich dennoch attraktiver. Weiters gab es mit dem WON (World of Nightlife) beim Center West schon den Versuch eines Party-Areals am Stadtrand, dass dort nun das „Bollwerk“ beheimatet ist, scheint zu beweisen, dass der Versuch gescheitert ist.

Die Zeitschrift „Der Grazer“, die sich des Problems ebenfalls schon vor längerer Zeit angenommen hat, berichtet hingegen, dass Städte wie München und Rom durch das Errichten von Zentren mit Bars am Stadtrand und an alten Industrieparks Erfolg hatten. Bleibt die Frage, ob das „Partyvolk“ von Graz ähnlich tickt wie das in München oder Rom. Und ob es nicht durch weniger aufwändige Maßnahmen gelingen würde, die Anrainer_innen zufrieden zu stellen und zugleich das Univiertel als „Fortgeh-Zone“ zu erhalten.

 

Foto: b.frahm

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Comments (1)

  1. Lukas10. Juni 2011 Antworten
    Ein sehr komplexes Problem, zugegeben. Als ehem. Hilmteichbewohner hab ich das Problem nicht so hautnah mitbekommen, bloß die Mageninhalte und Glasscherben auf den Gehsteigen haben mich stutzig gemacht, was da abgegangen sein könnte. Ich halte die Idee von einer Party-Zone außerhalb der Stadt für nicht brauchbar, dafür sind wir Ösis zu unflexibel. Ich bin froh, dass ich mir nicht den Kopf über eine Lösung zerbrechen muss, ich hab keine Ahnung wie man das regeln könnte, um alle Parteien zufrieden zu stellen.

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