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RETOX- Ugly Animals

Die einzige Überraschung am Debütalbum dieser Grindcore Supergroup ist, dass Mike Patton die LP Version über Ipecac veröffentlicht. Dabei schreit ‚Ugly Animals‘  zu jedem Zeitpunkt nach Three One G. Kennt man die beteiligten Musiker, weiß man automatisch, warum das so ist und weswegen man auch ungehört erraten kann, wie Retox tatsächlich klingen.

Seitdem The Locust mit ‚New Errections‚ über die Felder gepflügt sind, sind nun auch schon wieder ganze vier Jahre vergangen. Mindestens ebenso viele Bands hat der Heuschreckenvorstand Justin Pearson in dieser Zeit gegründet oder bedient, zuletzt sein bizarr-homoerotisches Lack-und-Leder-Outfit All Leather. Die liegen vorläufig allerdings auch wieder bei den Akten, der Fokus ist auf die neue Allstar-Szene Band RETOX gelegt. Mit dabei im Krawallboot: Michael Crain, Thor Dickey und Gabe Serbian. Allesamt alte Bekannte also, womit RETOX nicht nur Mitglieder von The Locust, Head Wound City, Holy Molar, All Leather, Some Girls, Swing Kids, Le Butcherettes, Cattle Decapitation, Struggle, The Festival of Dead Deer und The Crimson Curse versammelt, sondern auch gleich festgelegt ist, wie die Band letztendlich klingt.

Elfmal nicht zwangsläufig, aber gerne mal rasender Grindcore in nicht ganz zwölf Minuten beinhaltet ‚Ugly Animals‚, die Wände zum Punk wackeln gewaltig. Mittendrin im dreckig analogen Sound diktiert die markante Stimme Pearson’s dabei das Geschehen ganz dicht an die leider verblichenen Some Girls und Das Oath – sprich mindestens ein Fuß steht da immer im Deathrock. Manchmal auch mehr als nur der eine, weswegen ‚Thirty Cents Shy Of A Quarter‚ auch eher bestialischer Rock als irgendetwas anderes ist. Und wenn wie in ‚Cement Sucking‚ das Gaspedal vollends durchgedrückt wird, grüßt bereits der tollwütige Hardcore. Eine Verschnaufpause gönnt man der atemlosen Sause ausgerechnet im Intro (Tatsache!) zu ‚Boredom Is Counter-revolutionary‚, wohl sowas wie ein Hit unter dem guten Dutzend Genre-Hits.

Dass RETOX ihr Debüt über Mike Pattons extravagantes Ipecac Label rausbringen, überrascht natürlich: ‚Ugly Animals‚ klingt derartig vertraut nach der versammelten Three One G– Clique, dass man das Werk ohne zu überlegen dem Katalog des Labels aus San Diego zuordnen würde.
Worin gleichermaßen die Stärke wie auch die große Schwäche von ‚Ugly Animals‚ liegt: zum Einen hält das natürlich die allen Arbeiten von Pearson zugrunde liegende Qualitätsansprüche, weshalb das RETOX-Debüt auch astrein rockender Pseudo-Grind mit starker Rockauslegung geworden ist. Andererseits eben leider auch so vorhersehbar als möglich. Alles hier klingt vertraut und damit auch schon gehört, nicht selten eben dazu besser. Dass sich der Kreis schließt, indem Ipecac nur für die Vinylversion zuständig ist und 31G die CD-Variante besorgen wird, macht das Bild zwar runder, aber nicht weniger ausgelutscht. Fans von Pearson und seiner wilden Bande werden damit natürlich trotzdem ihre Freude haben, auch wenn RETOX keineswegs den Zenit des Schaffens seiner Mitglieder darstellt.  Nicht nur deswegen wäre nach vier Jahre Abstinenz von The Locust wohl endlich die Zeit gekommen, die charakteristischste und schlichtweg beste Pearson Band wiederzubeleben. Auch, wenn Platten wie ‚Ugly Animals‚ die Wartezeit doch versüßen.

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Comments (3)

  1. Pingback: The Locust - Molecular Genetics From The Gold Standard Labs - HeavyPop.atHeavyPop.at 29. Juli 2012 […] führt, dass The Locust beileibe immer noch die beste von Pearsons geschätzte drölfzig Bands (Retox, Holy Molar, All Leather etc., etc.)  ist, bleibt da natürlich noch zusätzlich ein wenig […]

  2. Pingback: Wo bleiben eigentlich die Nachfolger zu.... - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. September 2012 […] klar, Bandmastermind Justin Pearson hat an die fünfhundert andere Bands laufen (u.a. All Leather, RETOX,…), für die er kreischen muss. Und auch klar, die meisten davon hören sich ohnedies sehr […]

  3. Pingback: Head Wound City - A New Wave Of Violence - HeavyPop.at 19. November 2016 […] Cross mit einer Schar an zahlreichen Projekten nur so um sich, Langeweile kam rund um Knaller wie Ugly Animals, YPLL und Beneath California jedenfalls keine auf. An der anderen Front trieb es Cody Votolato nach […]

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