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Rival Sons – Pressure and Time

Und die nächste Band, die man guten Gewissens unter Retro einsortieren kann. Geht das so weiter, ist Classic Rock bald wieder die modernste Spielwiese der Musikwelt. Rival Sons toben sich dort schon jetzt derart unbefangen aus, dass ‚Pressure and Time‘ auch als Chartquerschnitt einer Woche im Amerika der 1970er durchgehen könnte.

Am eigentlich Geschehen schrammt das Coverartwork von Design-Gott Storm Thorgerson vorbei. Den Gang ins transzendierende Unterbewusstsein treten Rival Sons nämlich keineswegs an, viel eher ist ‚Pressure and Time‚ ein unvermittelt direkter Brocken klassischer Rockmusik, der vor eleganter 70s Anleihen nicht nur förmlich platzt, sondern dem damaligen Geist derart beseelt nacheifert, dass Led Zeppelin, Deep Purple oder The Who sich andächtig vor der Bühne versammeln würden, um hierzu so richtig die Sau rauszulassen. Wobei die Gefahr da vorne natürlich groß ist, von Rival Sons‚ monströsen Sound einfach weggeblasen zu werden: Vor allem die tiefen Töne wurden hier derart wunderbar ausgeleuchtet, dass allein der röhrende Bass den Magen Purzelbäume schlagen lässt.

Womit man neben der beinahe unheimlichen Hitdichte zum wahren Standbein der Amerikaner käme, dem Sound: Wo andere ähnlich geartete Bands den Blues hervorheben oder den ursprünglichen Gedanken hinter Heavy Metal kitzeln, fühlen sich Rival Sons auch in den zärtlicheren Gefilden ganz wohl. ‚Only One‚ oder ‚Face of Light‚ zelebrieren förmlich den Groove und sind so sehr Soulmusik, wie es der schweißtreibende Rock’n’Roll zulassen kann. Das schreit förmlich nach John Paul Jones während Rival Sons praktisch nahtlos zu ‚Your Time Is Gonna Come‚ übergehen könnten. Aber wer soviel Gespür für eingängige Melodien im rhytmischen Hardrock beweist und zwischen heavy Riffs auch noch derart viel Gefühl pressen kann, braucht sich wahrlich keine Sorgen darum machen, als bloße Kopie der Originale durchzugehen.

Tatsächlich haben Rival Sons derart gelungene Songs im Gepäck, um ihr Rock Revival nicht nur spannend und kurzweilig, sondern vor allem auch glaubwürdig zu feiern. Womit sie in guter Gesellschaft sind, erlebt sich ihrer Wurzeln gewisse Rockmusik doch (wiedereinmal) eine Renaissance. Vor allem nachdem Wolfmother mit ihrem Zweitwerk die immensen Erwartungen, die man in die Australier gesteckt hatte nicht stemmen konnten, läuft das Genrebecken beinahe über vor superben Bands, die (noch) unter Ausschluss der Massen ihr bluesgetränktes Classikrock Süppchen kochen. Obwohl Konsorten wie Graveyard oder Earl Greyhound in die selbe Kerbe wie Rival Sons schlagen, müsste es doch beinahe mit dem Teufel zugehen, würden Jay Buchanan und seine Band nicht alsbald den Platz von Andrew Stockdale’s Rumpftruppe im Rockfeuilleton einnehmen. Denn im Gegensatz zu den aktuellen Brüdern im geschichtsträchtigen Geiste zeigen Rival Sons den unabdingbaren Zug zum Hit. Lassen das Schlagzeug Songs wie ‚All Over the Road‚, ‚Get Mine‚ oder ‚White Noise‚ zu regelrechten Hymnen zurechtstampfen in denen die Gitarren unterschwellig aufbrausen und dabei dennoch an der kurzen Leine gehalten werden, während die dazugehörige Geste schon fürs Stadion zu klein scheint.
Eine Band, wie geschaffen für Luft- und Plastikgitarren, verschwitzte Clubs und ausverkaufte Stadien sowie die klassischen Rockcharts – und das ausgerechnet aus dem Stall von Earache.

 

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