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Russian Circles – Empros

Russian Circles kämpfen weiterhin mit den selben Problemen, wie auf den direkten Vorgängern – und sind einem Sieg so nahe wie nie zuvor. Freunde von rifflastigem Intrumental-Rock dürfen deswegen ihre Ohren spitzen!

Eine herausragende Band in der grauen Grenzzone zwischen Post-Rock und Post-Metal, das waren  Russian Circles immer schon gewesen. Und doch konnte man sich an den letzten beiden Alben der Band nie hunderprozentig freuen. Vordergründig aufgrund zweier simpler Einschätzungen: Mit ‚Enter‚ hatte die Band 2006 ein derart überzeugendes Debüt vorgelegt, dass sich die beiden mehr als nur gelungenen Nachfolger ‚Station‚ und ‚Geneva‚ trotz unabsprechlicher Qualitäten auf Albumlänge nicht ganz damit messen konnten. Viel wichtiger aber noch: Hat man Russian Circles einmal Live gesehen, will man praktisch nichts anderes mehr. Die drei Musiker – nicht zuletzt Schlagzeuger Dave Turncrantz – veranstalten da ein derart nachdrücklich beeindruckendes Feuerwerk, dass man der Band gerne attestiert, eine der besten Live-Bands des Planeten zu sein. Auf Platte wirkt dass dann unweigerlich weniger mitreißend – dies zum Nachteil des Tonträgers auszulegen ist natürlich unschicklich aber auch zwangsläufig nahezu unvermeidlich. Insofern kann froh sein, wer Russian Circles noch nicht auf der Bühne erlebt hat.

Mit ihrem vierten Album ‚Empros‚ soll hier nun Abhilfe geschaffen werden. Die drei Mannen aus Chicago versprachen vorab nicht nur ihr bis dato härtestes Album, sondern wollten – abermals mit Interpol-Produzent und Secret Machines Mastermind Brandon Curtis – auch die Dynamik und Dramatik ihrer Livekonzerte besser einfangen.
Auf den ersten Blick ist ‚Emperos‚ jedoch wieder „nur“ ein Russian Circles Album geworden – unterm Strich dann aber seinen Vorgängern doch einen Tick voraus: Die aus tonnenweise neuem Material ausgewählten sechs neuen Songs klammern Durchhänger beinahe vollständig aus, machen das, was Russian Circles am besten können und noch mehr: Über vierzig Minuten gibt es da die wildesten Husarrenritte durch instrumentale Metallandschaften, das rocklastige Riff steht immer im Fokus. Die Matten schütteln sich da wie von selbst, wenn Mike Sullivan seine Gitarre monströs am Metal vorbeischrammen lässt, Szene-Legende Brian Cook den Bass derart tief grummeld spielt, dass einem die Bauchdecke wegfliegt und Turncrantz andeutet, wie das Live aussehen wird. Das beschert klassischsolide Russian Circles Kompositionen wie den Opener ‚309‚, in dem die Gitarre förmlich um Hilfe zu schreien scheint ebenso wie Discographie Highlights wie den Trademark-Song ‚Mladek‚: Benannt nach dem europäischen Tourbusfahrer der Band stemmt die Band über beinahe acht Minuten tonnenschere Härte, die sich gegen Ende noch einmal zum vielleicht besten Nackenbrecher der Bandgeschichte auftürmt. Schon jetzt ein Instant-Hit der Band.

Doch auch am anderen Ende der abgedeckten Soundpalette legen Russian Circles eine Schippe zu: ‚Atackla‚ hantiert als atmosphärisch dichter Song mit allerlei Riffs und will trotz markanter Lead-Gitarre am Ende nie wirklich ausbrechen. Ganz anders das Albumhighlight ‚Schiphol‚: Da baut die Band langsam aber stetig Druck auf, um sich schlußendlich einem majestätischen Soundorgasmus hinzugeben – verdammt eindrucksvoll. Dass ‚Batu‚ dagegen als unzusammenhängende Songskizze mit fabelhaften Teilpassagen abfällt, schmälert den Gesamteindruck dieser bestialischen Riff-Rock-Metal-Orgie nur marginal. Obwohl man diesen Dank dem Schlußwort ‚Praise a Man‚ ohnedies revidieren muß: Eigentlich nicht als Russian Circles Nummer geplant, stellt dieser die gesamte Bandwelt auf den Kopf, ist ein undefinierbares Mittelding aus Folk und Singer-Songwriter Miniatur geworden, in dem die melodiös gezupfte Akustikgitarre nur die zweite Geige spielt – erstmals singen die hemmungslosen Rocker! Dass sich der Song ab der Hälfte gen Drone öffnet, tut sein übriges: Härter waren Russian Circles natürlich schon, atmosphärischer nie.
Empros‚ bedeutet auf griechisch soviel wie „sich weiterbewegen„. Eben das tun Russian Circles auf ihrem vierten Studioalbum vortrefflich. Alte Stärken werden einwandfrei bedient, neue Ufer angesteuert. Das kann die Live-Erfahrung Russian Circles zwar immer noch nicht ersetzen, ‚Enter‘ jedoch über weite Strecken auf Augenhöhe begegnen. Insofern: Kaum auszumalen, wie die auf ‚Empros‚ zur Schau gestellte kompositorische Versiertheit dann erst auf den Bühnen wegblasen wird!

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