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Samiam – Trips

Fünf Jahre nach dem Comeback wagen Samiam ein Comeback. Eine Schande, dass die Amerikaner es einfach nicht auf die Reihe bekommen, wie eine seriöse Band zu funktionieren. Die Welt wäre um soviele Punkrockperlen mit emotionalen Anstrich reicher.

Wie man Punkrock mit schnittiger Indiekante und dem großen Batzen Emotionalität spielt, das haben Samiam in all den Jahren nicht verlernt. So, dass er frisch und eingängig ohne Umwege zum mitwippen einlädt, mit herzhaften Melodien hausieren geht und dabei jedwedes Fettnäpfchen geschickt auslässt, in welche erfolgreichere Quasi-Artverwandte wie Blink-182 oder ähnliche Funproleten mit immensen finanziellen Erfolg ohne Genierer so gerne zu treten bereit sind. Dass ‚Trips‚ im hauseigenen Studio der ehemaligen Samian Vorband Green Day aufgenommen wurde, ist insofern eventuell eine amüsante Fußnote der Platte. Egal: Samiam hauen endlich wieder die charmanten Riffs über polternde Drums (diesmal als Neuzugang im Personalkarusell: Charlie Walker von New End Original, Chamberlain und Split Lip, der mit seinem feurigen Spiel wahrlich Gold wert ist) und garnieren mit superben Melodien. Hart an der Grenze zum Indie- und Collegerock war das immer schon und das man sie als Wegbereiter des Emo einstuft, unterstreicht ‚Trips‚ auch – eben auf Samian Art: Mit Bier in der Hand und brennenden Herzen. Etwa so, als wären die jungen R.E.M. in Orange County erwachsen geworden und mit den Descedents und Co. zur Schule gegangen.

Schräge Vogel sind die fünf nicht mehr ganz so jungen Burschen aus Kalifornien schon. Als Band wollen sie sich nicht mehr bezeichnen, weil ohnedies nichts so funktioniert, wie man sich das vorstellt und man zudem ohnedies keine Ahnung von Aufnahmetechniken etc. (der Blick zurück zur letzten Platte) hat. Das mag man nun als grauen Realismus oder als Zugeständnis an all die Tiefschläge ansehen, die Samiam bereits erleiden mussten. Dass es die „Band“ noch gibt, grenzt ohnedies schon ein Wunder, dass sie sich auf ihrem achtem  Studioalbum allerdings derart unverbraucht und motiviert geben würden, damit konnte man nicht unbedingt rechnen. Zu schwer schien das nicht leicht verdauliche ‚Whatever´s Got You Down ‚ von 2006 auf der Seele zu liegen, nicht zuletzt auf jenen der Fans. Bis heute hat der scheppernde Sound der Platte mehr Feinde als Freunde. Doch all der knarzige Schwermut ist nun aber dahin: So positiv eingestellt hat man Samiam schon lange nicht mehr gehört. Jason Beebout, Sergie Loobkoff und Konsorten knallen 13 kleine Hits in knapp vierzig Minuten raus, Ausfälle gibt es nicht.

Trips‚ fühlt sich ein wenig an, wie nach Hause kommen. Alles so da, wie man es bei Weggehen verlassen hat – vorrausgesetzt natürlich, man ist bei ‚Astray‚ ausgestiegen.Samiam rocken nicht anders, als sie es die 90er hindurch getan haben. Egal ob das nun ‚80 West‚ oder ‚Did You Change‚ genannt wird: hier ist gut gelaunter Poppunkindierock drinnen der kurzweilig den Sommer zurück in die Herzen holt. ‚September‘ schließt „Oohs“ und „Aahs“ im Chor nicht aus, ‚El Defonado‚ blickt wehmütig zurück und nach vorne, ‚Happy for You‚ macht den Bruch und verabschiedet vollends zurückgenommen. Nur einige wenige von so vielen potentiell tollen Singles, an deren erster Stelle dennoch unangefochten ‚How Would You Know‚ steht. Sofern man das bei einer Platte sagen kann, bei der die Favoriten mit jedem Durchgang wechseln. Vielleicht sagt es schon genügend über die Qualität der Platte aus, dass ‚Magellan‚ an Snow Patrol erinnert und dass trotzdem nicht unangenehm ist. Und wie wichtig Samiam für Bands wie Biffy Clyro gewesen ist, zeigt ‚Trips‘ praktisch über seine gesamte Spieldauer.

Samiam verzichten auf Experimente und Überraschungen, sondern machen was sie am besten können: Vertonen Aufbruchsstimmung und Lebenslust, gebrochene Herzen und die Banalitäten des Lebens mit einem Punch und Feuer, den man so nicht mehr wirklich von ihnen erwartet hat. Was eine gelungene Produktion so alles ausmachen kann. Man muss aber vermutlich leider kein Pessimist sein, um zu orakeln, dass ‚Trips‚ wohl wieder für einige Zeit die letzte Wortmeldung zum Thema Samiam sein wird. Bis zu den nächsten Trennungsgerüchten und bis die Band mal wieder ihre Ärsche hochbekommt, um sich zusammenzurotten. Eigentlich unverzeihlich sowas – verzeiht man ihnen dann aber doch. Weil Samiam ihre Meisterwerke zwar schon geschrieben, mit Alben wie ‚Trips‚ ihre Qualitäten aber fett unterstreichen. Man darf nur nicht daran denken, was für Samiam mit etwas mehr Stringenz in der Arbeitsmoral immer noch so alles drinnen wäre. Das fällt einem auch schwer, wenn ‚Trips‚ einen derart fest in die Arme nimmt.

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