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Saul Williams – Volcanic Sunlight

Das Chamäleon unter den Rappern hat es nach Paris verschlagen. Dort war er jedoch nicht nur, um Party zu machen, sondern hat nun eine neue Platte im Gepäck. Die eignet sich am besten – zum Party machen!

Fernab seiner Spoken Word Poetry Anfänge und seinem Ausflug in Trent Reznors Industrial Rap Zukunft, hat es den New Yorker für sein viertes Album also nach Frankreich verschlagen. Vorerst auch nur dort erhältlich, lässt bereits das Cover aufblicken – Williams tanzt vor Discolicht Deluxe hemmungslos den Kreisel, da hat jemand offenbar “the time of his life“.
Und auch wenn Williams diesmal auf ein 80er Cover verzichtet, borgt er sich doch allerhand Keyboardeffekte von damals und lässt auf Volcanic Sunlight ohnedies keinen Stein auf dem anderen.

Ungeachtet seiner bisherigen Veröffentlichungen darf sich Volcanic Sunlight kaum mehr als Rapalbum bezeichnen, dafür hat Williams gesorgt. Oder vielleicht doch eher Paris? Was macht diese Stadt nur, dass Chris Cornell nichts mehr vom Rock wissen wollte und Saul Williams plötzlich den Poptänzer gibt? Einerseits nebensächlich, da angeblich alle Songs bereits geschrieben waren, als Williams nach Frankreich kam; Andererseits nebensächlich, da er seine Sache weitaus besser zu Ende denkt als Cornell.
Nichtsdestotrotz irritiert Volcanic Sunlight beim ersten Durchgang schon einmal gehörig. Da fällt auf: Die Instrumentierung beschränkt sich nicht selten vollends auf das Schlagzeug und stellt den Rhythmus ohnedies exzessiv in den Vordergrund, immer und jederzeit eigentlich. Der Rest sind Synthesizereffekte und Keyboardsprengsel, dezent oder penetrant platziert, ein paar wenige fette Bässe und die Gitarre unter der Lupe: mehr Soundgewand braucht Williams für das Beatorientierteste Album seiner Discographie  nicht. Muss man noch erwähnen, dass es auch sein massentauglichstes Werk geworden ist?

Dafür sorgt nicht zuletzt Williams selbst am Mikro. Rapparts dürfen gesucht werden wie Walter Wally , finden wird man sie auf Volcanic Sunlight selten bis nie. Viel öfter singt Williams mit der Inbrunst von “Sunday Bloody Sunday“ und gibt gar den Soulman, womit sein viertes Album sich besser in der Veröffentlichungslinie von TV on the Radio als seiner eigenen machen würde. Aber Berührungsängste kennt dieser Mann nicht, das weiß man nicht erst, seit er Bad Brains sampelte. Für Volcanic Sunlight heißt das: Hier ist alles eingängig, Popmelodien haben den Rhythmus, der auf die Tanzfläche möchte. Wenn Williams jemals den wirklichen Durchbruch schaffen sollte, dann wohl hiermit. Trotz (oder gerade wegen) billig anmutenden Simpelschunkler wie “Girls Have More Fun“ und seinem Ententanzkeyboard, oder dem leicht plumpen „Dance“, das seinem Namen alle Ehre macht.
Dem gegenüber stehen allerlei unwiderstehliche Songs das zwingende Rap-Titelstück oder zahlreiche smarte 60ties Anleihen, wie “Give it Up“ sie beispielsweise ausführt. Und wenn er das Album gegen Ende abkühlen lässt, ist das ohnedies eine sichere Partie.

Der Mann weiß was er tut wenn er seine Musik in die Tanzpaläste der Welt abgleiten lässt und die Songs dabei dennoch nicht auf Hochglanz poliert. Volcanic Sunlight ist ein gefundenes Fressen für die Charts, biedert sich jedoch nicht an diese an.
Marvin Gay und David Bowie winken jedenfalls schon einmal von ein paar Stufen weiter oben herab.
Ob Williams den eingeschlagenen Weg lange beibehält, wird sich aber ohnedies erst zeigen. Bis dahin stellt Volcanic Sunlight die Partytaugliche Seite des (ehemaligen?) Poeten dar. Das hätte man in dieser Klarheit vielleicht zu allerletzt erwartet, aber was das Album auch in seinen weniger guten Momenten beibehält, ist sein umwerfendes Rhytmusgefühl – das hatte Williams schon immer. Diese Platte bleibt deswegen auch bei ihren Schwachstellen am Parkett.
Die Irritation ob der wieder einmal drastischen Kurskorrektur mag anhalten. Und sein bestes Album liefert Williams mit Volcanic Sunlight definitiv nicht ab. Doch der New Yorker hält die Sache spannend. Mehr noch: Volcanic Sunlight hat endgültig eine Schwelle übertrete. Hiernach muss man von Saul Williams eigentlich mit allem rechnen.

 

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Comments (1)

  1. Pingback: Elevate 2016 - HeavyPop.at 18. Oktober 2016 […] of NiggyTardust! ) oder daran scheiterte sich als Tanzflächenpartymensch neu zu erfinden (Volcanic Sunlight). Anfang 2016 erschien mit dem ambitionierten Projekt MartyrLoserKing eine Rückbesinnung auf […]

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