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Schöne neue Oberstufe

Das Sitzenbleiben wird in Österreichs Oberstufen-Schulen künftig zur Ausnahme. Bundesministerin Schmied und die Bildungssprecher von ÖVP (Werner Amon) und SPÖ (Elmar Mayer) haben sich auf eine Reform geeinigt, die, gemessen an den Schulreform-Standards der letzten Jahre, fast schon als revolutionär bezeichnet werden kann.

Die veraltete Schule ist bald – zumindest teilweise – ade

Ab dem Schuljahr 2012/13 müssen Schüler_innen nur noch dann Sitzenbleiben, wenn sie in mehr als drei Fächern negativ beurteilt werden. Ob das Modulsystem ab der neunten oder zehnten Schulstufe angeboten wird, obliegt der jeweiligen Schule.

Hat man am Ende des Semesters drei oder weniger „Nicht genügend“, müssen die negativen Module im nächsten Semester nachgeholt werden. Der Antritt zur Matura ist dann möglich, wenn alle Module bestanden sind.

Konkret beinhaltet der Plan, dass jedes Schulfach in jedem Semester aus mindestens zwei Modulen besteht, deren Stoff am Semsterende abgeprüft wird. Durch ein Frühwarnsystem werden Schüler_innen darüber informiert, dass ihnen ein „Nicht genügend“ droht, ihnen wird dann ein „Lerncoach“ zur Verfügung gestellt. Bei negativem Abschluss eines Moduls kann die Prüfung drei- bis viermal wiederholt werden – Schüler_innen können sich aussuchen, bei welchem Lehrer oder welcher Lehrerin sie die letzte Wiederholungsprüfung machen.

Schulversuche, die mit dem modularen System arbeiten, bestätigen den positiven Aspekt des Systems: 60 Prozent der Klassenwiederholungen können vermieden werden. Das hieße, dass sich die Klassenwiederholungsquote an „normalen“ mittleren und höheren Oberstufen von 10 Prozent auf 4 Prozent verringern würde. Aber auch für jene, die eine „Ehrenrunde“ drehen müssten, gibt es Vorteile: die positiven Noten des Vorjahres bleiben erhalten. Sie müssten jene Fächer, die sie positiv abgeschlossen haben, zwar besuchen, die Note dafür kann sich aber nicht verschlechtern, sondern nur verbessern.
Für besonders Begabte wird es die Möglichkeit geben, Module vorzuziehen. Und das Ganze soll auch noch kostenneutral sein.

Der einzig negative Punkt der Reform ist, dass nicht alle Schulen im Jahr 2012 umgestellt werden, sondern nur 160 Schulen pro Jahr. Erst 2016 wird das neue System für alle Schulen gelten.

Ansonsten gibt’s aber nichts zu meckern.

 

Foto: ttelyob

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Comments (2)

  1. Stefan Mackovik21. Juni 2011 Antworten
    Leider haben sich Frau Schmied und Herr Amon wieder mal nicht geeinigt, weil die ÖVP wieder mal einen RÜckzieher gemacht hat. Diese Regierung ist scheinbar nicht fähig, kleines Reformen durchzubringen.
    • Christiane21. Juni 2011 Antworten
      ja leider, wär ja auch zu schön gewesen…

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