Neonliberal.at

Neonliberal.at

Sepultura – Kairos

Schuster bleib bei deinen Leisten: Sepultura spielen weiterhin Sepultura Metal. Kairos braucht dazu keinen Cavalera im Line-Up und kein derart weit ausholendes Konzept wie seine beiden Vorgänger.  Gravierende Unterschiede macht das keine: Brasiliens größte Metal Band thrasht wie immer.

Dass die beiden Cavalera Brüder mit ihrer Cavalera Conspiracy eine mehr als nur ebenbürtigen Alternative zu den Brasilianischen Altmeistern bieten, spiegelt sich im Songwriting von ‚Kairos‚ ebenso wenig wieder, wie jedweder Gedanke an den Zeitgeist. Andreas Kisser, Paulo Jr., Derrick Green und Jean Dolabella spielen viel eher wertkonservativen Thrash Metal, wie sie ihn immer schon spielten.Und wer sich einmal damit abgefunden hat, dass man  zukünftig von Sepultura ebenso wenig weitere Meisterwerke der Marke ‚Chaos A.D‚  erwarten darf wie revolutionäre Großtaten ala ‚Roots‚, wird auch an ‚Kairos‚ wieder seine Freude haben.
Das zwölfte Studioalbum der Band unterstreicht, dass die Schwächeperiode um die Jahrtausendwende mit ‚Against‚ und ‚Nation‚ eine einmalige Angelegenheit war, auch wenn ‚Kairos‚ nicht derart überzeugen kann, wie die beiden Vorgänger ‚Dante XXI‚ und ‚A-Lex‚. Ohne Konzept gehts jeodch auch diesmal nicht: ‚Kairos‚ beschäftigt sich mit den Abzweigungen, die jeder Mensch im Leben wählen kann im Allgemeinen, mit jenen die Sepultura genommen haben im Speziellen.

Freilich hat sich bei Sepultura wenig bis nichts verändert, Kisser und Co. spielen ihren ureigenen Thrashmetal mittlerweile so selbstverständlich, dass wahre Überraschungsmomente ausbleiben. Geben tut es solche auf ‚Kairos‚ jedenfalls so gut wie nicht, am ehesten noch dann, wenn es doch verwundert, wie gut sich Ministry´s ‚Just One Fix‚ im Sepultura Outfit anhört (für die Deluxe Version des Albums darf das auch auf ‚Firestarter‚ von The Prodigy ausgedehnt werden, welches dort neben dem theoretischen Highlight ‚Point of No Return‚ verbraten wird) oder wenn ‚Structure Violence (Azzes)‚ den kürzesten Weg vom brasilianischen Thrash zu amerikanischem Industrial sucht. Darüber hinaus findet die einzige Variation, die Sepultura ihren Songs widerfahren lassen in der Qualität derer statt. Und eben dieses auf ‚Kairos‚ siedelt sich im guten Mittelfeld an.
Vor allem die Eingangsphase der Platte gerät da zum punktgenauen Schlagabtausch. ‚Spectrum‚ schleppt in ein Album, in dem Kisser abermals unter Beweiß stellen darf, dass er nicht nur der musikalische Blickfang der Band ist, sondern auch nach wie vor zu den besten Metalgitarristen der Welt gezählt werden darf. Zwischen progressiver Saitenarbeit und unumwunden direkter Simpelriffsensation darf`s für ‚Kairos‚ jedoch auch die eine oder andere Resteaufwärmung sein, was dem Album dann allerdings auch einen Platz auf der Sepultura eigenen Bestenliste verwehrt.

Nichtsdestotrotz ist ‚Kairos‚ eine grundsolide  Platte geworden. Gröbere Ausfälle finden nicht statt, stattdessen drischt das Quartett um Brüllmonster Derrick Green sogar die eine oder andere Perle für ihr neues Label Nuclear Blast heraus: Der Titelsong ist ein Paradebeispiel für die Stärken Sepulturas, ebenso wie das alles niederreißende Monster ‚No One Will Stand Alone‚. ‚Born Strong‚ könnte der Hit der Platte sein, wäre mit ‚Relentless‚ nicht ein noch eingängigeres Brett vorhanden. Das sind die Momente, in denen Sepultura alles richtig machen, fetteste Riffs auf rasendes Schlagzeugspiel prallen lassen und  noch einmal dick unterstreichen, dass diese auch im mittlerweile gar nicht mehr so neuen Line-Up immer noch Relevanz besitzen. Dass größte Problem von ‚Kairos‚ ist trotzdem in der (auch jüngeren) Vergangenheit zu suchen. Weil Sepultura auf ‚Kairos‚ rein gar nichts falsch machen – aber einfach alles so auch schon mal besser hinbekommen haben.

[amazon_link id=“B004WOJ916″ target=“_blank“ ]Kairos auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook