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Shared Space am Grazer Sonnenfelsplatz – Kann das gut gehen?

Obwohl schon seit 2009 bekannt ist, dass der Sonnenfelsplatz neben der Karl-Franzens-Universität nach Vorbild des Shared Space-Konzepts umgestaltet werden soll, kam die Ankündigung von Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, dass schon Anfang nächster Woche mit dem Umbau begonnen werden soll, doch etwas überraschend. Manche haben gar nicht mehr damit gerechnet.

Das Konzept des „Shared Space“ wurde in den 90ern in den Niederlanden entwickelt, mit dem Ziel, den öffentlichen Straßenraum sicherer und lebenswerter zu gestalten, zudem soll der Verkehrsfluss verbessert werden – indem jegliche Verkehrstafeln und Straßenmarkierungen aus dem Verkehr gezogen werden. Österreichweit war das in der Süd-Weststeiermark gelegene Gleinstätten die erste Gemeinde, die dieses Konzept umsetzte. Mit durchaus positiver Bilanz, wie es Peter Neger, Verkehrsreferent der Polizeiinspektion Gleinstätten, in der Kleinen Zeitung ausdrückt: „Das Ziel ist erreicht worden. Es gibt nun ein noch besseres Miteinander.“ Weitere Gemeinden ziehen nun nach, etwa Velden, Vöcklabruck, Feldkirchen bei Graz und eben auch Graz.

Im April 2009 wurde das Projekt „Sonnenfelsplatz neu“ erstmals vorgestellt, via Wettbewerb wurden Architekt_innen dazu aufgerufen, ein Konzept auszuarbeiten. Planungsergebnisse sollten Ende 2009 vorliegen, im Frühjahr 2010 hätte die Umbauphase beginnen sollen. Daraus wurde erstmal nichts, die Umsetzung wurde auf Oktober verschoben. Doch dann bemerkte das Grazer Verkehrsressort offenbar, dass die Vorbereitungen doch mehr Zeit in Anspruch nehmen – man verlegte die Umsetzung auf April 2011. Doch die vier von Bauwerbern vorgelegten Angebote überstiegen die projektierten 750.000 Euro, eine erneute Ausschreibung folgte.

Jetzt geht es jedoch Schlag auf Schlag: Anfang Juli gab Rücker bekannt, dass die Ausschreibung durch sei, mit den geplanten 750.000 Euro könne sogar noch eine Fernwärmeleitung mitverlegt werden. Baubeginn ist der 25. Juli, mit 30. September soll alles fertig sein. Man darf gespannt sein, wie sich die Verkehrssituation während der Umbauarbeiten verhält, immerhin wird der Sonnenfelsplatz von mehreren Linien der Holding Graz Linien befahren.

Gespannt darf man auch sein, ob sich das Projekt „Shared Space am Sonnenfelsplatz“ wirklich durchsetzt. Dass sich alle Verkehrteilnehmer_innen, ob zu Fuß, mit Rad, Auto oder Bus unterwegs, den Platz ohne Verkehrsschilder, Straßenmarkierungen und Kreisverkehr teilen sollen, ist – trotz positiver Rückmeldungen aus Gleinstätten – zurzeit schwer vorstellbar. Vor allem, da man sich auf gegenseitige Rücksichtnahme verlassen muss. Kennt man das Fahrverhalten so mancher Autofahrer_innen, die den Sonnenfelsplatz durchfahren, ist eine gewisse Skepsis wohl berechtigt.

 

Die neonliberal.at-Umfrage: Was halten die Grazer_innen von „Sonnenfelsplatz neu“?

Antonia V., Studentin

„Ich finde es auf jeden Fall interessant und einen Besuch wert!“

 

 

 

 

Matthias S., Student

„De facto haben wir ohnehin schon einen Shared Space am Dietrichsteinplatz. Alles geht, fährt, rollt kreuz und quer, keiner weiß so richtig, wer jetzt Vorrang hat und trotzdem passiert nichts. Ergo: pro Shared Space!“

 

 

 

Judith F., Studentin

„Ich finde das Konzept super, auf die Umsetzung bin ich gespannt. Ich hoffe, dass es danach für RadfahrerInnen ungefährlicher wird.“

 

 

 

 

Lukas L., Student

„Mir ist nicht ganz klar, wie das Shared Space-Projekt gerade mit den großen Bussen auf dem viel zu kleinen Platz praktikabel sein sollte.“

 

 
Fotos: Christopher Pieberl, Klemens Wieringer

 

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Comments (4)

  1. Christopher21. Juli 2011 Antworten
    Ich find das Projekt, um ehrlich zu sein, ziemlich fragwürdig! Ob es gerade auf einem Platz wie dem Sonnenfelsplatz, wo Busse, Räder, Autos und Fußgänger_innen aufeinandertreffen zu einer Entschärfung der Verkehrssituation führt, wage ich stark zu bezweifeln!
  2. Raphael21. Juli 2011 Antworten
    Ich glaube auch, dass maximal die Busse ein Problem darstellen könnten. Man muss hier wohl die Graz AG Fahrer_innen für das Konzept sensibilisieren.
  3. Herr Traurig26. Juli 2011 Antworten
    Ein Schelm, wer böses dabei denkt: Verkehrsreferentin,deren Vita so ziemlich jedem Klischee eines grünen Weltverbesserers entspricht, sich selbst als Radfahrerschutzherrin sieht, möchte ihr Utopia verwirklich und wirft dabei 750000 € aus dem Fenster. Realsatire par excellence! Sucht man bei Google nach Bildern zum Thema „Shared Space“, fällt auf, dass es überwiegend sehr große, weitläufige und gut einsehbare Plätze sind, auf welchen man das Projekt bisher getestet hat. Attribute, die man dem Sonnenfelsplatz nicht gerade zubilligen würde. Dazu kommt, dass die umliegenden Gebäude, allen voran die Bruchbuden beim ÖH-Gebäude und die Chemie nicht gerade toll aussehen und somit die Vorstellung, einzig bunte Markierungen und fehlende Verkehrsschilder würden die Ecke um ein vielfaches verschönern und den „Besucher zum verweilen“ einladen, ebenfalls ad absurdum führt. Ganz großes grünes GutmenschenInnen 🙂 Kino. Hoffentlich gibt es wenigstens keine schweren Personenschäden, wobei ich mir bei dem ein oder anderen über den Haufen gefahrenen Radfahrer schon wünschen würde, das Gesicht der Verkehrsreferentin sehen zu können. Aber eh wurscht, die Autolenker sind ja dann schuld.
  4. molch7228. Juli 2011 Antworten
    Ich war gestern nochmal dort, mir die 6 Bäume angucken, die dran glauben müssen…
    Ich bin ehrlich empört über soviel Unvernunft. Es ist ja außerdem nicht so, als ob der Sonnenfelsplatz DER Hotspot für Verkehrunfälle gewesen wäre. Man bekommt jetzt für teures Geld eine große, häßlich bemalte ungeregelte Kreuzung, mehr ist es nicht.

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