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Jeniferever – Silesia

Aller guten Dinge sind drei.  Dachten sich wohl auch Jeniferever und schmissen sich für Silesia in ihre schönsten Popkleider.
Unnötig anzumerken, dass sich die Musik der vier Schweden aber weiterhin in kein Korsett zwängen lässt.

Im Großen und Ganzen bleiben sich Jeniferever treu. Und damit jenem Stil, den sie spätestens auf Iris (2004) aus der Taufe gehoben und über Choose A Bright Morning (2006) und Spring Tides (2009) perfektioniert haben:
Die Gitarren perlen kristallklar über die weitläufigen Kompositionen, deren Arrangements immer schon näher am Postrock als am Pop waren. Kristofer Jönson gibt dazu den jungen Robert Smith, bewegt sich zwischen Synthesizerflächen und Soundwänden, welche die fragile Traumversion von Neurosis und Konsorten abzuzeichnen scheinen. Und plötzlich muss man sich nicht mehr die Frage stellen, wie The Cures Bloodflowers geklungen hätte, wäre es ein Sigur Rós Album geworden.

Auch Silesia strahlt diese ganz eigene, elegische Erhabenheit Jeniferevers aus, wirkt aber zugänglicher als alle bisherigen Werke.
Dabei geben sich die Songs nur unwesentlich gezähmter, fallen ähnlich dramatisch und ausladend aus wie bisher. Dass die Gesamtspielzeit geringer geraten ist, sticht bei bis zu neunminütigen Stücken kaum hervor.
Silesia fordert jedoch nicht mehr dasselbe Maß an Aufmerksamkeit, um zum Kern der Songs vorzudringen. Wie seine Vorgänger ist Silesia grundsätzlich wenig vertrackt, doch Stücke wie Waifs & Strays und A Drink to Remember gehen nun sogar auf den Hörer zu, anstatt ihn eine gefühlte Ewigkeit bloß zu umschmeicheln. Wollen sofort beachtet werden anstatt langsam lieb gewonnen zu werden.
Erstmals machen  Jeniferever es einem leicht, ihre Musik besser als nur gut zu finden.
Nicht zuletzt auch, da sie mit The Beat of Our Own Blood auch so etwas wie ihren ersten Hit geschrieben haben.
Dadurch entsteht allerdings auch unweigerlich das Gefühl, dass es auf den Vorgängeralben einfach mehr zu entdecken gab.  Den Hörgenuss schmälert dies tatsächlich aber nur minimalst.
Vor allem da Silesia gegen Ende hin immer weitschweifender wird, das Konkrete der vorderen Albumhälfte gegen die verträumt, vertrackte Gangart von Spring Tides eintauscht.

Jeniferever erarbeiten neue Facetten ihrer Soundgemälde und liefern mit Silesia voraussichtlich nicht ihr bestes, sicherlich aber ihr zugänglichstes Werk ohne sich anzubiedern.
Damit bewegen sich die Schweden immer noch weit draußen, greifbarer waren sie allerdings nie.
Wahrscheinlich die optimale Gelegenheit, in diese Klangwelten einzutauchen.

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