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Sixteen Horsepower – Yours, Truly

Sieben Jahre nach ihrem Ende hat David Eugene Edwards wunderbare Alternative Country Band nichts von ihrem düsteren Glanz verloren. ‚Yours, Truly‘ ruft dies im Doppel mit fraglich notwendiger Werkschau samt einer für Fans interessanten Raritätensammlung in Erinnerung.

Zwölf Songs bilden dabei den ersten Teil des mutmaßlich finalen Grabgesanges von Sixteen Horsepower. Auswählen durften diese fleißig votende Fans, was dann auch den Beigeschmack von nekrophiler Geldscheffelei übertünchen soll – schlußendlich bleibt trotzdem zumindest ein merkwürdige Nachgeschmack. Eine Best-of Compilation braucht natürlich kein Fan, aber das Gefühl  lässt sich nach bester Sixteen Horsepower Manier mit hartem Whiskey wegspülen – eine Freude ist es immer wieder, den staubtrockenen Outlaw Geschichten aus den apokalyptischen Western der Band aus Colorado zu lauschen. Wenn David Eugene Edwards den mystischen Priester aus dem Jenseits gibt, Country niemals alptraumhafter oder hoffnungsloser geklungen hat, während E-Gitarren zu Banjos heulen und Sixteen Horsepower Bluegrasssongs in Rockekstase zertrümmern und Gospelansätze mit knochenharten Arrangements niederringen, ihr brütendes Gemisch hart an die Grenze zum Gebetsbruder Nick Cave campieren lassen – dann sind das zeitlose Meisterstücke jenseits jeglicher Genres. Auch wenn man das mittlerweile „Gothic Americana“ zu nennen pflegt.

Nun also ließen Sixteen Horsepower aus dem Fundus an solcherart ettiketierten Songs eine Werkschau zimmern. Die Auswahl der Stücke beweist dabei schlußendlich zweierlei Dinge. Erstens: ‚Secret South‚ wird offenbar in allen Fanschichten als das unbestreitbare Meisterwerk von Sixteen Horsepower angesehen, ganze fünf mal ist das 200er Werk auf ‚Yours, Truly‚ vertreten. Dreimal ‚Sackcloth ‚N‘ Ashes‚, zweimal ‚Low Estate‚ und einmal die selbstbetitelte EP sind grundsätzlich natürlich zu wenig – weil ‚Secret South‘ tatsächlich ein verdammt abgründiges Meisterwerk darstellt, geht diese Vormachtstellung wohl in Ordnung. Aber weil das ebenfalls brillante, etwas untergegangene Nachfolgewerk ‚Folklore‚ deswegen mit  ‚Hutterite Mile‚ nur einen Boten an ‚Yours, Truly‚ schickt, sollte man natürlich im Hinterkopf haben, dass die vier Studioalben der Band ohnedies im Plattenschrank stehen sollten. Und natürlich die zweite Erkenntnis: Obwohl zwischen den versammelten Stücken bis zu sechseinhalb Jahren liegen, fügt sich das alles unfassbar stimmig zusammen. Die Missionare des Americana hatten ihren eigenwillig abseitigen Stil eben von vornherein nahezu perfektioniert.

Das eigentliche Schmankerl von ‚Yours, Truly‚ stellt auf lange Sicht aber zweifelsohne die Raritätensammlung der zweiten CD dar. Zwar ist diese nach ‚Olden‚ natürlich nicht die erste Compilation dieser Art, zudem nicht unbedingt die bessere und auch die Frage, ob sich anstelle der versammelten Demotracks (zumal sich diese nicht eklatant von ihren auf CD 1 versammelten Originalen unterscheiden) nicht spannenderes Füllmaterial finden hätte lassen, bleibt im Raum. Nichtsdestotrotz schmälert dies nicht die Qualität der vorhandenen Stücke. Diese sind entweder makellosen hauseigene Alternative-Country Tracks, mal leicht variierte Aufnahmen oder eben besagte Demostücke. Dazu gesellen sich drei Coversongs – und das Sixteen Horsepower Meister im Neuinterpretieren waren, ist eine Tatsache: ‚Bad Moon Rising‚ von Creedence Clearwater Revival wird von Sixteen Horsepower durch die Wüste geschliffen, bis nur noch die Ecken und Kanten der windschiefen Nummer über bleiben. Mit den französischen Gleichgesinnten von Noir Désir nahm man sich den Gun Club Song ‚Fire Spirit‚ sowie den Leonard Cohen Klassiker ‚The Partisan‚ markerschütternd aufwühlend vor. Letzter ist zwar mittlerweile Bestandteil der Neuauflage von ‚Low Estate‚ und damit alles andere als eine Rarität, aber da darf man generös drüber hinwegsehen.

Alles in allem ist ‚Yours, Truly‚ keine makellose, aber eine durch und durch gelungene Angelegenheit. Hardcorefans finden hier wenig unbekannten Mehrwert – allen anderen wird die ebenso zeitaufwendige wie finanziell aufreibende Suche nach Singles erspart. Weswegen ‚Yours, Truly‘ im Normalfall auch als famose Komplettierung der Sixteen Horsepower Sammlung angesehen werden darf. So toll das grundsätzlich ist, schleicht sich doch das Gefühl ein, das sich das veröffentlichungswürdige Arsenal an Unveröffentlichtem langsam dem Ende zuneigt. Zwei Raritätensammlungen und ein Livealbum nach dem letzten regulären Studioalbum sollte man die Pioniere des Gothic Americana in Frieden ruhen lassen. Die spirituellen Totengräber des Alternative Country muss man nicht mit halblegitimen Platten in Erinnerung rufen – David Eugene Edwards und seine Bande bleiben ohnedies unvergessen.

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