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The Low Anthem – Smart Flesh

Mit „Oh my God, Charlie Darwin“ trafen The Low Anthem den Geist des The Low Anthem "Smart Flesh" Cover Art Darwin-Jahres 2009 perfekt. Ein Album, welches so perfekt leisen Folk mit gelegentlichen elektrischen Ausbrüchen verband, hatte schon langte niemand mehr gehört. Alles an diesem Album war anders. Es war anders produziert, es klang anders, es schuf seine ganz eigene Gefühlswelt – und wurde Liebling der Kritiker_innen. Noch vor ihrer großen Welt-Tour, unter anderem im Vorprogramm von The National, nahmen sie ihr neues Album „Smart Flesh“ auf.

Bereits der Opener „Ghost Woman Blues“ schafft mit seiner immensen Tiefe eine treffende Vorahnung, was einen auf „Smart Flesh“ erwartet. Schon hier wird klar: The Low Anthem wollen noch greifbarer klingen. „Smart Flesh“, gemixt von Conor-Oberst-Kumpel und -Mitmusiker Mike Mogis, schafft den Spagat zwischen Album und Auftritt perfekt. Zwischendurch gibt es mit Tracks wie „Boeing 737“ und „Hey all you Hippies“ wieder elektrische Ausritte, andere Tracks leben wiederum vollkommen von Klavier, Orgel und/oder Klarinette („Wire“) und sind dabei so schön, dass sie einem fast weh tun. Ein paar Mal gibt es verstärkt Countryeinflüsse („Apothecary Love“) mit Mundharmonika und Pedal Steel zu hören, wobei The Low Anthem aber nie in den Kitsch, der so vielen Musiker_innen ihre Karriere abseits von Square-Dance-Bars verbaute, abdriften.

Sänger Ben Knox Miller und Jocie Adams schaffen mit ihren Stimmen eine fast gespenstisch ruhige Atmosphäre. Manchmal scheinen sie nah, so als ob sie einem ins Ohr singen würden, manchmal klingen sie, als ob sie von weit weg kommen würden. Die Fabrikshalle der Porino’s Pasta Sauce Factory in Central Falls, RI, in der das Album aufgenommen wurde, ist vor allem auf dem Stück „Golden Cattle“ äußerst prominent.
Hier wird einem spätestens eines bewusst: für dieses Album wurden keinerlei Effekte außer eben dem gigantischen Hall der Fabrikshalle, in der bei den Aufnahmen mehrere Mikrophone an verschiedenen Orten platziert wurden, benutzt. Das Alter der Instrumente ist nahezu hörbar, alles klingt organisch, rund, manchmal kratzig, aber nie falsch.

The Low Anthem haben es geschafft und „Oh my God, Charlie Darwin“ mit ihrem dritten Album „Smart Flesh“ noch einmal übertroffen. Folk auf höchstem Level – wunderschön und herzzerreißend leise.


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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (2)

  1. Pingback: The Low Anthem - Eyeland - HeavyPop.at 2. März 2018 […] Aus den ehemals so großen Traditionalisten von The Low Anthem ist in den fünf Jahren seit Smart Flesh eine arrivierte Experimental-Kombo […]

  2. Pingback: The Low Anthem - The Salt Doll Went to Measure the Depth of the Sea - HeavyPop.at 3. März 2018 […] fühlt sich an, als hätte The Salt Doll Went to Measure the Depth of the Sea zwischen Smart Flesh (2011) und Eyeland erscheinen müssen, um eine logische Evolution im Sound des Quartetts aus Rhode […]

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