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Smith & Burrows – Funny Looking Angels

Wenn der Editors Tieftöner Tom Smith und der von Razorlight zu We Are Scientists geflohene Schlagzeuger Andy Burrows gemeinsame Sache machen, kommt dabei ein betörend dunkles Winteralbum mit Weihnachtsflair heraus.

Winter im dichtem Nebel, kurz vor Anbruch der Nacht – dort treiben sich die zwei Spezis Smith und Burrows umher. Wo andere Weihnachten fröhlich und ausgelassen feiern, verstehen die zwei Engländer das Fest der Liebe, der Best- of Alben und Festtagscompilations als melancholisch-düsteres Sammelsurium an molltönigen Songs, eigenen wie fremden. ‚Funny Looking Angels‚ funktioniert dabei als wunderbares Album für die stille Zeit des Jahres, das auf unsentimentale Art nicht Nein zu erhabenen Pathos sagt. Zwar greifen die beiden Freunde auf  stilgetreues Instrumentarium zurück – Pianos! Streicher! Glöckchen! Bläser! Chöre! Handclaps!- bewegen sich jedoch soweit abseits klischebehafteter Schmalzwege als möglich – intimer und eindringlicher kann ein Weihnachtsalbum kaum ausfallen.

Allein schon wenn Baritonwunder Smith zum Mikrofon greift, zaubert ‚Funny Looking Angels‚ soviel mehr weihnachtliche Stimmung in die Herzen, als man das von derartigen Genrealben gewohnt ist. Wenn Agnes Obel für den abschließenden ‚The Christmas Song‚ mit Smith im Duett schmachtet, hat das zwar was vom deprimierendsten Weihnachten aller Zeiten, dafür aber auch eine Anmut, die seinesgleichen sucht. Burrows und Smith bastelten einen Sommer lang am Gegenentwurf zu gängigen Winter- und Weihnachtsplatten und haben das dekorierte Studio mit einer handvoll großartiger Songs verlassen. Wie majestätisch das eröffnende ‚In the Bleak Midwinter‚ in das tieftraurige, politische Pianoklagelied ‚When the Thames Froze‚ überleitet, kann jedenfalls gleichermaßen ein Lächeln wie Tränen ins Gesicht zaubern, die bis zum überlebensgroßen ‚This Ain´t New Jersey‚ nicht mehr verschwinden wollen. Intoniert Burrows mit glockenheller Stimme in den beschwingteren Nummer (‚As the Snowflakes Fall‘, ‚Funny Looking Angels‚), hat das hingegen etwas von Badly Drawn Boy als einsamer Trauerkloß vorm Weihnachtsbaum.

Die im Mittelteil eingetreuten Coverversionen gehen dabei Hand in Hand mit den Eigenkompositionen der beiden Musikerkumpel. ‚On And On‚ funktioniert als zurückhaltend-stiller Tribut an die eher unbekannten Longpigs, Yazoo´s ‚Only You‚ sitzt als beinahe hofnnungsvoller Stomper in der hintersten Ecke vorm Kamin. Am bemerkenswertesten jedoch: Das bereits gefühlte tausendmal verarbeitete ‚Wonderful Life‚ des One-Hit-Wonders Black gerät im wunderbaren Wechselgesang von Smith und Burrows zu einem sehnsüchtig reduzierten Meisterstück und zum wahrscheinlich herausragensten Song einer Platte, die Weihnachten sentimental und gefühlvoll in dunkle Pastelltöne taucht. Ein melancholisch ergreifendes Glanzstück, das Weihnachten in tiefes Dunkel stürzt und deswegen heller strahlt, als die meisten vergleichbaren Alben da draußen.

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