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Social-Media-Versagen

Politik als Medienspektakel. Die österreichische Politik ist, spätestens seit Werner Faymanns katastrophalem Kampagnenstart, mehr schlecht als recht im Web 2.0 angelangt.

180.000 Euro sind für Faymanns neuem Webauftritt geplant. Gezahlt vom Kanzleramt. Eine ziemlich schlechte Aktion, wie Stefan Bachleitner richtig kommentierte. Keine Parteiwerbung am Facebookauftritt des SPÖ-Parteivorsitzenden – Steuergelder für Werbung um seine Person als Bundeskanzler. Beides nicht wirklich eine ideale Situation, ersteres für die SPÖ, zweiteres für das Bild, das Faymann macht. Aber alles halb so wild, denn Michael Spindelegger kürzt in seinem Ressort bei der Entwicklungshilfe, während er für Pressearbeit zwei Millionen Euro mehr ausgiebt. Das ist purer, menschenverachtender Zynismus.

Zurück zu Werner Faymann. Dessen Webauftritt will nicht und nicht in die Gänge kommen. Das @teamkanzler wirkte erst engagiert und reagierte gut auf Fragen, dann flachte die Aktivität ab. Nach Kritik (sollen doch monatlich 1.800 Euro dafür gebraucht werden) geht es wieder aktiver, inwzischen schafft das Team mehr als null bis ein Tweet pro Tag. Peinlich nur, dass jetzt eine Geschichte um angebliche Fake-Fans des Bundeskanzlers aufkommt. Der Verdacht, dass wohlgesinnte Postings von Fake-Accounts kommen, liegt nahe. Ein mieses Bild für einen Bundeskanzler, ein noch viel mieseres für eine funktionale Demokratie.

Aber das perfekte Beispiel dafür, wie wenig die österreichischen Politiker_innen von der Freiheit Sozialer Medien verstehen. Die letzte OTS-Aussendung von Werner Faymann interessierte schlicht niemanden, die_der sich OTS nicht aboniert hat oder recherchiert. Auf Facebook möchte ich allerdings mehr haben, als die Meldungen, von denen bereits mehrere Zeitungen berichtet haben und Fotos von offiziellen Staatsbesuchen. Aber nur das bekommt man geboten – bei allen Kosten und dem angeblich so lange durchdachten Konzept. Des Kanzler web 2.0-Präsenz leidet vor allem an ihrem einseitigen Aufbau, der Mehrwert ist nicht gegeben.

Eher durchblickt hat dies das Team Heinz Fischers. Das hat mit seinem Fallschirmsprung-Video ein virales Video geschaffen, das seiner neuen Website, gelauncht am Nationalfeiertag, hohe Zugriffszahlen gebrachten haben dürfte. Auf Kritik, vor allem im Hinsicht auf die Kosten zu einer Zeit, in der überall gespart wird, hat allerdings niemand reagiert (sollte ich mich irren, bitte ich um ein Kommentar mit Link). Es war auch ein denkbar schlechter Zeitpunkt für den Launch des Ballhausplatz 2.0. Und am Ziel, Strache zu übertreffen was Fans betrifft, dürfte Faymann auch bereits jetzt gescheitert sein.

Foto: Screenshot bundeskanzler.at

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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