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Stephen Malkmus and the Jicks – Mirror Traffic

Pavement sind wieder bei den Akten gelandet, der Slacker König der 90er macht lieber mit den Jicks für sein fünftes Quasi-Soloalbum weiter. Mit Beck am Produzentenstuhl wird wieder gegniedelt was nur geht, obwohl die Progkeule diesmal weniger drastisch geschwungen wird. Wenig verwunderlich: Hier gibt es massenweise neue Malkmus Lieblingssongs für die Ewigkeit.

Nicht wenige werden es Malkmus übel genommen haben, dass er nach den vielumjubelten und tatsächlich sensationellen Pavement Reunion Konzerten wieder zu seiner neuen Band zurückgekehrt ist. Aber Pavement sind für Malkmus nun einmal passe, er habe keine Lust mehr darauf, Songs im Spielraum seiner legendären alten Kombo zu schreiben. Auch gut, denn im Grunde ist es ohnedies egal, unter welchem Banner der Gitarrenmeister seine Musik veröffentlicht – ein Malkmus Song bleibt schlußendlich immer ein Malkmus Song. Paradoxerweise darf aber festgestellt werden, dass die Reunion doch eine gewisse Versöhnung mit dem eigenen Schatten gebracht zu haben scheint, denn Malkmus´Soloalben waren  nicht ausschließlich aber doch auch – wenn schon nicht eine Flucht davor – doch eine gewisse Verweigerung des eigenen Vermächtnisses. Womit nach ‚Mirror Traffic‚ aber Schluß zu sein scheint, denn mehr nach Pavement haben Malkmus und seine Jicks eigentlich noch nie geklungen.

Dabei steht ‚Mirror Traffic‚ generell unter dem Zeichen des Umbruchs. Eigentlich sollte die mittlerweile auch schon fünfte Platte nach Pavement als ‚L.A. Guns‚ erscheinen, was eine gewisse Glam Metal Band aus den 80ern dann doch nicht so gefreut hätte. Zudem verabschiedete sich die ehemalige Sleater Kinney Schlagzeugerin Janet Weiss nach den Aufnahmen wieder aus dem Bandgefüge, um mit Wild Flag weiterzumachen. Und die Aufnahmen selbst? Wurden vom Indie-Scientologen Beck Hansen betreut, der nach Sonic Youth´s Thursten Moore nun schon den zweiten Gitarrenvirtuosen 2011 auf die Sprünge helfen darf – und dies mit einem klaren, nie zu sauberen Sound auch tut. Ist es nur Einbildung, oder klang Malkmus tatsächlich niemals gleichzeitig druckvoller und geschmeidiger? Im Grunde egal – das Soundoutfit sitzt jedenfalls hauteng und lässt dem Jicks Frontmann trotzdem genug Spielraum. Den nutzt Malkmus zwar nicht so freigiebig wie auf ‚Real Emotional Trash‚ – nein, keine zehn Minuten Songs diesmal! – aber so ganz kann der Mann das Frickeln, das Improvisieren und Proggen halt doch nicht lassen.

Da legt der Opener ‚Tigers‚ schonmal falsche Fährten, denn immer will ‚Mirror Traffic‚ nicht in unter zweieinhalb Minuten ins Ziel sprinten und dabei auch noch quasi im Alleingang den Sommer retten – mit Killermelodie und breitem Grinser im Gesicht. Auch, wenn er das mit dem unwerfenden Hit ‚Forever 28‚ dann noch einmal ähnlich macht. Und dazwischen auch immer wieder, nur eben ein paar mal um den Block schlendert, ehe er dort ankommt, wo Malkmus hin möchte. ‚No One Is (As I Are Be)‚ tauscht als wunderbares folkiges Akkustikgeplänkel jede Euphorie gegen entspannte Zurückhaltung in der dann sogar noch Bläser mitdösen dürfen – ‚Seachange‚ galore! ‚Brain Gallop‚ zollt Malkmus Hang zur Zügellosigkeit Tribut und gniedelt sich zum feuchten Jam-Traum, während ‚Spazz‚ gleich mit tieftönenden Männerchor Richtung Epos abbiegt, obwohl man sich dafür gerade einmal 2 Minuten und 38 Sekunden gönnt. Kürzer wirkt da fälschlicherweise nur der rücksichtslose Gute-Laune Punkpowerpop von ‚Tune Grief‚. Und dazwischen blitzt eben immer wieder Malkmus Vergangenheit mit Pavement auf. Nichts außergewöhnliches eigentlich, nur weniger distanziert hat Malkmus seine alte Band dann eben doch nie verleugnet:
Das Duo ‚Long Hard Book‚ and ‚Share The Red‚ wirken wie direkt von ‚Brighten The Corners‚ ausgeborgt, das aufgekratzte ‚Senator‚ würde auch auf weiter retour datierten Platten nicht aus der Reihe tanzen. Wäre ‚Jumblegloss‚ mehr als ein Interlude, hätte Nigel Godrich seinerzeit zustimmend genickt. Und mit ‚All Over Gently‚ hätte ‚Crooked Rain, Crooked Rain‚ gar ein Highlight mehr gehabt.

Ist die erste Platte nach der Pavement Reunion somit gar die beste seit dem Pavement Ende? Nicht unbedingt, aber möglicherweise und eventuell sogar wahrscheinlich. Malkmus und seine Jicks machen es jedenfalls schwer, nicht in Superlative zu verfallen. Manch einer mag die wirklich exzessiven Jamausritte vermissen, geboten wird dafür die knackigste Songsammlung des Slackerkings. 15 Songs ohne jeglichen Ausfall muß man erst einmal hinbekommen, mit mehr Hits auf einer Platte hat selbst Malkmus das auf seiner blütenweißen Veröffentlichungsweste noch nicht geschafft. Und das auf stimmige Art zerfahren und derartig unangestrengt und quasi im Vorbeigehen, wie eben nur Malkmus das kann. Quasi ein Rundgang durch sein bisheriges Schaffen, am Riemen gerissen und doch nicht vollends auf Weiterentwicklung verzichtend.  Im Grunde alles beim alten im Hause Malkmus, nur eben noch ne Spur besser. Und mal ehrlich: Bei derartigen Veröffentlichungen – wer will da noch ernsthaft einen Groll darüber hegen, dass Pavement wieder bei den Akten gelandet sind?

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