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SuperHeavy – SuperHeavy

Darauf hat die Welt gewartet: Mick Jagger, Dave Stewart, A. R. Rahman, Joss Stone und Damian Marley haben eine Supergroup gegründet, die klingen soll, wie nichts anderes da draußen. Das darf man unkommentiert stehen lassen und sollte froh sein, dass nicht mehr Bands eine derart aufgesetzte Mischung aus Raegge und Rock mit Weltmusikanstrich spielen: Als hätte man sich in den 80ern Zukunftsmusik ausgemalt.

Dave Steward, seines Zeichens Eurythmics Hälfte und sagenumwobener Bob Dylan Spezi hatte einen Traum: Musikstile unterschiedlichster Couleur miteinander zu vereinen und dabei etwas vollkommen neues zu erschaffen. Um diese bahnbrechende Idee umzusetzen, begann der Popmeister allerlei Superstars um sich zu trommeln: Aus der Rockecke rief er Rolling Stones Cheflippe und Pensionsverweigerer Mick Jagger herbei; für den Soul sorgt die erst unlängst den x-ten Neuanfang wagende Joss Stone; aus Jamaika kam „Jr. Gong“ alias Damian, der jüngste Sohn von Bob Marley und der ehemaligen Miss World Cindy Breakspeare angerauscht; und der Typ vom ‚Slumdog Millionaire‚-Soundtrack (hierzulande unbekannt als der indische Musiker A.R. Rahman) stieß eher zufällig zum Projekt. Gesagt, getan: SuperHeavy bringen die Globalisierung in die Musikwelt.

Die dazugehörigen Songs seien praktisch von selbst ohne Mühe entstanden, 35 Stunden Material hat die Band aufgenommen und bringt nun die besten 53 Minuten davon auf Tonträger raus – optional dazu gäbe es noch vier weitere Songs auf der Deluxe Edition. Was angesichts des angeblich reichlich vorhandenen Materials überrascht, ist die Tatsache, wie wenig breitgefächert sich die Platte schlußendlich tatsächlich gibt. Über einen Großteil der Spielzeit lässt sich ‚SuperHeavy‘ als überproduzierte Raggaeplatte mit Marley in der uneingeschränkten Hauptrolle zusammen fassen, bei der Joss Stone exaltiert den weiblichen Aufputz spielen darf und Mick Jagger immer mal wieder jugendlich frech in den Song platzt. A.R. Rahman kommt aus der Statistenrolle dabei selten raus, muß im Hintergrund exotische Einsprengsel liefern. Und Dave Steward? Macht sich praktisch zu keiner Zeit bemerkbar. Abgesehen durch sein zu wohlwollendes Händchen am gemeinsam mit Jagger bestrittenen Produktionsprozess, was die nicht vollkommen geschmackssicheren 80er-Soli in ‚Rock Me Gently‚ oder ‚Energy‚ erklären könnte.

Ausnahmen bestätigen nur die Regel: Die poppige Sommersingle ‚Miracle Worker‚ etwa richtet den Spotlight auf Joss Stone und deren exaltierte Gesangskünste, während Jagger den frivol aufgedrehten Springteufel gibt. Für ‚Never Gonna Change‚ reißt der Altrocker das Zepter widerstandslos an sich, schmettert eine gefühlvoll gemeinte Ballade in ambitionierter ‚Wild Horses‚ Manier. ‚One Day One Night‚ gaukelt weitgereiste Kosmopolität vor, lässt Jagger vor entspannten Beat croonen, das Piano klimpert relaxt vor sich her, bevor die Fidel sparsam indische Alibieinflüsse ankündigt und der Song dann doch lieber auf westliche Stadionrockplattheit und Band Aid-Theatralik setzt. Wirklich präsent darf sich A.R. Rahman aber ohnedies nur einmal zeigen, unschwer zu erraten wann: ‚Satyameva Jayathe‚ bringt Bollywood Dramatik vor Raggae Beats – die eben irgendwo immer ihren Zugang zu dieser Platte finden und mal stärker (‚Superheavy‚), mal schwächer (etwa im wunderbar zurückgenommenen Albumhighlight ‚I Don´t Mind‚ -) zum tragen kommen und meist konsequent die Richtung vorgeben.

Im Grunde mutet ‚SuperHeavy‚ über weite Strecken an, wie eine offene Damian Marley Platte mit prominenten Gaststars. Was per se ja keine schlechte Sache sein müßte. Schlußendlich krankt das Album der fünf Mehr-oder-minder-Stars aber schlicht am vorhandenen Songmaterial. Das dümpelt zwischen eingängiger Beliebigkeit, erzwungener Stadionattitüde und unzeitgemäßer Rückständigkeit umher. Keine Frage: In den 80ern wäre das der heißeste Scheiß gewesen, 2011 wirkt ‚SuperHeavy‚ uninspiriert und wie ein Relikt aus der Vergangenheit, das verdeutlicht, dass die federführenden Beteiligten ihre beste Zeit längst hinter sich haben und die restlichen Anhängsel zuwenig musikalische Bedeutung haben, um etwas daran ändern zu können. Zusätzlich fügen sich die unterschiedlichen Stile auch zu selten zu einem wirklich überzeugenden Amalgam zusammen, sondern treten brav nacheinander auf. Was ‚SuperHeavy‚ phasenweise gestelzt und verkrampft erscheinen lässt. Gelegentlich nur blitzt das theoretische Potential dieser Band durch. Dann bemerkt man den Spaß, den die Beteiligten hierbei anscheinend hatten. Auf Albumlänge geschieht dies aber viel zu selten, um in ‚SuperHeavy‚ mehr zu sehen, als einen geschickten Marketingschachzug. Aber bei 35 Stunden aufgenommenen Materials wird man wohl bald wieder etwas von dieser Supergroup hören.

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