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Taking Back Sunday – Taking Back Sunday

Weil seit ‚Tell All Your Friends‘ zwar die Verkaufszahlen bei jedem neuen Album stetig nach oben steigen, die Originalität/Qualität der Alben seit dem Debütalbum da aber nicht unbedingt mithalten kann, erinnert man sich in New York seiner Anfänge. Aber ist der kürzeste Weg zum bahnbrechenden Erstlingswerk ein Album vom Original Line-Up?

Dabei kommt es einem vor wie eine Ewigkeit, als Taking Back Sunday 2002 mit einem Knall die Emocore Szene betraten und seitdem zu verlässlichen Hitlieferanten mutierten. Ihr guter Ruf begründet sich dabei in erster Linie immer noch auf das fabelhafte Debütalbum. Freilich war ‚Tell All Your Friends‚ im Grunde nichts weiter als die zugänglichere Aufarbeitung von einer Stilrichtung, der Thursday ein Jahr zuvor mit ihrem Meisterwerk ‚Full Collapse‚ die Initialzündung verpassten. Nichtsdestotrotz waren das Songs, die berührten, die mitrissen, die sich festsetzten. Denn auch heute noch ist ‚Tell All Your Friends‚ eine unheimlich kompakte Hitsammlung, die wenig von ihrem Reiz verloren hat.
Was folgte, war die beinahe logisch anmutende Entwicklung dieser Band, auch wenn sie zwangsweise geschah: Gitarrist und Zweitstimme John Nolan sowie Bassist Shaun Cooper verließen Taking Back Sunday Richtung Straylight Run, um weniger geschäftsträchtige Musik zu machen. Als Konterpart zu Bandchef Adam Lazzara wurde deswegen Fred Mascherino ins Boot geholt, es folgten steigende Absatzzahlen mit stärker Richtung Alternative Rock schielenden Alben sowie der unabdingbare Wechsel zum Major. Soweit schien für Taking Back Sunday trotz anhaltender Ausverkaufsvorwürfe die Sonne – bis auch Mascherino aus dem Bandgefüge wegbrach und mit Interimsgitarrist Mathew Fazzi das schwächelnde Umbruchwerk ‚New Again‚ eingespielt wurde. Insofern war Handlungsbedarf gegeben.

Soviel zur Vorgeschichte des selbstbetitelten, mittlerweile fünften Taking Back Sunday Albums, an dessen Ende quasi wieder der Anfang steht. Denn nach neun Jahren kehren Cooper und Nolan zurück, auch um dem durchkalkulierten Rock der New Yorker wieder mehr Seele einzuhauchen.
Was auf ‚Taking Back Sunday‚ jedoch (noch?) nicht so Recht gelingen will, schlägt Nolans Beteiligung am Songwriting doch weitaus weniger stark zu Buche, als man das hätte annehmen oder gar hoffen dürfen. Denn ‚Taking Back Sunday‘ weiß zwar um seine Anfänge Bescheid, weigert sich jedoch vom eingeschlagenen Weg der letzten Alben abzukehren. Im Klartext heißt das: Nolan spielt hier in erster Linie Gitarre, darf hin und wieder aus der zweiten Reihe schreien, fügt sich ansonsten aber brav in den auf die Fangruppen maßgeschneiderten Alternative Rock der Band ein, dezente Emocoreauswüchse und Screamosprengsel inklusive. Lazzara nimmt dazu weitestgehend Abstand von dem in jüngster Vergangenheit gepflegten Gesangsstil – eine der wenigen Zugeständnisse an alte Tage.

Die gibt es auch am Produzentensessel. Wie beim Zweitwerk ‚Louder Now‚ hockt dort Eric Valentine, der genau weiß, wie man einer Band einen druckvollen, fetten Sound verpasst – auch wenn das zugunsten der Tiefenschärfe stattfindet. Wobei es Taking Back Sunday auf diese ohnedies nicht gar so angelegt haben. Denn im Grunde ist ‚Taking Back Sunday‘ vor allem wieder eine unverschämt eingängige Hitsammlung geworden. Hier reiht sich eine potentielle Single an die andere, der Ohrwurmfaktor ist hoch wie vielleicht nie. Das mimt hier den Ausbruch in härtere Gefilde (der Opener ‚El Paso‚ führt gleich mal auf eine falsche Fährte) und nimmt sich da zurück (im poppigen Schunkler ‚Sad Savior‚ etwa), bleibt ansonsten aber gefälliger Radiorock, ermüdend „in the middle of the road“. Da balgen sich vor allem  ‚Faith (When I Let You Down)‚ und ‚Who Are You Anyway‚ um den Platz als potentiell meistverkaufte Single der Band, während ‚Best Places To Be A Mom‚ reklamieren darf, der beste Song der Band seit langer Zeit zu sein. Was konkret aber wenig daran ändert, dass ‚Taking Back Sunday‚ ein aufdringliches Hitfeuerwerk ist, dem es schlußendlich leider an Substanz fehlt. Dem man eher Kalkül als echte Emotionen anhört. Mag sein, dass Lazzara und Nolan erst wieder zueinander finden müssen. Bis dahin lenken sie zumindest mit dem wahrscheinlich schmissigsten Werk ihrer Kariere ab.

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Comments (2)

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  2. Pingback: Taking Back Sunday - Tidal Wave - HeavyPop.at 20. September 2016 […] selten orientierungslos. Spätestens (und ausgerechnet!) die beiden „Reunion„alben Taking Back Sunday und Happiness Is schienen die mit ihrer eigenen Vergangenheit überfordert wirkenden einstigen […]

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