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The Black Dahlia Murder – Ritual

Große Töne im Vorfeld: für Ritual versprach Strnad 12 Songs, die The Black Dahlia Murder auf den Punkt bringen wie nichts davor und den Melodic Death Metal der Band in reinster Form kanalisieren.

Was natürlich schon insofern Schwachsinn oder zumindest  promotionsbedingte Phrasendrescherei ist, als dass bisher jedes The Black Dahlia Murder Album die quasi die Quintessenz der Band aus Michigan darstellt: Srnard, Eschbach und Co. Haben die Death Metal Szene 2003 mit einem Knall betraten und schon damals ihr eigenes Revier abgesteckt. Neben dem technische unglaublich versierten Gebolze der Band mit dem Hang zur Melodie und Soli war da immer schon Srnard’s Trademark Gesang, der zwischen gepressten Gequicke und markerschütternden Growls beliebig hin und her wechselt und allein dadurch The Black Dahlia Murder einen unverkennbaren Stempel aufdruckt.

Insofern ist es natürlich auch bei ‚Ritual‘ zulässig,  von einem auf die Bandqualitäten fokussierten Werk zu sprechen. Fakt ist aber eben auch, dass The Black Dahlia Murder bereits vier solcher Werke abgeliefert haben –  und dass in konzentrierterer Form. Denn mit 45 Minuten Spielzeit ist Ritual das die Spielzeit betreffende am längsten ausgefallene Album der Band, keine einzige davon beschmutzt deren makellose Diskographie.
Dazu bauen The Black Dahlia Murder auf ‚Ritual‚ aus, was bereits Vorgänger ‚Deflorate‚ von den ersten drei Alben der Band unterschied:

Das Tempo wird marginal nach unten korrigiert, rast zwar immer noch im roten Bereich, lässt aber mehr Melodien zu, als jedes The Black Dahlia Murder Album bisher. Dazu darf sich Ryan Knight ins Songwriting einbringen und bereichert die Songs um einige bisher ungekannte Facetten. Womit allerdings weder das prollig amüsante “Hey-Hey“-Mitgröhloutro im Ausfall ‚On Stirring Seas of Salted Blood‘ gemeint ist, noch der imposante Orchestereinstieg in die Schlachtplatte ‚A Shrine To Madness‘, dessen herrlich dezent inszeniertes Dacapo für das Albumhighlight ‚Blood in the Ink‚ oder die Pianosprengsel in ‚Carbonized in Cruciform‚.
Viel eher geben sich The Black Dahlia Murder technisch noch versierter und vertrackter. Knight fügt sich besser in den Gesamtsound der Band ein, wirkt nicht mehr so deplaziert wie er es auf ‚Deflorate‚ stellenweise noch tat. Aber so sehr Knight das technische Niveau der Band noch einmal hebt, stellt sich doch wieder die Frage, ob er tatsächlich der richtige Mann in kreativer Hinsicht ist. Nichtsdestotrotz spielen The Black Dahlia Murder tight wie eh und je, allein schon Shannon Lucas Wahnsinnsschlagzeugspiel lässt die Kinnlade hinunter klappen.
Was bei all der zelebrierten Melodieseligkeit auffällt: Die wirklich großen Hits der Marke ‚What a Horrible Night to Have a Curse‘ sucht man auf Ritual vergeblich, viel eher fügen sich die zwölf Stücke zu einem nahtlosen Ganzen zusammen, dessen Arrangements in Richtung Black Metal führen. Mit Metalcore hat ‚Ritual‚ jedenfalls nichts am Hut, dazu fühlt sich die Band zwischen fiesen Death Metal (‚Malenchanments Of The Necrosphere‚) und Thrash-Anleihen (‚The Raven‚) einfach zu wohl.

Dass The Black Dahlia Murder damit den auf ‚Deflorate‚ noch etwas holprig begonnen Weg konsequent und vor allem trittsicherer fortsetzen, darf man begrüßen – oder nicht. Daher die Amerikaner zwischen ‚Unhallowed‚ und ihrem Meisterwerk ‚Nocturnal‚ ihren Stil jedoch nicht nur gefunden, sondern perfektioniert haben, blieb dahingehend ohnedies kaum mehr Luft nach oben. Kleine Feinjustierung halten die Sachlage für The Black Dahlia Murder also spannend, während man der Konkurrenz wieder einmal davon brettert. Als Referenzpunkte muß mittlerweile ohnedies nur noch die Bandeigene Discographie gelten. Dass man The Black Dahlia Murder in dieser auch schon besser, weil überraschender gehört hat, fällt ob der immens hohen Qualitätslatte von ‚Ritual‚ kaum ins Gewicht, lässt Album Nummer Fünf aber die paradoxe Rolle zukommen, trotz zahlreicher kleiner Neuerungen als geradezu standartisiert-brilliantes Werk der Band durchzugehen.
Folgt man dem Veröffentlichungsmuster, darf mit dem nächsten Album wieder ein Meisterwerk erwartet werden.
Das erklärt vielleicht schon jetzt, weshalb die Band plötzlich Mönchskutten trägt und vor Pentagrammwänden sitzend vielsagend in Glaskugeln starrt.

 


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