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The Black Keys – El Camino

Der vermeintliche Schnellschuß ist eine eingängige Songsammlung mit Hitappeal geworden, die dort ansetzt, wo Dan Auerbach, Patrick Carney  und Produzent Danger Mouse mit dem Durchbruchsalbum ‚Brothers‘ aufgehört haben – mit allen Vor- und Nachteilen.

Die Discographie der beiden Bluesmänner kann man getrost in eine Zeitrechnung vor und nach Danger Mouse einteilen. Fakt ist: seit der brilliante Produzent und Musiker für ‚Attack & Release‚ die Bildfläche betreten hat, klingen The Black Keys nur mehr am Rande wie die dreckig rumpelige Bluesgaragecombo, an die man zwischen ‚The Big Come Up‚ und ‚Magic Potion‚ sein Herz verloren hat. Der Schmutz wurde gegen Hochglanz getauscht, die Produktion immer fetter, die Melodien poppiger,der Blues souliger. Eine Entwicklung, die auf ‚El Camino‚ ihren vorläufigen Höhepunkt findet.

Die Vorabsingle ‚Lonely Boy‚ hat es vorgemacht: Mag das Grundgerüst auch immer noch aus den tighten Rhytmen, den simplen Gitarrenlinien und den stramm sitzenden Melodien bestehen – die zwei Mann Blues Army marschiert mittlerweile vor souligen Chören einher, die wärmespendende Orgel vermisst man nur bis zum darauf folgenden ‚Dead and Gone‚. Dass The Black Keys auf ‚El Camino‚ ohne Umwege in die Gehörgänge wollen, wird durch all die stampfenden Beats nicht erschwert und hat im Selbstplagiat ‚Hell of a Season‚ (könnte eigentlich auch ‚Lonely Boy Part 2‚ heißen) schon beinahe etwas dreistes. Was man dem Album mit dem Chrysler Minivan am Cover anfangs nicht übel nimmt. Denn man muß es schon zugeben: Das Händchen für gute Melodien, für eingängige Hooklines haben die Black Keys behalten – doch die wirklich großartigen Songs bleiben ‚El Camino‚ ausgesparrt. Zu oft begnügen sich Carney und Auerbach mit „nur“ guten Songs, die Magie alter Tage sucht man auf dem siebten Studioalbum der Band nahezu vergeblich.

Was zum Großteil abermals der Produktion zuzuschreiben ist. Danger Mouse schleift auch auf dem dritten gemeinsamen Album weitestgehend alle Kanten ab, poliert den Sound der Band zu einem wenig fordernden Album, dass seinen Garagerock längst gegen eingängigen Soulpop getauscht hat. Das mag schnell begeistern, ist nicht nur aufgrund seiner eleganten Länge von 37 Minuten verdammt kurzweilig und unterhaltsam, nützt sich jedoch auch ernüchternd schnell wieder ab. Dass ein Song wie ‚Gold on the Ceiling‚ schon nach wenigen Sekunden den Pfad wahrer Bluesgröße verlässt und sich stattdessen sofort wieder dem mittlerweile gängige Raster verfällt, tut weh. Wie auch dass das grundsätzlich tolle ‚Little Black Submarines‚ Potential verschenkt. Und wenn ein schmutzig gemeinter Rocker wie ‚Sister‚ die Füße einschlafen lässt, stimmt grundsätzlich etwas nicht. The Black Keys sind zu berechenbar geworden – nett und eingängig ist hier gleichbedeutend mit nicht mitreißend.

The Black Keys gehen den noch auf ‚Brothers‚ (nicht nur textlich – geht es inzwischen nur noch um Wohoho´s und Girlfriends?) gehaltvoller inszenierten Weg unbeirrt weiter, übersehen jedoch offenbar, dass dieser Richtung Beliebigkeit führt. ‚El Camino‚ ist der verlängerte Arm seines Vorgängeralbums und die perfekte musikalische Umsetzung jener Band, in die sich die amerikanischen Charts und Awardkometees letztes Jahr verliebt haben. Nach dem angekündigten Cramps-,Black Sabbath– oder The Clash- Spirit wird man vergeblich suchen, schlußendlich nur eine weichgespültere Version der bisherigen Black Keys Werke finden. ‚El Camino‘ enttäuscht, ist jedoch noch davon entfernt auch tatsächlich ein schlechtes Album zu sein. Ob man Carney und Auerbach allerdings noch tiefer im wenig originellen, radiotauglichen Bluesrock hören möchte, darf man sich spätestens jetzt fragen.

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Comments (3)

  1. El Camino1. Dezember 2011 Antworten
    Vielen Dank für diese wirklich sehr trefende und gute Kritik!
    Trotz der Beteiligung von „Danger Mouse“ halte ich „Attack & Release“ mittlerweile für ein gutes Album, auch auf „Brothers“ finden sich noch ein paar gute Lieder wie „Ten Cent Pistol“ oder „Too Afraid To Love You“.
    Nachdem ich nun „El Camino“ mehrmals gehört habe muss ich sagen, dass es meiner Meinung nach das mit Abstand schwächste Album der „Black Keys“ ist.
    Natürlich habe ich schon vorher damit gerechnet, dass hier kein Blues mehr vorhanden sein wird, aber die Vorabveröffentlichung von „Lonely Boy“ und „Run Right Back“ machte mir wieder Hoffnung auf ein gutes Album. Aber wie sich nun herausstellte sind dies auch die beiden einzigen Lieder, die mir gefallen. Schade. Ein wenig besser als die teilweise sogar anstrengend zu hörenden, mit Studioeffekten überladenen und mainstreamigen restlichen Lieder ist Little Black Submarines. Aber – wie bereits in der Kritik geschrieben – wird hier nach der durchaus gelungenen ersten Akustikhälfte Potenzial verschenkt. Denn das anschließende Solo klingt schwach und drucklos, die Gitarre verschwindet beinahe hinter all den Effekten.
    Naja, dann erfreue ich mich weiterhin an der bisherigen Diskographie und lasse mich überraschen, wie das nächste Album klingt.
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