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The Bony King of Nowhere – Eleonore

Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, der Herbst sich dem Winter zuneigt und gerne einmal Schwermut Einzug im Leben hält – für diese Zeit gibt es Platten wie ‚Eleonore‘: Unaufdringlich melancholischer Singer-Songwriterfolk.

Wenn Bram Vamparys alias The Bony King of Nowhere in ‚The Garden‚ seine Stimme erhebt und beinahe befreit in die Welt hinausfistelt „Today I´ll Leave it All Behind„, dann ist das der ausgelassenste Moment seiner zweiten Studioplatte. Vamparys begleitet sich dazu wie so oft hier als sein eigener Backgroundchor, Bass und Akustikgitarre erledigen dezent den Rest und plötzlich werden die reduzierten drei Minuten zu den wenigsten trübseligen der versammelten vierunddreißig. Dabei ist es keine erdrückende Melancholie, die der 24 jährige verbreitet. Viel eher sollte man sich den Belgier wohl dabei vorstellen, wie er während des gesamten Aufnahmeprozesses schlicht das ganze Gewicht der Welt tragen musste und so dessen  Schönheit ins Gesicht blicken konnte.

Denn genau das sind die versammelten neun Songs in erster Linie. ‚Eleonore‚ hat etwas von der wohlig beheizten Holzhütte mitten im Nirgendwo, um die der grausamste Eissturm fegt. Mag es da draußen auch wenig geben, drinnen schürt sich Vamparys die Stimmung nachdenklich, berührend, herzerwärmend. Er lässt seine Band alles analog spielen und verstärkt damit das 70er Gefühl, dass ‚Eleonore‚ transportiert, obwohl hier eigentlich alles eher zeitlos gehalten wird. So schrumpft die Entfernung zwischen Belgien, England und Nordamerika ebenso zu einer relativen wie die letzten Jahrzehnte stilgerecht komprimiert werden. Wer hier Nick Drake sucht, wird auch Stills, Nash und Crosby finden. Scott Matthew offenbart sich heutzutage in seinen Songs ähnlich schonungslos, nur macht The Bony King of Nowhere die Sache noch eine Spur intimer und unaufdringlicher. Weswegen auch einzig der Opener ‚Sleeping Miners‚ außerhalb einer luziden Traumphase stattzufinden scheint, mit Schlagwerk den unglücklichen Nachsatz zu den Fleet Foxes bildet und wohl so etwas wie den Sturm vor der Ruhe darstellt.

Eleonore‚ bremst sich nach der Eingangsphase mit Ausnahme von ‚The Garden‚ beinahe vollständig selbst ein. The Bony King of Nowhere hat keine Eile, selten wirklich Hoffnung und muss nichts mit Nachdruck unterstreichen, sondern lässt die Dinge lieber gemächlich fließen. Aber dafür hat er einen ganzen Wintermantel voller umwerfend einnehmender Melodien an, die wohl allesamt eigentlich überschwänglich und jubilierend gemeint gewesen waren, dann aber eben doch nur fragend Richtung Horizont blicken können. Da gibt es Lieder wie ‚The Poet‘, aus denen andere Musiker ein Americanafest für einfühlsame Singer-Songwriter veranstaltet hätten; mit dem himmelsstürmenden Titelsong wäre eigentlich auf jedes Gesicht ein Lächeln zu zaubern gewesen, stattdessen bleiben nur Tränen für Nostalgiker. Aus Bram Vamparys heraus ist da ein Album gewachsen, dass mit angenehmer Melodieverliebtheit an den Armen nimmt und von einer besseren Welt träumen lässt. Dass ‚Eleonore‚ dabei ausschließlich in die Einsamkeit mitnimmt, ist ebenso wunderschön wie niederschlagend.

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