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The Drums – Portamento

Ein Dacapo für Sonne, Sommer und Strand im Elendssommer 2011 – The Drums schmieden, solange das Feuer noch heiß ist und verstecken bittersüße Melancholie wieder hinter guter Laune Musik: Portamento surft mit viel Reverb in den Sommer von damals.

„Damals“ war dabei gerade einmal vor 15 Monaten, The Drums inszenieren ihre Songs jedoch weiterhin als unschuldige, naiv verträumte Rocksongs aus den späten 50ern und 60ern mit reduzierten Mitteln der Moderne. Live sind die Durchstarter des letzten Sommers Dank Violens-Unterstützung zum Quintett gewachsen, im Studio macht man seit dem Abgang von Adam Kessler zu dritt weiter. Von personellem Mangel kann jedoch soundtechnisch keine Rede sein, die New Yorker Indieband hat sich einen Synthesizer besorgt und macht weiter, als wäre nichts geschehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Das schwierige zweite Album umgehen The Drums auf denkbar simpelste Art und Weise, indem sie einfach das Debütalbum noch einmal aufnehmen, mit kleinen Veränderungen im Detail. Die Vorabsingle ‚Money‚ lehnte sich bereits mit softem Synthiepunch bei Vampire Weekend an, auch ‚Portamento‚ im Gesamten schielt gerne Richtung 80er Sounds – meist äußerst dezent, in ‚Searching for Heaven‚ jedoch mit voller Jean Michelle Jarre Breitseite. Das steht Jonathan Pierce und seinen beiden Kumpels nicht übel, bringt allein aber natürlich keine komplette Kurskorrektur für die Grundausrichtung der Band. ‚Portamento‚ ist eine kurzweilige Dreiviertelstunde Surfrock per excellence geworden und The Drums reiten die Welle immer noch schmissiger und eingängiger als die Kollegen von Wavve, Surfer Blood oder Ganglians.

So direkt wie auf dem Debüt gehen The Drums allerdings nicht vor – Kompositionen dürfen auch gemächlicher zu Ohrwürmern reifen und einige Songs mehr als auf ‚The Drums‚ krepieren auf dem Weg dorthin. Das windschiefe ‚In the Cold‚ oder  ‚Please Don´t Leave‘ etwa – ein enervierend harmloser Song, der jedoch ganz gut aufzeigt, dass der Grundton der Platte düsterer ausgefallen ist und die Texte dabei noch immer um simple Herzschmerzthemen in catchy Popsongs zentriert sind. in ‚Money‚ heißt es: „I Want to Buy you something, but i don’t have the Money!“ und Pierce bringt damit die emotionale Problematik seiner Band auf den Punkt. Krachige Rocksongs haben wegen all des Herzeleids immer noch keine Lust so richtig zu krachen – Trennungsschmerz, Liebeskummer und was so alles dazugehört lasst sich eben immer noch am besten am Surfbrett kurieren, auch wenn nicht die Sonne scheint. ‚Portamento‚ bedient die Vorzüge der Band verhaltener, mit zahlreichen netten Singalongs aber diesmal ohne die alles überstrahlende Hitsingles an Bord. ‚Let´s Go Surfing‚ und ‚Down By the Water‚ hallen jedoch ohnedies noch immer nach. Dass die Band trotz dezenter Weiterentwicklung niemals wieder so gut wie auf ‚Summertime!‘ klingt, ist natürlich keine schmeichelnde Erkenntnis.

Portamento‚ ist zum gemächlichen Zwilling von ‚The Drums‘ geworden, die Unterschiede zueinander drängen sich nicht auf, sind aber deutlich vorhanden. Dass die Hitdichte des Debütalbums nicht gehalten werden kann, verschleiert die Tatsache, dass das die schwankende Qualität des Songmaterials unterm Strich ein annähernd ähnlich gelungenes Album ergibt, zumal The Drums catchy Kurzweiligkeit gegen anhaltende Langzeitwirkung einzutauschen versuchen. Anstatt zu wachsen macht es sich ‚Portamento‚ jedoch lieber angenehm gemütlich und wird Chartambitionen locker aber eindruckslos erfüllen.
Womit der Hype um die Surfrockband der Stunde weiterhin nicht verebben dürfte – neue Höhenflüge sollten jedoch vorerst ausgeschlossen werden. The Drums stecken die Eckpfeiler ihres Terretoriums mit dem Zweitwerk weiter nach außen, der beackerte Grund bleibt allerdings ein überschaubarer. Man mag sich tatsächlich vorstellen, wie die Band in zehn Jahren klingen dürfte – allzuviel Fantasie ist dafür keine Grundvoraussetzung. Kein Makel an sich, doch darf man sich schon jetzt fragen, ob Pierce auf seine eigene Band bezogen orakeln durfte: „I would never hate you, but you´re hard to love!

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