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Gorillaz – The Fall

Aus dem exklusiven Weihnachtsgeschenk für  Clubmitglieder  wird das Osternest für den Rest der Welt. Für das vierte Album der Cartoon Band experimentierte Damon Albarn mit seinen iPad. Ein elektronischer Spielplatz  als das bisher unkonkreteste Gorillaz Album.

Im Oktober 2010 befindet sich Damon Albarn mit dem Gorillaz Monstertross auf dem Weg durch Amerika. Der Tour Alltag lastet den umtriebigen Englishman offenbar nicht aus – was läge also näher, als mithilfe eines  guten Dutzend Musikapp’s ei neues Gorillaz Album aus seinem iPad zu hacken? Eben!
Gesagt, getan, besteht das vierte Album der Gorillaz somit fast ausschließlich aus elektronischen Spielerein und einigen wenigen Gastbeiträgen (Mick Jones, Paul Simonon, Bobby Womack und The Archie McPhee Yodelling Pickle) und entwickelt sich zu einem Roadtrip der Bits und Bites durch ein Amerika aus buntkolorierten Augen.

The Fall schleift zwischen gelungenen Soundspielerein und handfesten Songs willkürlich umher, jede Sekunde strahlt diesen absoluten Mangel an Leistungsdruck aus, der an dieser Fingerübung haftet. Alles kann, aber nichts muss funktionieren.
Wenn Albarn den direkten Zug Richtung konkretem Song sucht (Revolving Door, Hilbilly Man, Amarillo, Bobby in Phoenix), steht meist seine Stimme im Vordergrund und dann weiß der Brite nach über 20 Jahren im Musikgeschäft natürlich, wie er seine Stärken gnadenlos ausspielt –kurzweilige Instant Hits sind da garantiert. Dies geschieht jedoch selten, The Fall ist das entspannte Ausatmen nach drei Mammutalben in Folge, da will sich jemand auch der Erwartungshaltungen freischwimmen.

Diese umschifft Albarngrandios. Zwischen elektronischen Fippen und zurückgelehnten Beats gibt sich The Fall weniger als Gorillaz Album denn als direkter Verwandter zu Monkey:  Journey to the West und ist damit mehr entspannte Hintergrundmusik denn unaufhaltsamer Chartstürmer.  Bässe pluckern beruhigend und Effekte schweben neben Hip Hop Konstruktion  – The Fall hat es selten eilig: Hier ist der Weg ist das Ziel.
Wer eine Gorillaz Platte über deren Anzahl an Hits definiert, darf dies ruhig langweilig und unausgegoren nennen.

Damit hat The Fall auf den ersten Blick wenig, was es als Gorillaz Album per se qualifiziert. Als Nachfolger zu den Megasellern Gorillaz, Demon Days und Plastic Beach war mit einem derartigen Experiment kaum zu rechnen. Auch wenn The Fall wohl ebenfalls ein Selbstläufer wie seine Vorgänger werden wird, bedient Albarn hiermit eher eigene Fans denn auf das Gorillaz Trademark konditionierte Trendkäufer. Doch auch gerade dass die gefeierte Millionenband ein derartiges Album raushaut, hebt das vierte Album der Zeichentrickfiguren von der ambitionierten Technikspielerei zum sympathischen Easy Listening am Datenhighway. Zudem haftet auch The Fall wieder dieser ganz eigene Charme jeder Albarn Arbeit an. Viel falsch machen kann dieser Mann offenbar wirklich nicht.
Allein deswegen wäre es schon schade gewesen, hätte man The Fall weiterhin bloß auf digitalen Weg bekommen und der Allgemeinheit vorenthalten.

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Comments (2)

  1. Pingback: Rocket Juice & The Moon - Rocket Juice & The Moon - HeavyPop.atHeavyPop.at 3. April 2012 […] ‘Mali Music’, ‘Kinshasa One Two‘ und dem Gorillaz Experimentalwerk ‘The Fall‘ tun, sich die prägnante Tony Allen Magie hinzudenken und adäquate Nachfolger für […]

  2. Pingback: Gorillaz - Humanz - HeavyPop.at 1. Mai 2017 […] Genre-Vermengung, während sich die Gorillaz eigentlich bereits über Plastic Beach und The Fall zudem immer weiter von ihren Ausgangsideen im eigenwilligen Pop entfernten. Wenn man bei Deltron […]

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