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The Flaming Lips with Lightning Bolt – The Flaming Lips with Lightning Bolt

Die Flaming Lips sind endgültig im Niemansland zwischen Noisepop und Wahnsinn angekommen: mit den zwei Weirdos von Lightning Bolt ziehen die Freaks um Wayne Coyne durch noiseverhangene Extremlandschaften. Regeln und Konventionen gibt es dort keine, hier herrscht psychedelische Experimentierwut.Songstrukturen kennt die Kollaboration zwischen den Flaming Lips und Lightning Bolt deswegen nur noch vom Hörensagen: alleine der erste Song ‚I´m Working at NASA on Acid‚ schlägt in seinen 8 Minuten mehr Hacken als andere Bands auf ganzen Alben. Was als schrammeliger Gitarrenpop beginnt, mutiert zu monströs getriebenen Geschwindigkeitsrock mit Chippendale in der Hauptrolle und derart viel Delay und Feedback, dass die Boxen förmlich zu explodieren drohen, ehe sich aus dem Wahnsinn unkontrollierte Geräuscheskapaden schälen und verspulter Drone schlußendlich wieder zum Schrammelpop zurück findet. Ja, ‚Race for the Prize‚ war einmal – Titeln wie ‚I Want To Get High But I Don’t Want Brain Damage‚ oder ‚I Want To Get Damaged But I Won’t Say Hi‚ sollten eigentlich alles sagen. Konventionen: Fehlanzeige.

Die haben die Flaming Lips ohnedies längst über Bird geschmissen – sofern es für die größenwahnsinnigen Popwissenschaftler so etwas je gegeben hat. Nach ihrem kreativen Rundumschlag ‚Embryonic‚ hat man jedoch offenbar ein neues Level der Produktivität erreicht, dass Pink Floyd Coveralben gemeinsam mit Henry Rollins und Peaches ebensowenig ausschließt wie Kollaborationen mit Neon Indian und Veröffentlichungen in Form essbarer Gummitotenschädel, durch die man sich erst durchfuttern muß, um zum Datenträger zu gelangen. Was für eine Band, die sowas auch schon in Form menschlicher Föten gebracht hat, ja beinahe normal ist. Dass die Geschwindigkeitsfreaks von Lightning Bolt – wohl am besten bekannt für Brian Chippendales völlig außer Kontrolle laufendes Highspeed Drumming – nun bei einer gemeinsamen Spinnerei mitmachen dürfen, passt also schon. Vor allem, da man brüderlich teilt, die Flaming Lips das Zepter bei den ersten beiden Songs (die tatsächlich die besseren sind, da hier alles gewollter und auch gekonnter klingt) halten und dieses für die restlichen beiden brav an das Duo aus Providence weiterreichen.

Chippendales exzessives Schlagzeugspiel bricht deswegen am deutlichsten zu Begin von ‚NASA’s Final Acid Bath‚ hervor. Ab diesem Zeitpunkt merkt man auch erst, dass Coyne die beiden Bands eigentlich geradezu zugänglich durch die zwei von ihm gesteuerten Songs gesungen/gegrölt hat und wie experimental das eigentlich noch sein kann, wenn sich der Songkleister vollständig zu lösen droht. Egal, hier läuft ohnedies alles aus dem Ruder: Feedbackflächen kollidieren mit psychedelischer Maßlosigkeit; die Amps drönen bis die Ohren rauschen und das Hirn blutet. Vier Songs, auf geradezu absurde Weise um die Ecke gedacht und dabei so düster, wie das Wayne Coyne´s knallbuntes Hirn nur zulassen. Ob da gerade wirklich Melodien nebeneinander her gelaufen sind, kann man nachher nicht mehr sagen. ‚The Flaming Lips with Lightning Bolt‚ ist grell, bunt und so verschroben wie das Cover einem weiß macht; so verrückt wie es beide Bands immer schon waren und derartig freakig, dass es beinahe weh tut. Diese trippigen 23 Minuten sind im Grunde ziellos, enervierend und fragwürdig. Und wie das mit den Flaming Lips so ist: Trotzdem oder gerade deswegen unglaublich berauschend, abgefahren, bewusstseinserweiternd und in machen Momenten einfach die geilste Musik der Welt.

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Comments (1)

  1. Pingback: The Flaming Lips and Heady Fwends - The Flaming Lips and Heady Fwends - HeavyPop.atHeavyPop.at 22. April 2012 […] mit dem Dreier ‘I’m Working at NASA on Acid‘ (außerordentlich ruhige Minuten mit den Noiserock Derwischen Lightning Bolt), das mantraartige ‘Do It!‘ (Beatles Fans freuen sich über einen auftritt von Yoko Ono […]

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