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The Horrors – Skying

Die dritte Platte bringt die zweite Neuausrichtung für die Engländer: ‚Skying‘ präsentiert The Horrors als luftige Synth-Pop Band.  Hat man zwar so vermutlich schon im Plattenschrank, ganz unsympathisch ist das aber definitiv nicht.

Die Eckpfeiler für The Horrors und ihre Musik haben sich also abermals verschoben. Ein Szenario, das man kennt. Führte doch schon der Weg ihres Debütalbums ‚Count in Fives‚  zum Zweitwerk ‚Primary Colours‚ von Gothrock – mit unverschleierter The Cramps Attitüde und teilweise dreisten Hits (Der Titelsong kennt zum Beispiel laut Credits ‚My Brother, The Man‚ bis heute nicht…!) –  weiter in die 80er zu einer klaren Waveplatte, die man wohl am liebsten unter dem Namen Joy Division veröffentlicht hätte.
Die anhaltende Reise führt The Horrors zwei Jahre später zum nächsten Etappenziel. Musikreferenziell sind jedoch kaum Jahre ins Land gezogen, Joy Division sind auch noch nicht vollends aus dem Kopf,  die selbe Platte haben die Engländer dennoch nicht noch einmal aufgenommen.

Skying‚ trifft es dabei nicht unübel, der dunkel drückende Wave des Vorgängers ist einer luftigen, traumwandlerischen Version von Synth-Pop gewichen, der seine Vorbilder nach wie vor in den 80ern findet. David Bowie, The Cure und  The Curch scheinen sich für ‚Skying‚ die Klinke in die Hand zu drücken und tanzen unter der Ägide der ehemaligen U2 Angstgegner Echo and the Bunnymen, deren Definition von Popmusik hier derart ungefiltert aus jeder keyboardgetränken Komposition fließt, dass man beinahe von Leichenfledderei sprechen müsste – wäre Ian Mc Culloch nicht immer noch aktiv. Da es den eklektischen Resteverwertern The Horrors jedoch abermals gelingt, aus Bekanntem ein gar nicht so uncharmantes Album zu basteln: was soll man ihnen da großartig vorwerfen?

Was jedoch jetzt nicht das wiedereinmal vollkommen abgeänderte – weil an die neue Attitüde -angepasste Styling der Band meint, welches man auch auf den gekünstelt psychedelischen, aber passend farbenfrohen Promofotos bewundern kann. Sondern dass etwa Sänger Faris Badwan sein Organ pflichtbewusst dahingehend trainiert hat, die Songs die meiste Zeit mit einer Beiläufigkeit auszustatten, als wäre er zu sehr mit anderen Leiden behaftet um sich vollends auf den Gesang konzentrieren zu können, nur um im rechten Moment dann doch mit genug Leidenschaft ins Mikrofon zu schmachten, als gälte es,  ganze Polkappen schmelzen lassen zu wollen.  Die restliche Band tut dazu ihr übriges: die Gitarren schneiden hart aber herzlich, dass jedoch weit im Hintergrund, weil der Bass selbst noch vorm Schlagzeug spielt und wenn der Synthie wabbert (also so gut wie immer) ohnedies alles andere hinten nach kommt. Da ändern auch die zwei gar nicht mal unpassenden, im Grunde genommen sogar herausragenden Ausflüge der Band in den Krautrock (‚Moving Further Away‚ und ‚Oceans Burning‚) nichts: Skying ist eben durch und durch eine genretreue Synth-Platte geworden, wie sie The Killers niemals so ungestelzt hinbekommen haben. Die in den besten Momenten kaum greifbare, anachronistische Hits wie ‚You Said‚ zu Stande bringt und mit dem unaufdringlichen Bläsereinsatz in ‚Still Life‚ gar epochale Dramatik andeutet. Das geht niemals daneben, auch in den unverschämt eingängigen, aber zu offensiven ‚I Can See Through You‚ und ‚Monica Germs‚ nicht, welche die Ausfälle auf einer tiefpunklosen Verneigung der 80er im Allgemeinen und Echo and the Bunnymen im Speziellen darstellen.

Skying‚ ist zwar meist geradezu dreist uneigenständig – macht mit rundum gutem Songwriting aber niemals den Fehler materialtechnisch einzuknicken. Da darf also nicht nur wer am Puls der Zeit bleiben möchte ein Ohr riskieren, auch wenn der Weg zum Plattenladen weiter ist, als der zum Plattenregal. Wer und was The Horrors hinter der immer wieder neu aufgerollten Fassade tatsächlich sind – dieser Frage kann und will auch ‚Skying‚ keine Antwort geben, sondern bestenfalls ein Fragezeichen hinzufügen. Von einer gewissen Identitätslosigkeit einmal abgesehen, muss das aber nicht weiter stören – da sich die fünf Engländer offenbar überall wie zuhause fühlen können. Bis zum nächsten stilistischen Hackenschlag zudem mit gesteigerter Halbwertszeit.

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Comments (1)

  1. Pingback: The Horrors - V - HeavyPop.at 22. Oktober 2017 […] vor Augen in den 80ern nie geschrieben hat, viel mehr aber doch wie der würdige Nachfolger zu Skying, der das gute, aber auch halbgare Luminous nicht gänzlich sein […]

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