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The Kooks – Junk of the Heart

The Kooks liefern den Soundtrack für eine Spazierfahrt ins Grüne. Die Engländer geben sich auf Album Nummer Drei reichlich Mühe mit ihrem Gitarrenpop und klingen nicht selten bemüht gut gelaunt. Was auf  ‚Junk of the Heart‘ nun Licht und was Schatten ist, lässt sich allerdings schwerlich konkretisieren, denn schlußendlich ist das alles bloß….nett. Und irgendwie einfach egal.

Was die erste Single ‚Junk of the Heart (Happy)‚ nicht vollends von sich behaupten konnte, warf diese doch spätestens zum Refrain jeglichen guten Geschmack über Bord und mutierte zum massiv nervenden Popärgernis. Die auf den als Opener gesetzten Song folgenden 32 Minuten machen dabei weniger falsch als die Comebacksingle, jedoch nicht bedeutend viel besser.‘Junk of the Heart‚ positioniert sich unweit des banalen schlußendlich relativ egalen Zweitwerks ‚Konk‚ und damit weit entfernt vom unheimlich charmanten Debüt ‚Inside In/Inside Out‚. Dabei hauen sich Luke Prichard, Hugh Harris und die neu aufgestellte Rhytmusabteilung der Band so richtig ins Zeug, um die Sache so abwechslungsreich als möglich zu gestalten.

How´d you Like That‚ borgt sich deswegen ‚Float On‚ von Modest Mouse aus und mutiert zu einem netten Popschunkler, der es sich nicht verkneifen kann, seinen Refrain über Gebühr zu beanspruchen. Das folgende ‚Rosie‚ will da in diesem schon braver aufs Gaspedal steigen, und bringt mit seiner Mischung aus Soul und Feel-Good-Rock erstmals tatsächlich ein Lächeln aufs Gesicht. ‚Taking Pictures of You‚ führt vor, was Prichard wohl meint, wenn er seine Band mit Pink Floyd vergleicht – all die Soundspielereien im Hintergrund machen letztendlich doch nicht mehr aus der belanglosen Ballade. Dem gegenüber funktioniert das Nebenher in ‚Fuck the World Off‚ deutlich besser, bringt wieder verhackelten Soul ins Spiel und weiß mit ideenreichem Gitarrenspiel zu gefallen. ‚Time Above the Earth‚ reduziert Prichard vor massiven Streichereinsatz und bevor richtig auf die Breitwandtränendrüse gedrückt werden kann, ist der Spuk schon wieder vorbei – ein Interlude zur Halbzeit.

Den Brückenschlag zum ersten Album findet ‚Runaway‚ mit seinem Ska-Beat, der Akkustikgitarre und dezenter Synthi-Arbeit. Da klopfen Vampire Weekend an die Tür und erstmals machen The Kooks auf ‚Junk of the Heart‘ beinahe alles richtig – bis der Song nach aufgebauter Spannung und drei Minuten unerwartet schlicht ausläuft. Darüber kann eigentlich nur der überzeugendste Rocker der Platte hinweghelfen: ‚Is it Me‘ hat erstmal Feuer unterm Hintern und das dazu passende Hitverständnis, das den Melodiehofierern zwar ohnedies nie abgeht, aber eben zu selten wirklich durchstarten kann um gute Songs zu tollen Songs zu macht. Vielleicht funktioniert ‚Is it Me‘ auch einfach deswegen, weil die Band da wieder diesen The Police Vibe beherzigt, den die Kooks einst so formidabel beherrscht hatte. ‚Killing Me‚ nimmt danach jedoch jeglichen Drive wieder raus, trotz fantastischer 80s Synthies schläft der Song im Refrain frecherweise einfach ein, ohne Eindruck schinden zu können. Spannender ist auch ‚Petulia‚ nicht, in seiner zurückgenommenen Reduziertheit zumindest aber angenehm – eine nette Popballade ohne zündende Idee – nicht mehr, nicht weniger. Klüger machen The Kooks es da schon bei ‚Eskimo Kiss‚: einer zappelnden Poprocknummer, wie man sie von den Kooks liebt, sie jedoch nur noch selten derart gehaltvoll serviert bekommt. Zum Abschluß verneigt sich  ‚Mr. Nice Guy‚ noch artig vor den Beatles und beweist, dass Prichard nicht nur ‚Kooks‚ in seinem Plattenregal stehen hat, sondern auch ‚Let´s Dance – die Bowie Momente stehen der Band.

So weit, so abwechslungsreich, so zahnlos. The Kooks spielen immer noch sommerfrischen Poprock, der eingängiger kaum sein könnte. Aber eben auch nicht belangloser. Deswegen wird ihnen niemand wirklich böse sein, aber rumkriegen werden sie damit niemanden mehr. Zu harmlos poppen sich die drei Engländer wieder durch ihre einst so charmanten Singalongs und hecheln ihrem Debüt mit geloopten Drums bemitleidenswert kraftlos hinterher. Gut – die waren immer schon eine Hitsingle- und keine Album-Band, doch die Ausbeute diesbezüglich fällt auf ‚Junk of the Heart‚ wieder relativ mager aus, auch wenn eine Steigerung zum Vorgänger zu bemerken ist. Den Sommer retten einem The Kooks damit diesmal nicht, für einen netten Tag mit Sonnenschein reicht es allemal. Da stört ‚Junk of the Heart‚ als nettes, aber schlußendlich egales Hintergrundgedudel keinesfalls.

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