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The Subways – Money and Celebrity

The Subways werden wohl nicht mehr erwachsen. Deswegen dreht sich auf ‚Money and Celebrity‘ alles um Geld, Parties, Parties ohne Geld – und was Teenies sonst noch ausgelassen tanzen lässt. Dass die Jungspunde auf Album Nummer Drei Veränderungen im Detail vornehmen, wird dabei einige Missverständnisse die Band betreffend nicht aufräumen können.

Zum Beispiel: The Subways sind keine amerikanische Band. Sie klingen nur immer noch so. Weil sie melodiesüchtig (angeblich) metallisch angereicherten Grunge in ihren Indierock transportieren und dabei beinahe vehement nach lauten Collegeparties, langen Highways  und ihre Hotelzimmer zerlegende Rockstars verlangen. Dabei korrigieren The Subways die Marschrichtung nun dezent und legen das unumwundene Grundgerüst ihrer Songs sichtbarer frei denn je: Kanten werden da noch freundlicher abgestumpft, die Songs stärker zum Pop hingedreht. Natürlich wirkte die zur Schau gestellte Aufmüpfigkeit in den Songs der Engländer immer schon aufgesetzt und der harte Überguss wie das zahnlose Brüllen kleiner Babylöwen. Dennoch fehlt der Band durch diese Reduktion auf harmlos ansprechenden Indierock nun nicht selten endgültig der Biss.

Auch so ein Missverständnis: The Subways spielen ihren Rock nicht frisch, frech und fetzig. Sie würden es aber gerne, müssen sich allerdings damit begnügen, ihn einfallslos und geradezu plump Richtung Ohrwurm hinzudreschen. Den Unterschied zwischen eingängig und aufdringlich kennt die Band dabei immer noch nicht. Natürlich geht das alles nett ab, die Hooklines drängeln unermüdlich und die Tanzflächen füllen sich bei den zwölf vorhandenen Songs praktisch von selbst. Das kann einen Abend versüßen, auf Dauer geht der Platte jedoch noch schneller die Luft aus, als seinen Vorgängern, werkelt die Band doch  zielstrebiger an ihren Hits als bisher. Wenig hilfreich sind in diesem Zusammenhang auch die Pokemon-Party-tauglichen Nonsens Texte. Songs heißen ‚It’s A Party‚, ‚We Don’t Need Money To Have A Good Time‚ oder ‚I Wanna Dance With You‚ und handeln genau davon bzw. klingen auch dementsprechend. Auf ironische Brechungen wartet man in diesem Reigen der Teeniepoesie vergeblich. Dass ‚Friday‚ lyrisch wenig anders macht als der prominente Namensvetter von Rebecca Black spricht da schon Bände.

Money und Celebrity‚ hat seine besten Momente deswegen auch ausgerechnet, wenn The Subways schamlos klauen. ‚I Wanna Dance With You‚ müsste mit seiner schunkelnd, charmanten Poppigkeit samt Doppelgesang eigentlich unter dem Banner der Los Campensinos laufen. Die Kaiser Chiefs werden für die fröhliche Auftaktsause ‚It’s A Party‚ bemüht, ‚Celebrity‚ imitiert mit rotierenden Gitarren den ‚Helicopter‚ der Bloc Party und ‚Rumours‚ wäre von den frühen Billy Talent aussortiert worden. Songs wie ‚Popdeath‚, das beschwingte Popfeuerwerk ‚Down Our Street‚ oder ‚Kiss Kiss Bang Bang‚ sind hingegen beinahe gewohnte The Subways-Nummern. Nur eben niedlicher, fluffiger, noch weichgespülter. Das verspricht viel, kann jedoch wenig halten – die Songs verlieren sich zu oft in ermüdender Banalität, denen jegliches Feuer abgeht. Nur selten klingt ‚Money and Celebrity‚ genauso hibbelig und aufgekratz, wie es The Subways wohl im Sinn hatten, zu oft verzettelt sich die Band in einfallslosen Wiederholungen und nervenden Simpel-Singalongs. Schmissig ist das vor guter Laune überschäumende ‚Money and Celebrity‚ zwar bis dorthinaus, verfällt noch vor der Halbzeit aber in einen dummdrolligen Trott der gefälligen Egalität. The Subways verwöhnen so mit oberflächlich rockender Unterhaltung samt anspruchslosen Unterbau und ohne nennenswerte Halbwertszeit. Ein Album, das den Spaß an simplen Rocksongs in den Vordergrund stellen möchte und schlußendlich wirkt, als würde man mit vorgehaltener Waffe zum Party-machen gezwungen werden.

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Comments (2)

  1. Peter21. Oktober 2011 Antworten
    Kann ich so nicht zustimmen.
    Ich muss sogar sagen, dass diese Kritik zwanghaft negativ wirken möchte. Für mich spielt es keine Rolle, welchem Genre ein Album am besten zuzuordnen ist oder, ob es nun zu poppig ist. Die Musik steht im Vordergrund und, wenn ich ein Album im Auto laut aufdrehen möchte und mir die Melodien und Texte nicht mehr aus dem Kopf gehen, sind dies gute Zeichen.
    Money and Celebrity ist sicherlich kein Meisterwerk, aber wahrlich nicht so schlecht, wie hier dargestellt.
    • Oliver23. Oktober 2011 Antworten
      Ob es nun ein gutes Zeichen ist, dass man sich das Album gerne im Auto (oder wo auch immer)anhört, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Was nun aber das „Musik und Texte nicht mehr aus dem Kopf bekommen“ angeht – diesbezüglich muss ich dich leider auf einen Irrtum hinweisen: ein Ohrwurm definiert sich keinesfalls dadurch, automatisch ein „Lieblingslied“ zu sein und schon gar nicht macht das aus einem Stück ein „gutes“ Lied.
      Wie dem nun sei: dass man mit ‚Money&Celebrity‘ eine gute Zeit verbringen kann, wird nirgendwo im Artikel in Abrede gestellt – nur dass es sich bei einer sich derart feilbietenden Musik um keine allzu lange Zeitspanne handelt (warum ich das so sehe, lässt sich ja weiter oben nachlesen), möchte ich der Platte eben nicht zugute schreiben. Dass es dabei keine Rolle spielt, in welches Genre man das Album – sofern man das möchte – nun steckt – in diesem Punkt gehe ich natürlich mit dir konform (obwohl ich den Bezug zur Review nicht wirklich herstellen kann, denn dort dienen die Schubladen in erster Linie dazu, Bezugspunkte für den Leser zu schaffen) und muss im Detail dann doch wieder einen Unterschied in unserem Musikverständnis hervorheben: mir ist es nicht egal, „ob etwas zu poppig ist“. Mir ist es ja auch nicht egal, wenn bspw. eine Suppe zu salzig ist (mag der Vergleich auch auf den ersten Blick hinken, sollte er doch halbwegs vor Augen führen, was ich meine).
      Ob man das Album nun „so schlecht wie hier dargestellt“, schlechter oder wirklich besser findet liegt deswegen ja im subjektiven Empfinden. Inwiefern deine Meinung also absoluter sein sollte als meine, sei dahingestellt.

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